Fahrradschutzstreifen in Nagold: Autofahrer dürfen diesen bei Bedarf, etwa zum Ausweichen, befahren. Anders bei Radfahrstreifen, die durch eine durchgezogene Linie abgetrennt und ausschließlich für Radfahrer bestimmt sind. Foto: ADFC Nagold

Radfahren im Sommer – in Nagold ist das Sicherheitsgefühl unter den Radlern eher Mangelware. Wir haben bei Stadt und beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) nachgefragt.

Die Temperaturen steigen wieder, der Regen lässt nach und für den einen oder anderen könnte das Grund sein, wieder aufs Fahrrad umzusteigen. Nagold ist laut dem Fahrradklima-Test allerdings alles andere als fahrradfreundlich.

 

„Beim aktuellen ADFC-Fahrradklima-Test vergeben Radfahrende in Nagold erneut die Schulnote 4,0 – das subjektive Fahrradklima hat sich im Vergleich zu 2022 nicht verbessert. Im Ranking vergleichbarer Kleinstädte (20.000 bis 50.000 Einwohner) landet Nagold auf Platz 61 von 75“, erinnert der ADFC in einer aktuellen Stellungnahme zu den Ergebnissen.

„Aus Sicht der Teilnehmenden gehören vor allem Akzeptanz im Straßenverkehr, Sicherheit, direkte Wege sowie eine positive mediale Darstellung zu den zentralen Themen. So schneidet das mangelnde Sicherheitsgefühl auch nur mit der Note 4,5 ab“, heißt es weiter. „Radfahrende berichten uns zunehmend von gefährlichen Überholmanövern mit zu geringem Abstand – innerorts vorgeschrieben sind 1,5 Meter, außerorts 2 Meter“ sagt Andreas Schittenhelm vom ADFC Nagold. Auch das Radfahren im Mischverkehr mit Kraftfahrzeugen (Note 4,6) sowie die Radführung an Baustellen (Note 4,7) sorgen für Frust.

Interesse ist da, aber Sicherheitsgefühl fehlt

„60 Prozent der Bevölkerung – insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen – hätten grundsätzlich Interesse am Radfahren, werden aber durch die fehlende separate Infrastruktur abgeschreckt“, erklärt Schittenhelm. Die Kritik zielt auch auf Nagolds Fahrradstraßen, die weiterhin für Autos, Motorräder und Lkws freigegeben sind. „Und solange dort auch parkende Autos erlaubt sind, gaukeln Fahrradstraßen ein falsches Sicherheitsgefühl vor“, ergänzt er. Kritisiert werden auch die gemeinsamen Wege mit Fußgängern.

Neben Sicherheit wurden auch die fehlenden Radwege zwischen Ortsteilen, der schlechte Zustand vieler Wege sowie fehlende Abstellmöglichkeiten und Lademöglichkeiten - insbesondere an Bahnhöfen - kritisiert. Zwar bewerteten die Teilnehmenden Aspekte wie Erreichbarkeit des Zentrums (Note 2,9) und Wegweisung (3,3) eher positiv – doch die Werbung der Kommune fürs Radfahren erhielt nur eine 4,6.

85 Personen beteiligten sich an der Umfrage – weniger als beim letzten Test 2022. „Wir würden uns eine viel höhere Beteiligung wünschen, um mehr Gehör zu finden“, sagt Schittenhelm. Die neu eingeführte Zwei-Faktor-Authentifizierung könnte laut ihm manche abgeschreckt haben.

Positiv findet der ADFC: Die Stadt hat den Fahrradklimatest 2024 sowie das Stadtradeln 2025 beworben, die Erstellung eines Radverkehrskonzept in Auftrag gegeben, Radanlehnbügel in der Innenstadt aufgestellt und Dienstfahrräder eingeführt.

Stadt möchte Situation für Radfahrer verbessern

Die Stadt erklärte schon kurz nach Erscheinen der Bewertung: „Sowohl der Gemeinderat als auch die Verwaltung der Stadt Nagold sind sich der Bedeutung des Radverkehrs für eine moderne und leistungsstarke Mobilität sehr bewusst. Es ist daher das Ziel der Stadt den Radverkehr in Nagold zu stärken, attraktiver zu gestalten und sicherer zu machen.“

Und erläutert weiter: „Eine vom Gemeinderat eingerichtete Projektgruppe hat daher, in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt, eine erste Radverkehrskonzeption erarbeitet. Auf dieser Basis hat die Stadt unter anderem bereits Fahrradstraßen angeordnet, Radwegelückenschlüsse beschlossen sowie Radabstellplätze und Radreparaturstationen (Longwy-Platz, Badepark, Bauhof) in der Innenstadt eingerichtet.“

Konkret soll das bedeuten: „Derzeit wird von einem Verkehrsplanungsbüro aus Karlsruhe ein gesamtstädtisches Radverkehrskonzept im Verbund mit dem Aktionsplan Mobilität entwickelt.“ Unter anderem habe es eine Planungsradtour gegeben, bei der problematische Stellen im Radnetz besichtigt und diskutiert wurden.

Dennoch bleibt die Kernfrage laut ADFC-Vertreterin Ilona Cwik-Lorz: „Erhält der Radverkehr in Nagold endlich die Priorität, die er verdient?“