Am Wasser entlang radelt es sich besonders schön – wie hier am Neckar. Foto: TMBW/Düpper

Die Radwege in Baden-Württemberg sind so vielfältig wie die Landschaften. Ausgangs- und Endpunkt vieler Touren kann man einfach und bequem mit dem Zug erreichen. Wir stellen – ausgehend von Stuttgart – fünf Traum-Tagestouren vor.

Die landschaftliche Vielfalt Baden-Württembergs ermöglicht Raderlebnisse für jeden Geschmack. Es gibt gemütliche Touren entlang der Flüsse und Seen oder anspruchsvollere Routen im Schwarzwald oder am Trauf der Schwäbischen Alb. Unsere Top-Fünf für Ausflüge in den Sommerferien.

 

Nagoldtal-Radweg: Geheimtipp im Nördlichen Schwarzwald

Schattiger Wald und Wiesen wechseln sich im Nagoldtal ab. Foto: TMBW/Alexander Kijak

Der Nagoldtal-Radweg schlängelt sich von der Quelle der Nagold bei Seewald auf rund 90 Kilometern immer entlang des Flüsschens durch die wunderbare Natur des nördlichen Schwarzwalds bis nach Pforzheim und gilt als Geheimtipp. Da 90 Kilometer als Tagestour recht sportlich sind, empfehlen wir, die Tour in Nagold zu starten, das zudem sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist.

Von Nagold aus geht es zunächst nach Wildberg. Die über 750 Jahre alte Stadt mit ihren historischen Bauten und Denkmälern ist vor allem bekannt durch den Wildberger Schäferlauf. Das Brauchtums- und Heimatfest wird seit 1723 gefeiert und steht auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco. Von Wildberg führt der Radweg weiter durchs malerische Seitental bis zur Hermann-Hesse-Stadt Calw. Viele Restaurants und Cafés säumen die Gassen und Plätze des Fachwerk-Kleinods, weshalb sich Calw für eine Ess- und Trinkpause hervorragend anbietet. Im weiteren Verlauf der Tour sollte man auch in Hirsau Halt machen. Die Ruinen des dort gelegenen ehemaligen Klosters – einst war es eins der bedeutendsten Klöster Deutschlands – sind einzigartig. Über Bad Liebenzell und Unterreichenbach führt die traumhafte Strecke weiter bis zum Ziel, der Goldstadt Pforzheim.

Der Nagoldtal-Radweg ist abwechslungsreich, gut ausgebaut und ab Nagold mit geringem Kraftaufwand zu bewältigen. Er eignet sich daher besonders gut für Genussradler und Familien.

Info Nagoldtal-Radweg

Länge ab Nagold : ca. 57 km

Reine Fahrtzeit: rund 3,5 Stunden

So kommt man zum Startpunkt: Abfahrt in Stuttgart Hbf. um 7.59 Uhr, IC 2164 (nach Karlsruhe), Umsteigen in Pforzheim, RB74 (nach Horb), Ankunft in Nagold um 9.28 Uhr.

Räder können in allen S-Bahnen, in Zügen des Nahverkehrs (DB und WEG) kostenlos mitgenommen werden. Ausnahme: Während der morgendlichen Hauptverkehrszeit (Montag – Freitag, 6 - 8.30 Uhr) muss fürs Rad ein Kinderticket gelöst werden.

Museumsradweg: Entdeckertour durch das Würm- und Aichtal

Das Museum Ritter in Waldenbuch ist eins von 17 Museen entlang des Museumsradwegs Foto: Stuttgart Marketing GmbH/Achim Mende

Der rund 60 Kilometer lange Museumsradweg von Weil der Stadt nach Nürtingen ist dagegen längst kein Geheimtipp mehr. Die 2009 eröffnete Strecke gehört inzwischen zu den beliebtesten Tagestouren in Baden-Württemberg und wohl auch zu einer der schönsten. Der Museumsradweg startet in Weil der Stadt und führt zunächst über Schafhausen nach Grafenau. Von dort aus geht es vorbei an Bächen, Wiesen und Wäldern über die Ortschaften Mauren und Holzgerlingen bis nach Schönaich, Waldenbuch und Neuenhaus und schließlich durch das Aichtal nach Nürtingen, wo der Museumsradweg endet.

Seinen Namen bekam er, weil sich unterwegs 17 Museen entdecken lassen. Darunter ist zum Beispiel das Keplermuseum im Geburtshaus des berühmten Astronomen. Besucher fühlen sich in die Atmosphäre jener Zeit versetzt, in der Johannes Kepler die Gesetzmäßigkeiten entdeckte, nach denen sich Planeten um die Sonne bewegen. Zu den weiteren Museen entlang der Strecke zählen mehrere heimatkundliche sowie einige themenspezifische Sammlungen wie ein Narren- und Puppenmuseum, ein Bäckereimuseum und ein Schulmuseum. Das Museum für Alltagskultur im Schloss Waldenbuch ist sogar überregional von Bedeutung. Zudem warten bedeutende Kunstsammlungen entlang der Strecke zum Beispiel im Schloss Dätzingen und im Museum Ritter in Waldenbuch. Entlang der Strecke kann man immer wieder in die Landschaft eingebettete Kunstwerke entdecken – Sculptoura nennt sich diese Freiluftausstellung.

