Der Weg zum Führerschein soll vereinfacht werden. Doch wie genau das gehen soll, dazu haben diverse Fahrlehrer aus Donaueschingen einige Ideen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat jüngst eine Diskussion über eine umfassende Reform in Richtung eines kostengünstigeren Führerscheins losgetreten. Dies stößt nicht nur bei der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) auf große Kritik. Auch in Donaueschingen ist der Vorstoß des Ministers umstritten.
Das Fazit von Fahrschullehrer und Fahrschulinhaber Thorsten Stüdemann (Thorstens Fahrschule) ist eindeutig: „Würde man die Vorstellungen der Regierung umsetzen, ginge dies auf Kosten der Verkehrssicherheit und der Führerschein wäre noch teurer.“
Dass der Autoführerschein heute so teuer sei, habe viele unterschiedliche Gründe, vor allem die gestiegenen Betriebskosten. Auch seien vor ein paar Jahren die Prüfungszeiten von 45 Minuten auf 55 Minuten erhöht worden. Allein dies erfordere mehr Fahrzeiten. Eine Fahrprüfungsreduzierung wie zuvor könnte er sich gut vorstellen.
Die derzeit geforderten Sonderfahrten sollte man keineswegs kürzen, da sie für die Verkehrssicherheit sehr wichtig seien. Die Idee, einen Fahrsimulator einzusetzen, um Fahrstunden reduzieren zu können, sieht der Fahrlehrer eher kritisch „nur ergänzend“. Man könne doch auch nicht nur per Handy einen Beruf erlernen.
Keineswegs könnte er sich den Theorieunterricht per App und online vorstellen, so Stüdemann. Während Corona seien damit negative Erfahrungen gemacht worden. Wer Fahrstunden einsparen möchte, könne die Übungsplätze nutzen. Er könnte sich auch vorstellen, in den Abschlussklassen auf den Führerschein zugeschnittene Verkehrserziehung anzubieten.
Zwei unterschiedliche Fahrzeuge
Fahrschulleiter Werner Dunzweiler von der Fahrschule Top Drive sieht mehrere Gründe für die hohen Führerscheinkosten. Neben den gestiegenen Kosten für Personal und Betrieb erfordere der Führerschein B197 auch zwei unterschiedliche Fahrzeuge, damit die Fahrschüler sowohl Automatikfahrzeuge als auch Autos mit Schaltgetriebe fahren lernen und dies im Führerschein auch anerkannt werde.
Auch dauere die Antragsstellung beim Landratsamt etwa vier Monate, hinzu kämen die durch den TÜV begrenzten Prüfungstermine. Die geforderten 55 Minuten Prüfungszeit legten die Prüfer meist auf die Prüfzeiten um, auch dies verlängere die Ausbildungszeit.
Der Fahrschulleiter sieht aber auch die Durchfallquote (durchschnittlich zwölf Prozent in der Praxis, bis zu 25 Prozent in der Theorie) als kostentreibend an. Die Gründe dafür, gerade in der Theorie, lägen hauptsächlich im geringeren eigenverantwortlichen Lernen. Die Belastbarkeit der Fahrschüler habe sich verändert, ebenso die Wahrnehmung und Akzeptanz von Wertigkeit und Regeln. Zum Teil hätten die Fahrschüler eine zu hohe Selbsteinschätzung, dafür eine mangelnde Mitarbeit.
Die Möglichkeit, Führerscheinkosten mittels Fahrsimulatoren zu verringern, sieht Dunzweiler nicht – sie könnten nur minimal reduziert werden. Zudem sei die Anschaffung eines Simulators sehr teuer. Reduzieren könnte man dagegen die derzeit vorgeschriebenen zwölf Sonderfahrten, erklärt Dunzweiler.
Simulator ersetzt Übungsstunden nicht
Ingo Held, der Geschäftsführer und Fahrlehrer der IN-Fahrschule, setzt auf eine bestmögliche Lernatmosphäre. Hierzu zählt auch der moderne Fahrsimulator: „Dieser ist nicht vorgeschrieben, aber eine gute Ergänzung zum Fahrtraining.“ Allerdings könnte man allein durch diesen Simulator keinesfalls auf die notwendigen Übungsstunden verzichten, sondern deren Zahl nur eventuell verringern. So wäre es sicher möglich, die zehn geforderten Schaltübungsstunden über den Simulator abzuleisten.
Dass die B-Führerschein-Kosten zu hoch seien, sieht Held differenziert. „Heute haben die Jugendlichen Handys, die rund 1000 Euro kosten, und diese werden immer wieder ausgetauscht. Einen Führerschein hat man das ganze Leben lang.“
Neben der gestiegenen Zahl der notwendigen Übungsstunden, bis der Fahrschüler seine Prüfung ablegen kann, sieht auch Held das Problem in der hohen Durchfallquote, besonders bei der Theorieprüfung. Die Gründe dafür seien vielfältig: das selbstständige Lernen, die Selbstüberschätzung, die mangelnde Vorbereitung, sicherlich auch die Prüfungsangst.
Doch bestehe bei vielen Fahrschülern überhaupt kein Zeitdruck, da oft die Eltern die Kosten übernähmen und auch als Elterntaxi ständig zur Verfügung stünden. Um die Führerscheinkosten zu reduzieren, hat Held an die Politiker eine machbare Antwort: „Alle Weiterbildungen sind steuerfrei, warum nicht auch die Führerscheinausbildung? Zumal das Auto fast immer auch beruflich genutzt wird.“
Wegfall der Mehrwertsteuer
Die Geschäftsführer der Fahrschule Weißenberger, Simon, Kai und Andreas Weißenberger, sehen die Diskussion kritisch. Auf die Sonderfahrten zu verzichten oder deren Zahl zu reduzieren, sei eher schwierig, da besondere Anforderungen unter erschwerten Bedingungen gezielt geschult werden sollten.
Der Vorschlag, mittels Simulator Fahrstunden für Schaltfahrzeuge einzusparen, sei eher marginal zu sehen, da ein moderner Fahrsimulator kostenintensiv sei und qualifiziertes Personal benötige.
Ein Punkt sei die teilweise fehlende Motivation der Schüler, aber auch die erhöhte Durchfallquote, vor allem bei Theorieprüfungen, trotz hervorragender Lernprogramme.
Für eine Reduzierung der Kosten hätte das Familienunternehmen zwei Vorschläge. Zum einen der grundsätzliche Wegfall der Schaltkompetenz, die als freiwillige Basis angeboten werden könnte.
Eine große Ersparnis wäre der Wegfall der Mehrwertsteuer. Rechtfertigen könnte man diesen durch die berufliche Notwendigkeit des Führerscheins, gerade im ländlichen Raum. Wichtig ist den Fahrlehrern jedoch vor allem eines: Keinesfalls dürfe unter der Kostenersparnis die Verkehrssicherheit leiden.
Schnieders Vorschläge
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU)
hat einen Vorstoß gestartet, den Führerschein günstiger zu machen, indem er die Präsenzpflicht für den Theorieunterricht abschaffen, verstärkt auf Online-Angebote setzen, den Fragenkatalog für die Theorieprüfung reduzieren und die Zahl der Sonderfahrten senken möchte, um die Ausbildung erschwinglicher zu gestalten.