Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Zollernalb-Kreistages winkt die Teilnahme an der Kampagne „Fairtrade Towns“ durch. So sieht das Projekt aus.
Wir wollen damit ein Zeichen für fairen Handel setzen“, erklärte Landrat Günther-Martin Pauli dem Kreistag. Der Landrat musste selbst ran bei der Vorlage, weil die zuständigen Kräfte erkrankt fehlten. Es gebe ja durch die Fairtrade-Städte Balingen und Meßstetten schon „Erfahrungswerte im Kreis“, so Pauli. Man wolle hier „schlank, aber zielorientiert“ arbeiten mit der Teilnahme an der Kampagne. Zudem seien die Kriterien und damit auch der verwalterische Aufwand überschaubar.
Begleitung durch Fachleute
Trotzdem hat es im Vorfeld eine Steuerungsgruppe mit mehreren Mitgliedern gegeben, die das Thema aufs Gleis gesetzt hatten. „Dem Gremium gehören zudem Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen – Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Gastronomie, Kirche – an, die teilweise bereits Erfahrungen mit dem Thema Fairtrade beisteuern können“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Die Gruppe selbst ist ebenfalls ein Teil der Kriterien, um Fairtrade-Landkreis zu werden. Der Trupp wird auch weiterhin unterstützen, die „begleiten das nicht als Eintagsfliege“, stellte der Landrat klar. Ziel des Zollernalbkreises und von Fairtrade generell „ist es, einen Entwicklungsbeitrag zu leisten, das Leben der an der Produktion beteiligten Menschen und Familien in den Anbauländern zu verbessern und somit eine häufige Fluchtursache zu bekämpfen“, führt die Verwaltung in der Vorlage weiter aus. Dabei gehe es um einen Prozess, der Veränderungen anstoße. Auch in der Bevölkerung sei es wichtig, ergänzte Pauli, für „Sensibilisierung“ zu sorgen.
Ziel: Entwicklungsbeitrag zu leisten
Aber auch der Kreisverwaltung ist sonnenklar, dass man die Probleme des globalen Südens nicht mit fairem Kaffee und Apfel-Mango-Saft gelöst bekommt. „Natürlich kann Fairtrade komplexe Probleme kleiner Regionen nicht allein lösen. Als Teil einer breiteren Entwicklungsstrategie führt der faire Handel jedoch zu sozialen, wirtschaftlichen und ökonomischen Verbesserungen“, heißt es hierzu. Und genau das, Fairtrade-Kaffee und der Apfel-Mango-Saft soll künftig auch bei den Sitzungen der Kreisorgane und sonstigen Veranstaltungen des Landratsamtes angeboten werden.
Konkurrenz für Regionales?
Die Mehrkosten sind überschaubar, belaufen sich auf gut 500 Euro jährlich. Vor der Beschlussfassung gab es aus den Reihen des Ausschusses etwaige Wortmeldungen. Heike Pieper (AfD) befand das Konzept zwar als „begrüßenswert“, wünschte sich aber eine differenzierte Betrachtung, da die Fairtrade-Produkte in Teilen in Konkurrenz zu heimischen Erzeugnissen stünden. Gerade etwa beim Honig – würde man jenen aus Afrika hernehmen, dann wäre das „ein Schlag ins Gesicht für unsere heimischen Imker“, wurde sie deutlich. Hier brauche sie keine Sorge haben, beschwichtigte Pauli, man verwende freilich nur Honig der eigenen Bienen aus der Region. Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia (Freie Wähler) berichtete noch aus „seiner“ Stadt und betonte den Mehrwert. Es sei auch festzustellen, dass sich etwa die Touristen explizit nach den Fairtrade-Produkten erkundigen würden.
Der Ausschuss votierte am Ende bei einer Enthaltung (Pieper) mit klarer Mehrheit für die Teilnahme an der Fairtrade-Kampagne. Somit wird der Zollernalbkreis künftig als Fairtrade-Landkreis zertifiziert sein – sofern die restlichen Kriterien ebenfalls noch erfüllt werden.
Was versteht man unter Fairtrade?
Fairtrade
verändert die Art und Weise, wie der Handel funktioniert, durch bessere Preise, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und unseren Einsatz für eine gerechte Behandlung der Menschen in den Produzentenländern.
Als unabhängige Initiative
zur Förderung des fairen Handels vertritt Fairtrade Deutschland e.V. das internationale Fairtrade-System in Deutschland und vergibt das Fairtrade-Siegel auf dem deutschen Markt. Wir setzen uns für globale Handelsgerechtigkeit ein, aktivieren zivilgesellschaftliches Engagement und arbeiten mit Handels- und Lizenzpartnern zusammen, die nach den Fairtrade-Standards gehandelte Produkte anbieten.