Würfel, die in Bäumen hängen – das ist Kunst von H.D. Schrader. Foto: Sculptoura/ Andreas Sporn

Durch sein Wegeprofil mit nur kleinen Steigungen ist der Museumsradweg auch für Familien mit kleineren Kindern geeignet. Wer nicht die ganze Strecke mit dem Fahrrad fahren möchte, kann in den meisten Orten auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Der Museumsradweg ist durchgehend mit eigenem Logo ausgeschildert, was die Orientierung sehr erleichtert.

Info Museumsradweg

Länge: 62,5 Kilometer Reine Fahrzeit: rund 4,5 Stunden So kommt man zum Startpunkt: Abfahrt in Stuttgart Hbf. um 8.33 Uhr, S 6 Richtung Weil der Stadt, Ankunft in Weil der Stadt um 8.57 Uhr, 0 Umstiege Rückfahrt: Abfahrt in Nürtingen um 17.33 Uhr, MEX 12 (nach Heilbronn), Ankunft in Stuttgart Hbf. 18.06 Uhr, 0 Umstiege.

Räder können in allen S-Bahnen, in Zügen des Nahverkehrs (DB und WEG) kostenlos mitgenommen werden. Ausnahme: Während der morgendlichen Hauptverkehrszeit (Montag – Freitag, 6 - 8.30 Uhr) muss fürs Rad ein Kinderticket gelöst werden.

Radel-Thon: Stuttgart mit all seinen Facetten

Die Grabkapelle auf dem Württemberg gehört zu den Attraktionen der Tour Radel-Thon. Foto: Stuttgart-Marketing GmbH/Jürgen Pollak

Der sogenannte Radel-Thon ist ein Radweg, der auf 83 Kilometern einmal rund um den Stuttgarter Talkessel führt. Er geht auf eine Initiative des ehemaligen Amerikahauses zurück, daher auch der Name. Ihren Ursprung haben „Thons“ nämlich in den USA. Abgeleitet von „Marathon“ werden sie für die unterschiedlichsten Sportarten organisiert. Was zählt, sind nicht Bestleistungen, sondern was mit der eigenen Leistung bewegt wird. Konzipiert wurde der Radel-Thon vom ehemaligen Radprofi und Deutschen Meister Reinhold Steinhilb.

Der Stuttgarter Radel-Thon ist eine Rundstrecke, die in vier Touren eingeteilt wurde und für jedes Fitnesslevel geeignet ist. Start- und Endpunkt sind in Stuttgart-Bad Cannstatt, Am Seilerwasen. Hier informiert auch eine Info-Tafel über die Rundtour, die auf ihrem gesamten Verlauf ausgeschildert ist. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde kann die Strecke inklusiver kurzer Pausen in sechs Stunden geradelt werden. Sie führt vorbei an Weinberg-Terrassen und Mammutbäumen, an Gewässern und Mineralquellen und durch schattige Wälder und demonstriert, wie abwechslungsreich die Landschaft um die Landeshauptstadt ist. Außerdem warten entlang der Strecke zahlreiche Sehenswürdigkeiten darauf, entdeckt zu werden: der Max-Eyth-See, das Schloss Solitude, das Bärenschlössle, die Uni Hohenheim, der Fernsehturm und die Grabkapelle auf dem Württemberg.

Info Radel-Thon

Länge: 83 km Reine Fahrtzeit: rund 5,5 Stunden So kommt man zum Startpunkt: Abfahrt Stuttgart Hbf. 8.04, S 2 (nach Bad Cannstatt), Ankunft in Bad Cannstatt 8.09 Uhr, 0 Umstiege.

Wein & Bike-Rundtour: Genuss-Runde auf dem Badischen Weinradweg

Sonnenblumen, soweit das Auge in der Region Kraichgau-Stromberg. Foto: TMBW/Kuhn

Die Wein & Bike-Rundtour startet in Bretten, das bereits auf mehr 1250 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken kann. Spuren der geschichtsträchtigen Vergangenheit sind überall zu finden und können bei einer Stadtführung oder einem Rundgang auf eigene Faust entdeckt werden. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören das Geburtshaus des Reformators Philipp Melanchthon, das Museum im Schweizer Hof und das Gerberhaus. Es stammt aus dem Jahr 1585 und ist damit das älteste, noch erhaltene Wohngebäude der Stadt.

