In der Ortenau sollen fünf Strecken entstehen, die Fahrradfahrer künftig schneller an ihr Ziel bringen sollen. Den Anfang soll jener zwischen Offenburg und Gengenbach im Jahr 2030 machen. Wann die anderen befahrbar sind, ist noch völlig unklar.
Die Mobilitätswende ist seit Jahren großes Thema in zahlreichen Städten und Gemeinden in ganz Deutschland – auch im Ortenaukreis. So sollen fünf sogenannte Radschnellwege entstehen, die etwa Arbeitnehmer dazu bewegen sollen, sich nicht mehr ins Auto, sondern aufs Fahrrad zu setzen. Wann diese Strecken jedoch befahrbar sind, ist noch offen. Der Stand der Dinge wurde dem zuständigen Ausschuss des Kreistages vorgelegt. Ein Überblick.
Offenburg – Gengenbach: Dieser Radschnellweg befindet sich derzeit in Vorplanung. Bis Ende 2026 soll diese abgeschlossen sein, ein Jahr später sollen die Bagger rollen. Die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen. Die Kosten für die rund elf Kilometer lange Strecke: zwei Millionen Euro für die Planung und 13,5 Millionen Euro für den Bau. Unklar ist derzeit noch, wo genau der Radschnellweg entlang führen soll. Die Vorzugstrasse, die zwischen Offenburg und Gengenbach parallel zum östlichen Kinzigdamm geplant war, wurde laut Landratsamt von der Gewässerdirektion des Regierungspräsidiums (RP) abgelehnt. So auch die Variante auf dem Dammkronenweg, da dieser Bereich lediglich dem Hochwasserschutz diene. Denkbar dagegen sei der Bereich auf der Westseite der Kinzig. Dort seien die Dämme bereits ertüchtigt, so das Landratsamt.
Noch fehlt eine Unterschrift, bevor die Ausschreibung beginnen kann
Offenburg – Kehl – Straßburg: Das Land Baden-Württemberg hat für die rund 30 Kilometer lange Strecke die Bauträgerlast übernommen. Lediglich an den Ortsdurchfahrten von Offenburg und Kehl liegt diese bei den Städten, informiert das Landratsamt. Derzeit liege noch keine Unterzeichnung der finalen Vereinbarung zwischen RP, Ortenaukreis und den Städten vor. Erst danach könne mit der EU-weiten Ausschreibung der Planungen begonnen werden. Für das Projekt sind keine Gelder in den Haushalt eingestellt, heißt es aus der Verwaltung.
Lahr – Emmendingen: Ein besonderes Augenmerk der mehr als 30 Kilometer langen Strecke liegt auf dem Bereich zwischen Lahr und Ringsheim. Diese Strecke soll parallel zur neuen Kreisstraße 5344 verlaufen. Die Besonderheit: Diese soll lediglich vier Meter breit und ausschließlich von Radfahrern genutzt werden. Fußgänger sollen auf bereits bestehende Geh- und Wirtschaftswege entlang der B 3 ausweichen. Grund für die verschmälerte Trasse sind drohende Konflikte mit Landwirten. Zudem erwarte das Landratsamt eine „nur geringe Nutzung“ des Fußverkehrs. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 74,2 Millionen Euro, davon rund 12,4 Millionen Euro für einen 2,5 Meter breiten Radweg. Der Bau einer vier Meter breiten Strecke würde 16 Millionen Euro kosten. Laut Verwaltung ist in dem aktuellen Haushalt rund 2,3 Millionen Euro Planungsmittel für das Projekt eingestellt.
Zwischen Lahr und Offenburg werden täglich 2000 Radfahrer erwartet
Offenburg – Achern: Laut einer Machbarkeitsstudie soll dieser Radschnellweg täglich von 2000 Radfahrern genutzt werden. Somit liegt dieser in der Baulast des Ortenaukreises. Ebenfalls in der Studie untersucht wurde der geplante Abzweig nach Rheinau und Gambsheim sowie der Abschnitt von Achern nach Bühl. Das Ergebnis: Diese erreichen nicht genügen Potenzial, um als Radschnellweg ausgewiesen zu werden. Für das Projekt sind noch keine Gelder in den Haushalt eingestellt, so das Landratsamt.
Offenburg – Lahr: Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Strecke zwischen Offenburg und Lahr. Auch dort wird eine tägliche Nutzung von 2000 Radfahrern erwartet, wodurch dieser Radschnellweg in der Baulast des Kreises liegt. Auch für dieses Projekt wurden noch keine Gelder eingeplant. Wie es im Bereich zwischen Hohberg und Friesenheim aussieht, ist unklar. Anfangs hatten beide Gemeinden einen solchen Weg abgelehnt, laut Regionalverband hat sich das allerdings geändert. Das weitere Vorgehen und eine mögliche Realisierung sollen nun mit den Gemeinden besprochen werden, beschreibt das Landratsamt das weitere Vorgehen.
Info – Das steckt dahinter
Radschnellwege zeichnen sich durch eine direkte Linienführung, eine Minimierung der Zeitverluste durch Anhalten sowie eine hohe Belagsqualität aus. Darüber informiert das Landratsamt in einer Mitteilung. Nach dem Ausbau sollen mindestens 2000 Radfahrer pro Tag auf den neuen Strecken unterwegs sein. Radschnellverbindungen machen das Fahrradfahren auch auf mittleren bis längeren Distanzen attraktiv und können zu einer guten Alternative zur Fahrt mit dem privaten Pkw werden, insbesondere auch im Berufsverkehr, so das Landratsamt weiter.