Birgit S. aus Müllheim erkrankte am Toskana-Virus. Foto: Birgit S.

Nach einem Urlaub auf der italienischen Insel Elba erkrankt eine Frau aus Müllheim an einer in Deutschland kaum bekannten Virusinfektion.

Der Spätsommerurlaub sollte für Birgit S., wie die Frau in einer Mitteilung der Müllheimer Helios Klinik genannt wird, und ihren Mann eigentlich eine sportliche Auszeit werden. Schon bald sei dem Paar aufgefallen, wie aggressiv die Insekten waren. „Ich war völlig zerstochen“, erinnert sich Birgit S., die aus Hamburg stammt und in Müllheim lebt. Die Stiche entzündeten sich, doch anfangs nahm sie das als lästige Urlaubserinnerung hin, heißt es.

 

Sechs Tage nach der Rückkehr nach Deutschland bemerkte sie erste Symptome: „Ich bekam Nacken- und Kopfschmerzen, Schmerzen hinter den Augen und musste mich erbrechen. Bei der Arbeit ging das Coronavirus rum. Zuerst vermutete ich, dass ich mich angesteckt habe, da es sich wie eine schlimme Grippe anfühlte – nur intensiver.“ In der Helios Klinik Müllheim wurde die 59-Jährige mit Fieber, Lichtempfindlichkeit und Verwirrtheit aufgenommen. „Ich konnte mich nicht erinnern, wie groß ich bin oder welchen Beruf ich ausübe. Ich hatte das Gefühl, mein Kopf stecke in einer Aquariumskugel. Alles war dumpf“, schildert die zweifache Mutter.

Die Symptome deuteten auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) hin, heißt es in der Mitteilung der Helios Klinik. „Wir haben sofort breit mit Antibiotika und antiviralen Medikamenten behandelt“, erklärt Dr. Björn Reuter, Leitender Oberarzt der Neurologie.

Erster Fall in der Klinik

Nach Tagen voller Untersuchungen, Schmerzen und Verzweiflung besserte sich der Zustand der Patientin leicht. Die Testungen auf in Deutschland häufige Erreger bei Hirnhautentzündungen waren sämtlich unauffällig. Ein wichtiges Detail habe schließlich den entscheidenden Hinweis gegeben: „Ich berichtete, dass wir auf Elba waren und ich dort so zerstochen wurde“, berichtet Birgit S. Reuter ließ daraufhin auf das West-Nil- und das Toskana-Virus testen.

Drei Wochen später stand fest: Die 59-Jährige hatte sich tatsächlich mit dem Toskana-Virus infiziert. Es war der erste bekannte Fall dieser Art in der Helios Klinik Müllheim. Nach zehn Tagen im Krankenhaus und anschließender Genesungszeit zu Hause ging es der Patientin langsam besser.

Doch plötzlich traten starke Gelenkschmerzen, Rötungen und Schwellungen auf. Das linke Knie entzündete sich, die linke Hand schwoll an – eine reaktive Arthritis, ausgelöst durch die Virusinfektion. Typisch für diese Erkrankung sei, dass die Entzündung von einem Gelenk auf andere übergreifen kann. Erst in der Uniklinik Freiburg sei klar geworden, dass dies eine Spätfolge der Entzündung war. „Es war ein Auf und Ab. Ich war verzweifelt, konnte nicht laufen und hatte Fieber“, erläutert Birgit S.

Für die behandelnden Mediziner sei der Fall ein Lehrstück: „Wir müssen uns bewusst sein, dass auch in beliebten europäischen Urlaubsregionen Erreger lauern, die hier kaum bekannt sind“, betont Reuter. Wer nach einem Mittelmeerurlaub mit Fieber, starken Kopfschmerzen oder neurologischen Symptomen erkrankt, sollte unbedingt auf seltene Viren getestet werden, betont er.

Aufmerksam machen

Heute befindet sich Birgit S. auf dem Weg der Besserung, teilt die Klinik mit. „Dass so ein winziger Stich mich fast lahmgelegt hätte – das glaubt man erst, wenn man es erlebt. Ich werde Mücken nie wieder unterschätzen und möchte auf diese Krankheit aufmerksam machen“, sagt die Müllheimerin.

Toskana-Virus

Das Virus,
das im Mittelmeerraum verbreitet ist, kann beim Menschen Fieber, Kopfschmerzen und in seltenen Fällen eine virale Hirnhautentzündung auslösen. Eine spezifische Therapie gibt es nicht, behandelt wird symptomatisch. Es wird durch Mücken übertragen, heißt es in der Mitteilung der Helios Klinik Müllheim.