Viel Stress bedeutet eine Führerscheinprüfung für die Jugendlichen – das war schon immer so. Und doch rasseln jetzt auffallend viele Fahrschüler durch. Foto: © Dragana Gordic – stock.adobe.com

Langes hinfiebern, etliche Fahrstunden und dann das Herzrasen vor dem großen Tag: die praktische Führerscheinprüfung. Doch immer mehr fallen durch – Warum?

Bei den meisten liegt sie schon eine Weile zurück, einige haben sie noch vor sich. Vor allem im ländlichen Raum ist ein Führerschein schon fast unabdingbar. Doch immer mehr Fahrschüler fallen durch die praktische Prüfung – auch bei uns im Kreis.

 

Fast jeder Dritte würde durchfallen, meint Edgar Rann, Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule Rann. Doch daran seien nicht nur die Jugendlichen schuld. Auch die äußeren Bedingungen haben sich in den vergangnen Jahren verändert. So sind, laut Rann, die Prüfungsrichtlinien strenger geworden. Zum Beispiel seien Fahrassistenzsysteme während der Prüfung zu bedienen und zu erklären. Ebenfalls würde das wachsende Verkehrsaufkommen die Fahrschüler immer mehr fordern.

Fahrschüler kaum belastbar

Nicht nur Rann hat eine auffallend hohe Durchfallquote, auch bei der Fahrschule Blessing rasseln die Prüflinge durch. Karl Blessing, Fahrlehrer bei der gleichnamigen Fahrschule, bemerkt immer häufiger, dass Fahrschüler in der Prüfung öfter überfordert und kaum belastbar seien. Es komme jedoch auf den Typ Mensch an, der vor dem Lenkrad sitzt. „Die einen nehmen es zu sehr auf die leichte Schulter und die anderen setzen sich zu sehr unter Druck“, erklärt Blessing. In den seltensten Fällen würde es an einem Mangel der Ausbildung liegen, stellt er klar.

Meistens erste große Prüfung im Leben

Jochen Klima, Geschäftsführer des Fahrlehrerverbands Baden Württemberg, weiß noch einen Grund warum junge Fahrschüler während der Prüfung kaum belastbar zu sein scheinen: „Der Schulabschluss rückt immer weiter nach hinten und der Führerschein immer weiter nach vorne.“ Die praktische Prüfung sei in den meisten Fällen die erste große Prüfung in dem Leben der Fahranwärter. Dem Stress, der Angst und dem Druck einer Prüfungssituation standzuhalten hätten die Fahrschüler noch nicht gelernt, vermutet Klima. Zu dem komme der Druck und die Erwartungshaltung des Umfeldes dazu.

Nicht mehr auf das Auto angewiesen

Markus Kokott, Inhaber der „Deine Fahrschule Mönchweiler“, kann ebenfalls eine Veränderung bei den Jugendlichen beobachten. Früher habe man auf den Führerschein hingefiebert, doch heute würden die Jugendlichen, laut Kokott, den Führerschein als weniger wichtig einstufen. „Er hat einfach nicht mehr denselben Stellenwert“, meint der 40-Jährige. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sei man heute besser unterwegs als früher. Besonders würden den Fahrlehrern Menschen mit Migrationshintergrund auffallen. Die Sprachbarriere, die schon bei der Theorieprüfung eine Herausforderung ist. Bei den Fahrstunden würde sie zusätzlich die Kommunikation zwischen Fahrlehrer und Schüler behindern. Falls der Fahrschüler bereits in einem anderen Land, mit einem anderen Verkehrssystem, den Führerschein gemacht hat komme zusätzlich die Umgewöhnung mit dazu.

Klima empfiehlt: „Auf den Fahrlehrer hören und genug Fahrstunden machen. Wenn der Fahrlehrer meint, man ist noch nicht bereit für die Prüfung, dann ist man das meistens auch nicht.“