Gabriele Müller arbeitet in der ehemaligen Fahrschule Wagner, die Alban Musliu im März übernahm. Foto: Louisa Speicher

Gabriele Müller bringt seit mehr als 26 Jahren Schülern das Fahren bei. Sie hat einige Veränderungen im Fahrunterricht mitbekommen. Ein häufig diskutiertes Thema: die Kosten.

„Fahrschulen sind zu teuer geworden“ oder „Führerscheinmachen kostet heute ein gefühltes Vermögen“ sind Sätze, die sich Fahrschullehrer schon unzählige Male anhören mussten. Denn tatsächlich ist es heute eine teure Entscheidung, ob man einen Führerschein für etwa 3000 Euro macht. Früher kostete er teils nur ein Drittel davon.

 

Aber warum genau ist er so viel teurer geworden? Wozu müssen so viele Fahrstunden erbracht werden, bevor es zur Prüfung geht? Gabriele Müller von der Fahrschule „Secure Drive“, ehemals Fahrschule Wagner, erklärt, was sich in den vergangenen 25 Jahren beim Führerscheinmachen geändert hat.

Gleich mehrere Faktoren erhöhen Preise

Gabriele Müller arbeitet seit 26,5 Jahren in St. Georgen als Fahrlehrerin. In dieser Zeit habe sich einiges geändert, sagt sie. „Ja, der Führerschein kostet heute bedeutend mehr als damals – aber es gibt einige Gründe, wodurch sich die Preiserhöhung nicht verhindern ließ.“

Die Fahrlehrerin erklärt, dass sich – genauso wie in jeder anderen Branche auch – die Kosten enorm erhöht haben. „Die Autopreise haben sich teilweise vervierfacht. Die günstigsten Autos können wir auch nicht nehmen, weil ein Fahrschulauto einige Voraussetzungen an Ausstattung erfüllen muss. Wir leasen und fahren mehr als 100 000 Kilometer pro Jahr pro Auto.“ Seit Corona seien weitere Gründe für die erhöhten Preise dazugekommen, wie etwa höhere Spritpreise und eine gestiegene Kraftfahrzeugsteuer, so Müller. Die Inflation sei für viele Fahrschulen ein Zeitpunkt gewesen, die Preise anzuziehen – mit den vorherigen Preisen hätte niemand mehr seine Fahrschule halten können.

Ein Drittel braucht mehr als zwei Jahre

Ein Kritikpunkt, dem sich Fahrlehrer häufig stellen müssen, sind die Anforderungen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Wer vor zwanzig Jahren oder darüber hinaus seinen Führerschein gemacht hat, hat vermutlich weniger bezahlen müssen als heutige Schüler und in vielen Fällen auch weniger Fahrstunden erbringen müssen – das streitet Müller gar nicht ab. „Meine früheren Fahrschüler mussten viel weniger leisten“, gibt sie zu.

Dass die Prüfungsanforderungen heute viel höher sind, sei nicht die Schuld der Fahrschulen, sondern die der Umstände auf den Straßen. „Der Fahrstil vieler Autofahrer auf den Straßen ist aggressiver im Vergleich zu früher. Dadurch entwickeln manche Fahrschüler eine Angst vor dem Verkehr und brauchen mehr Zeit, um mit den Situationen klarzukommen“, erklärt Müller. Außerdem würden nicht mehr viele Schüler Fahrrad fahren, was einem ein gutes Grundverständnis als Verkehrsteilnehmer beibringe.

Auch Motivation der Schüler entscheidend

Dass manche mehr Theorie- und Fahrstunden benötigen als noch vor zwanzig Jahren, hänge auch mit der Motivation der Schüler zusammen, sagt die Fahrlehrerin. Laut Müller brauchen mittlerweile rund ein Drittel der Fahrschüler mehr als zwei Jahre bis zum Antritt zur Theorieprüfung.

Viele Fahrschüler entscheiden sich für den regulären Führerschein der Klasse B. Dieser setzt sich aus insgesamt 14 Doppelstunden à 90 Minuten Theorieunterricht für die Zulassung zur theoretischen Prüfung zusammen sowie zwölf Sonderfahrten als Pflichtstunden. Zudem werden individuell bestimmte Übungsstunden angelegt.

Neben dem klassischen B-Führerschein begeistern sich jüngere Schüler vermehrt für Zweiräder wie Mofas. Die verfrühte Mobilität macht den Führerschein so attraktiv, bestätigt Müller.

Das verheißt der Blick auf die Zukunft

Dass der Führerschein in Zukunft günstiger wird, bezweifelt Müller. Der höheren Durchfallquote würde sie eigentlich gerne durch einen noch intensiveren Theorieunterricht entgegenwirken. „Der Führerschein kostet um die 3000 Euro – natürlich ist das eine Menge Geld. Aber mit all den Preiserhöhungen und der zunehmend wichtigen Vorbereitung auf den Verkehr, ist es nicht realistisch, einen Führerschein für 1500 Euro zu bekommen. Was viele allerdings außen vor lassen, ist, dass man den Führerschein einmalig macht – und man hat sein ganzes Leben etwas davon.“