Wir empfehlen die Tour mit einem (zweiten) Frühstück im Hotel Krone direkt am historischen Marktplatz in Bretten zu starten. Gestärkt geht es dann mit dem Rad weiter in Richtung Bruchsal. Ab der Stadtbahn-Haltestelle in Helmsheim verläuft die Route entlang des Badischen Weinradwegs. In Bruchsal sollte man sich Zeit für eine Besichtigung des Barockschlosses mit der neu rekonstruierten Beletage nehmen. Danach geht es weiter zum Weingut Klumpp, wo man Weine auf einer wunderbaren Panorama-Terrasse verkosten kann (bitte vorher anmelden!). Der nächste Stopp dieser Traumtour durch die malerische Landschaft der Region Kraichgau-Stromberg ist Oberderdingen. Hier, auf der Grenze zwischen Baden und Württemberg kann man sich in der Weinstube des Weingut Lutz mit badischen und schwäbischen Spezialitäten verwöhnen lassen. Über das Derdinger Horn mit tollem Blick über die Hügellandschaft geht es zurück nach Bretten.

Der Badische Weinradweg ist insgesamt 460 Kilometer lang und komplett ausgeschildert. Auf der Wein & Bike-Rundtour lernt man eine Etappe des Fernradwegs kennen, auf der nur wenige Höhenmeter bewältigt werden und die daher gut für Einsteiger, Familien und Genussradler geeignet ist.

Info Wein & Bike-Tour

Länge: ca. 54 km Reine Fahrtzeit: rund 4 Stunden So kommt man zum Startpunkt: Abfahrt Samstag, 9.32 – IRE 1 nach Mühlacker, Umsteigen RE 17b nach Bruchsal, Ankunft in Bretten 10.13 Uhr, 0 Umstiege.

Räder können in allen S-Bahnen, in Zügen des Nahverkehrs (DB und WEG) kostenlos mitgenommen werden. Ausnahme: Während der morgendlichen Hauptverkehrszeit (Montag – Freitag, 6 - 8.30 Uhr) muss fürs Rad ein Kinderticket gelöst werden.

Streuobst-Tour: Für Genussradler

Nomen est omen: Die Streuobst-Tour führt vorbei an Streuobstwiesen im Kreis Tübingen Foto: Gregor Lengler/Gregor Lengler

Die Streuobst-Tour im Landkreis Tübingen ist eine speziell für Genussradler konzipierte Tour, die zu jeder Jahreszeit einen ganz besonderen Charme hat. Im Frühjahr bezaubert sie Radlerinnen und Radler mit einem duftenden Blütenmeer. Im Sommer darf man sich auf sattes Grün freuen, im Herbst gibt es leckeres Obst und selbst im Winter sind die knorrigen Bäume der Streuobstwiesen ein Blickfang. In Hofläden entlang der Strecke kann man sich mit leckeren Streuobstprodukten wie zum Beispiel Säften, Marmeladen, Trockenobst und Obstbränden eindecken.

Die Streuobst-Tour startet in Mössingen am Streuobst-Erlebniszentrum (PAUSA-Quartier, Löwensteinplatz 1) und führt von dort quasi an allem vorbei, was das Thema Streuobst hautnah erlebbar macht. Speziell für Familien gibt es zudem drei interaktive Erlebnis-Stationen rund um das Thema Streuobst. Hier können die Kinder zum Beispiel raten, welche Tiere auf Streuobstwiesen leben oder wie viel Apfelsaft jährlich getrunken wird.

Oberhalb von Nehren liegt die Freizeitanlage Schwanholz, ein wunderbarer Ort, um zu Grillen und zu Rasten. Immer an den Bahngleisen entlang geht es weiter durch das Steinlachtal bis die Tour vor Gomaringen eine kleine Schleife über den Landesbühl, eine wunderbare Streuobstlandschaft, macht. Durch Gomaringen hindurch führt die Tour zum dortigen Schloss. Kurz vor Mähringen befindet sich auch der Eduard-Lucas-Weg, ein Musterobstgarten mit pomologischem Schwerpunkt. In Immenhausen beginnt der angenehmste Teil der Tour: Von hier aus geht es rasant bergab durch das Ehrenbachtal. Bei Dußlingen erwarteten die Radlerinnen und Radler traumhafte Ausblicke auf die dortigen Streuobstwiesen sowie den Rand der Schwäbischen Alb. Danach geht es entlang der Steinlach flussaufwärts zurück nach Ofterdingen. Kurz vor Ofterdingen wartet noch eine geologische Attraktion: fossile Versteinerungen von Ammoniten, das sogenannte Ofterdinger Schneckenpflaster.

Info Streuobsttour

Länge: ca 50 km Reine Fahrzeit: rund 4 Stunden So kommen Sie zum Startpunkt: Abfahrt ab Stuttgart Hbf. um 9.23 Uhr mit dem MEX 18 nach Tübingen, Umsteigen in den SWE RB 66 (nach Sigmaringen), Ankunft in Mössingen 9.45 Uhr, ein Umstieg. Vom Mössinger Bahnhof sind es nur wenige Minuten bis zum PAUSA-Quartier in der Innenstadt.