Maximilian Kappe darf sich jüngster Fahrlehrer des Landes nennen. Er bewertet die Reformpläne und spricht einen beunruhigenden Trend an.
Maximilian Kappe ist gerade einmal 21 Jahre alt und sagt im Fahrschulauto bereits an, wo es langgeht. Seit Februar dieses Jahres ist der junge Mann aus Albstadt-Laufen ausgebildeter Fahrlehrer und brachte seitdem 18 Fahrschüler erfolgreich durch die Prüfung. Wir haben mit dem jüngsten Fahrlehrer im Zollernalbkreis und sogar Baden-Württembergs gesprochen.
Seine berufliche Laufbahn ging zunächst gar nicht Richtung Fahrschule: Nach erfolgreichem Realschulabschluss in Balingen im Jahr 2020 begann Kappe seine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher an der Berta-Benz-Schule in Sigmaringen.
Hier absolvierte er 2023 seine Fachhochschulreife, es folgte das Anerkennungsjahr als Erzieher und schließlich sogar der Abschluss als Bachelor of Professional Sozialwesen.
„Bilde gerne Menschen aus“
„Dann habe ich aber eine Pause gebraucht von diesem Job“, sagt Kappe im Gespräch mit unserer Redaktion. Schließlich fasste er im Sommer 2024 den Entschluss, die Ausbildung zum Fahrlehrer anzugehen.
„Mir bereitet es einfach unheimlich viel Freude, andere Menschen auszubilden“, begründet Maximilian diese Entscheidung. In der Kirche aktiv, schult er die Ministranten. Beim Roten Kreuz ist er ebenfalls in ausbildender Funktion engagiert.
Hinzu kommt ganz entscheidend, dass der junge Mann mit Verkehrszeichen, unterschiedlichen Fahrzeugen, Straßenverkehrsregeln und Unterrichtsmaterialien aufgewachsen ist. Vater Thomas, Onkel Markus und Tante Angela sind ebenfalls als Fahrlehrer tätig – bei der Fahrschule Kappe in Balingen.
Pädagogik ist ein großer Teil
„Bereits mit 14 habe ich in der Fahrschule als Minijobber mitgearbeitet, sobald möglich den Mofaführerschein gemacht und frühstmöglich den Pkw-Führerschein“, erzählt Maximilan. Seitdem sammelte er Tausende Kilometer Erfahrung am Steuer. Das ist ein Tipp, den er jedem seiner Schüler mit auf den Weg gibt: „Man muss so viel wie möglich fahren, selbst wenn es nur der kurze Weg zum Einkaufen ist. Erfahrung sammeln und Routine bekommen sind die wichtigsten To-dos für Fahranfänger.“
Im theoretischen Teil der Fahrlehrerausbildung, so berichtet der 21-Jährige, werden in besonderem Maße pädagogische Inhalte vermittelt. „Hinzu kommen dann Verkehrsrecht, Technik und vieles weitere“, zählt Kappe auf.
In der praktischen Prüfung müssen die Anwärter das „Fahren in Perfektion“ unter Beweis stellen. „Hier gelten viel strengere Vorgaben als bei den Fahrschülern.“ Immerhin müssen die Fahrlehrer nicht nur selbst das Fahrzeug perfekt beherrschen, sondern diese Fähigkeit den Fahranfängern so vermitteln, dass diese ebenfalls sicher am Straßenverkehr teilnehmen können.
Prüfungsangst nimmt zu
Und das scheint eine immer größere Herausforderung zu werden. „Immer mehr Schüler leiden unter enormer Prüfungsangst“, spricht Maximilian Kappe eine beunruhigende Entwicklung an. Da gebe es Schüler, die in den Fahrstunden einwandfrei fahren, in der Prüfung allerdings die Nerven verlieren und die rote Ampel übersehen. Jede weitere Prüfung steigert die Kosten. Dreieinhalb bis 4000 Euro, teils sogar noch mehr, kostet derzeit in der Regel der Führerschein.
Prüfungsangst ist aber nur einer von mehreren Gründen, wieso der Führerschein in ganz Deutschland immer teurer wird. „Die allgemeine Inflation macht den größten Anteil aus“, sagt Kappe. Hinzukommt: „Unsere Kunden bringen mittlerweile keinerlei Vorerfahrung mehr mit.“ Früher war es noch öfter der Fall, dass erste Erfahrungen etwa auf einem Übungsplatz gesammelt wurden. „Heute sind wir erst mal eine Weile damit beschäftigt, die Pedale zu erklären und zu zeigen, wie der Blinker betätigt wird“, meint der junge Fahrlehrer.
Ein Sicherheitsrisiko?
Die Reformvorschläge von Verkehrsminister Patrick Schnieder zur Senkung der Kosten überzeugen Kappe und seine Kollegen in der Branche nur zu einem kleinen Teil. So könne er sich zwar gut vorstellen, künftig die Nachtfahrten von drei auf eine verpflichtete Fahrt zu verringern. „Aber die Idee, auch die verpflichtenden Überland- und Autobahnfahrten stark zu minimieren, halten wir für ein Sicherheitsrisiko.“
Kappe selbst hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, im Laufe des nächsten Jahres alle Führerscheinklassen bis hoch zum 40-Tonner ausbilden zu dürfen. Seinen im vergangenen Jahr verstorbenen Großvater, Fahrschulgründer Erhard Kappe, konnte er bereits mächtig stolz machen. „Er hat sich riesig gefreut, dass ich in seine Fußstapfen getreten bin.“