Der dreijährige Alessio war im Schwarzwald gewaltsam zu Tode gekommen. Sein Stiefvater steht unter Tatverdacht. Nun soll das Jugendamt einen umfangreichen Fragenkatalog beantworten. Foto: dpa

Das Jugendamt soll nach dem gewaltsamen Tod des dreijährigen Alessio im Schwarzwald einen umfangreichen Fragenkatalog beantworten. Dies hat das Sozialministerium gefordert.

Freiburg - Nach dem Prügeltod des dreijährigen Alessio in Lenzkirch im Schwarzwald richtet das zuständige Landratsamt eine Expertenkommission ein. Diese werde die Struktur der Kinder- und Jugendhilfe in der unter Kritik stehenden Behörde untersuchen, sagte Landrätin Dorothea Störr-Ritter (CDU) nach einer Sondersitzung des Kreistages am Montag in Freiburg. Zudem werde sie den konkreten Fall aufarbeiten. Der Kommission angehören sollen unabhängige Fachleute aus den Bereichen Justiz, Wissenschaft, Kinderschutz und Jugendhilfe. Sie sollen Missstände aufdecken und so ähnliche Fälle verhindern.

Das Sozialministerium dringt beim Jugendamt unterdessen auf eine umfassende Aufklärung. Mit dem Regierungspräsidium Freiburg habe das Land am Freitag einen umfangreichen Fragenkatalog an das Kreisjugendamt geschickt, sagte ein Sprecher von Ministerin Katrin Altpeter (SPD) am Montag in Stuttgart. Das Amt sei um baldige Beantwortung - möglichst bis Mitte der Woche - gebeten worden. Eine zentrale Frage sei, warum der Dreijährige in Abwesenheit der Mutter alleine beim Stiefvater gelassen wurde.

Jugendamt will Bericht am Dienstag übergeben

Das Jugendamt werde den Bericht am Dienstag fertigstellen und dem Regierungspräsidium übergeben, sagte die Landrätin. Die Arbeit der geplanten Expertenkommission laufe unabhängig davon und werde mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wann die Kommission mit der Arbeit beginnen könne, sei noch unklar. Zunächst müssten Fachleute gefunden werden.

Der Kommission angehören sollen auch die Vorsitzenden der im Kreistag vertretenen Fraktionen. Diese sprachen der Landrätin und ihrer Verwaltung am Montag das Vertrauen aus. Dennoch müsse die Arbeit im Jugendamt verbessert werden, um weitere Fälle zu verhindern. Hierzu werde der Kreistag auch Einsicht in die Akten des Falls nehmen.

Gleichzeitig wies Störr-Ritter Kritik an ihrer Behörde zurück. Diese sei stets transparent mit dem Fall umgegangen.

Die Polizei geht davon aus, dass der 32-jährige Stiefvater den Jungen zu Tode geprügelt hat. In der Kritik steht das Jugendamt des Kreises. Er war bereits 2013 und 21014 von Medizinern gewarnt worden. Dennoch hatte das Amt den Jungen zurück in seine Familie gebracht. Dort war es vor zehn Tagen zu dem tödlichen Zwischenfall gekommen.

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