Auf den Auslieferparkplätzen stehen neben Kurzhauber-Lkw mit dem Stern wohl auch Trucks der Marke Foton (li.), ein Joint-Venture-Partner von Daimler Truck. Foto: Imago/Depositphotos, Imago/Dreamstime

Nicht nur alte Mercedes-Lkw werden im Iran noch gebaut, sondern wohl auch aktuelle Modelle eines Joint-Venture-Partners von Daimler Truck. Das birgt angesichts der Sanktionen Brisanz.

Südlich vom Zentrum der iranischen Hauptstadt Teheran liegt das Werk der Iran Khodro Diesel Company. Die ist eine Tochter des Fahrzeugherstellers Iran Khodro. Auf ihrem Gelände befinden sich mehrere Auslieferparkplätze. Luftaufnahmen von diesen Flächen zeigen Lastwagen, an deren Entwicklung möglicherweise auch der Stuttgarter Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck beteiligt war. Das birgt angesichts der harten internationalen Sanktionen gegen den Iran einige Brisanz.

 

Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge, der sich auf Satellitenbilder des mit ihm kooperierenden Start-ups LiveEO bezieht, soll es sich bei den dort stehenden Nutzfahrzeugen zum einen um einen alten, orange lackierten Mercedes-Kurzhauber-Lkw der L-Baureihe handeln – und zum anderen offenbar um moderne Foton-Lkw aus einem Joint Venture des weltweit größten Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck in China. Die Aufnahmen von Anfang Januar ähneln denen bei Google Maps.

Der Beitrag fällt in eine Phase, in welcher der Iran viel in den Medien ist. Denn der Sicherheitsapparat hat die zum Ende des vergangenen Jahres hin begonnenen Massenproteste gegen das Regime niedergeschlagen, es gibt Berichte über Tausende Tote.

Donald Trump droht mit Strafzöllen

Die Islamische Republik wird von den USA und der EU bereits hart sanktioniert. US-Präsident Donald Trump griff iranische Atomanlagen militärisch an und drohte dem Land schon mehrmals mit dem erneuten Eingreifen der Vereinigten Staaten. Er kündigte auch Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe der Länder an, die mit dem Iran Geschäfte machen. Angesichts des brutalen Vorgehens gegen die Massenproteste durch das Regime, dem bereits Tausende Menschen zum Opfer gefallen sein sollen, hat sich die Brisanz weiter verschärft. Geraten Daimler Truck und andere Unternehmen nun ins Visier der Trump-Administration?

Daimer Truck wehrt sich gegen den Verdacht, Sanktionen zu unterlaufen. „Eine Fertigung von Mercedes-Benz Lkw im Iran ist von Daimler Truck nicht autorisiert“, teilt der Nutzfahrzeugbauer mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Daimler Truck hat seine Geschäftsaktivitäten im Iran eingestellt“, stellt der Dax-Konzern grundsätzlich klar. Es bestünden keine Geschäftsbeziehungen und Lieferungen und es bestehe auch keine Lizenzfertigung für Mercedes-Benz Trucks.

Foton ist Joint-Venture-Partner von Daimler Truck

Die erste Generation der Kurzhauber-Lkw – Laster mit kurzer Motorhaube – stellte der Mercedes-Konzern, aus dem Daimler Truck erst vor drei Jahren ausgegliedert wurde, bereits Ende der 1950er-Jahre vor. Iran Khodro, ein früherer Partner des deutschen Autobauers, durfte später Kurzhauber-Lkw bauen – und fertigt sie offenbar heute immer noch an.

Auf den Satellitenbildern sind dem Bericht zufolge auch besagte Trucks des chinesischen Herstellers Foton zu sehen, eines Joint-Venture-Partners von Daimler Truck. Demnach handle es sich um die Baureihen Auman H4 und H5, die dort im Iran montiert werden.

Derartige Foton-Trucks stehen offenbar auf den Auslieferparkplätzen. Foto: IMAGO/Depositphotos

„Daimler Truck und Foton halten Beteiligungen an dem Joint Venture Beijing Foton Daimler Automotive“, teilt der deutsche Lkw- und Bushersteller mit und ergänzt: „Dieses Joint Venture produziert in China schwere Lkw.“

Mit Blick auf das Sanktionsrecht antwortet der Konzern recht allgemein: Er habe „ein Compliance Management System zur Einhaltung der rechtlichen Vorgaben, unter anderem der anwendbaren Exportkontroll- und Sanktionsbestimmungen, implementiert.“ Über diese Aussagen hinaus kommentierte er die Anfrage nicht.

Getriebehersteller ZF ist einer der Foton-Lieferanten

ZF zählt zu den Lieferanten des Foton Auman, bestätigte der Friedrichshafener Zulieferer unserer Zeitung. Er sei jedoch „nicht exklusiver Lieferant für Getriebe der genannten Modelle“. ZF nehme „geltende Sanktionsvorschriften sehr ernst und hat hierzu entsprechende interne Prozesse eingerichtet“, ergänzt der Getriebehersteller.

Die dienten der Einhaltung der Regeln, auch in China. „Die globale Compliance-Organisation stellt dies weltweit sicher“, heißt es von ZF. Das direkte und indirekte Geschäft mit dem Iran habe das Unternehmen bereits 2018 eingestellt.