Neun Fahrlehrer sind für Andreas Weißenberger unterwegs. Um die halten zu können, muss er attraktive Gehälter zahlen. Deshalb muss er auch über Preissteigerungen nachdenken. Foto: Simon

Erst Lockdowns, dann explodierende Spritpreise: Fahrschulen werden in den vergangenen Monaten immer wieder von internationalen Entwicklungen überrascht.

Donaueschingen - Entwicklungen, die wohl auch die Fahrschüler zu spüren bekommen werden. Denn Übungsstunden könnten teurer werden, wie der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg jüngst angekündigt hat. Zwei bis drei Euro mehr für eine Stunde im Auto, bis zu fünf Euro im Lastwagen – diese Preissteigerungen empfiehlt der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg. Bei einem Durchschnitt von 30 bis 40 Fahrstunden, erhöht sich der Preis für einen Auto-Führerschein damit um bis zu 120 Euro. Müssen sich auch Fahrschüler in Donaueschingen auf höhere Preise gefasst machen?

 

In-Fahrschule

Ingo Held, Inhaber der In-Fahrschule mit Standorten in Donaueschingen, Bräunlingen und Hüfingen, plant vorerst keine Anhebung der Führerscheinkosten. Die Preise habe er zuletzt 2021 erhöht, und "wir können nicht alles an die Kunden weitergeben". Fahrschüler müssten sowieso schon immer tiefer in die Tasche greifen, um ihren Führerschein zu bekommen. Drei Fahrlehrer beschäftigt Held momentan in seiner Fahrschule. Wie viel genau er momentan an Mehrkosten gegenüber seiner letzten Kalkulation habe, wolle er lieber gar nicht so genau wissen, sagt Held. Die Betriebskosten seien aber auf jeden Fall "um einiges gestiegen". "Wir tragen das quasi momentan auf eigenen Schultern", so der Fahrlehrer. Künftige Preissteigerungen könne er natürlich nicht ausschließen: "Klar – irgendwann bist du dazu gezwungen, das ist leider so." Laut Held bietet die In-Fahrschule ihren Kunden momentan noch Verträge über zwölf Monate. Neuverträge sollen künftig aber nur noch für sechs Monate gelten – so wie es auch der Fahrlehrerverband empfiehlt.

Thorstens Fahrschule

Bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten bleiben will dagegen Thorsten Stüdemann. Auch die Preise will der Fahrlehrer in seinem Ein-Mann-Betrieb "explizit wegen der Spritkosten" nicht erhöhen – wenn die Entwicklung im derzeitigen Rahmen bleibe. "Ich erhöhe eh mindestens einmal im Jahr die Preise." Außerdem glaube er, dass andere Autofahrer momentan viel stärker betroffen seien: "Der Vorteil, den wir haben, ist ja, dass wir die Preise eins zu eins an die Fahrschüler weitergeben könnten", so Stüdemann. Für Privatpersonen sei ein Ausgleich deutlich schwieriger. Auch der Umstieg auf Elektromobilität kommt für ihn vorerst nicht in Frage – dafür stellten sich derzeit noch zu viele Probleme bei der Infrastruktur.

Fahrschule Weißenberger

Deutlich größer ist die Fahrschule von Andreas Weißenberger mit Standorten in Donaueschingen, Löffingen, Bonndorf, Birkendorf und Todtnau. Neun Fahrlehrer sind für seine Schule unterwegs. Die Preise hat Weißenberger in Folge der pandemiebedingten Ausfälle bereits im vergangenen Jahr angehoben. Der große Fahrlehrermangel habe dabei auch eine Rolle gespielt: Um seine Mitarbeiter halten zu können, müsse er ihnen attraktive Gehälter zahlen, so Weißenberger. Angesichts der hohen Spritpreise denke er auch jetzt über eine Anhebung der Preise nach. Vorübergehend zahlen seine Schüler für Fahrstunden in Verbrennern einen kleinen Aufschlag – bis sich die Spritkosten wieder normalisieren. Zusätzlich überlegt Weißenberger, künftig mehr auf E-Mobilität zu setzen. Momentan hat die Fahrschule am Standort Donaueschingen zwei elektrisch betriebene Autos in Gebrauch und auch für die Schüler in Löffingen soll bald ein E-Auto zur Verfügung stehen. "Aber das Problem ist da schon die Reichweite", betont der Fahrlehrer. In Bonndorf, Birkendorf und Todtnau sei die Entfernung zum Prüfungsgebiet oftmals einfach zu groß für den Betrieb mit dem E-Auto.

Das sagen Verbraucherschützer

Bis zu 120 Euro mehr für den Autoführerschein – was bedeutet das für die Fahrschüler? "Man muss sagen, dass da mehr drin ist als die gestiegenen Energiepreise", erklärt Oliver Butler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wenn Preise nun im Rahmen von zwei bis fünf Euro erhöht würden, sei das "natürlich etwas unfreundlich". Zugleich verstehe er auch die Situation der Fahrschulen angesichts gestiegener Spritpreise und der Inflation. "Es ist bitter für uns Kunden", so Butler. "Aber es ist noch gerechtfertigt." Skeptischer zeigt er sich angesichts der Empfehlung des Verbandes, Verträge auf sechs Monate Laufzeit zu begrenzen. Gerade für Jugendliche sei diese Zeit sehr knapp bemessen. Butler sieht außerdem die Gefahr, dass Fahrschulen Verträge nach sechs Monaten nicht erneuern könnten. "Ich glaube schon, dass die Fahrschulen da sehr dahinter sein werden, unliebsame Kunden loszuwerden." Zwölf Monate sind laut Butler zudem eine übliche Vertragslaufzeit. Schließlich könnten Unternehmer ihre Preise entsprechend kalkulieren.

Info: Vertragslaufzeit

Der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg empfiehlt Fahrschulen, die Vertragslaufzeiten anzupassen. "Das Problem ist, dass sich die Steigerungen des Spritpreises sehr massiv auswirken, weil die Fahrschulen mit ihren Kunden Verträge von sechs, manchmal sogar zwölf Monaten haben", erklärt Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes. Fahrschulen könnten deshalb nur sehr eingeschränkt auf Spritpreissteigerungen reagieren. "Wir raten deshalb dringend unseren Kollegen, alle auf sechs Monate umzusteigen, um die Preise besser anpassen zu können", so Klima