Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern hat 2025 deutlich zugenommen. Die Polizei spricht bei den Zweiradfahrern gar von ihrem „Sorgenkind“.
„Die Zahlen gehen hoch, auch die Unfallfolgen werden schlimmer – Fahrräder und Pedelecs sind unsere Sorgenkinder“, erklärte Martin Plate, Leiter der Schutzpolizei des Polizeipräsidiums Offenburg, bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres. „Zwar passieren immer noch mehr Unfälle mit klassischen Rädern, allerdings sind die Pedelecs stark dabei aufzuholen.“
So kam es 2025 in der Ortenau, dem Landkreis Rastatt und in Baden-Baden zu 916 Unfällen mit Verletzten (plus zehn Prozent) im Zusammenhang mit Radfahrern – hinzu kommen 326 Unfälle mit Pedelecs (plus 18 Prozent). Davon entfallen 602 Radunfälle sowie 223 Pedelec-Unfälle auf den Ortenaukreis.
Bei Unfällen mit herkömmlichen Rädern und solchen mit elektrischer Unterstützung wurden insgesamt 733 Menschen leicht (plus neun Prozent) und 102 weitere schwer (minus vier Prozent) verletzt.
Großteil der Radunfälle ist selbst verschuldet
Insgesamt starben sechs Rad- und fünf Pedelecfahrer (beide plus vier Tote) in Folge von Verkehrsunfällen. Laut Plate sind mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Unfälle selbst verursacht. „Beim überwiegenden Teil gibt es keinen Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern.“
Ein deutlich wachsendes Phänomen sind Unfälle unter Beteiligung von sogenannten Elektrokleinstfahrzeugen – also E-Scootern. In 160 Fällen wurden im vergangenen Jahr Menschen verletzt, die auf den Elektroflitzern unterwegs waren – mehr als ein Drittel mehr als noch 2024 (117 Unfälle).
Die Zahl der Leichtverletzten nahm in diesem Bereich gar um 50 Prozent zu, sie stieg von 93 auf nun 141. Zudem verzeichnete die Polizei 2025 mit 15 vier schwer verletzte E-Scooter-Fahrer mehr als noch im Jahr zuvor. Sowohl im vergangenen Jahr (Ortenau) als auch 2024 (Landkreis Rastatt) kam ein Mensch bei einem Unfall mit dem E-Scooter ums Leben.
„Bei E-Scootern und Pedelecs spielen Manipulationen, die dafür sorgen, dass die Fahrzeuge schneller fahren als sie dürfen, eine große Rolle“, erläuterte Plate. Das finde zunehmend auch Eingang in die Aus- und Weiterbildung der Verkehrsbeamten.
Es handele sich bei dem illegalen Tuning der Kleinstfahrzeuge um ein landesweites Phänomen, dass jedoch nur schwer mit Zahlen zu belegen sein. „Es braucht im Moment noch entweder ein Geständnis oder ein Gutachten“, ordnete der Leiter der Schutzpolizei ein – falls die verdächtigen E-Scooter den Beamten nicht ohnehin einfach davonfahren.
„Rowdytum“ sorge für Unsicherheit auf der Straße
Die kleinen Pflicht-Nummernschilder seien oft in akuten Situationen keine Hilfe, weil sie nur schwer zu erkennen sind. Die technischen Mittel, um die E-Scooter oder Pedelecs aufzumotzen, gebe es derweil frei verkäuflich auf dem Markt – natürlich mit dem Hinweis, dass diese im öffentlichen Verkehrsraum nicht zu nutzen seien. Die Bußgelder seien nun etwas angehoben worden, „jedoch nicht wirklich drastisch“, so Plate. „Wir haben das Thema im Blick.“
Darüber hinaus sorgt ein weiterer Aspekt für Sorgenfalten bei der Polizei: „Rowdytum oder inkorrektes Verhalten im Verkehr beeinträchtigt das Sicherheitsgefühl massiv“, erklärte Polizeipräsident Jürgen Rieger. Das habe die Sicherheitsbefragung in Offenburg ergeben. Demnach „nerven“ E-Scooter und Radfahrer durch rücksichtsloses Verhalten die Fußgänger im Stadtgebiet. Immer wieder komme es auch zu Unfällen zwischen E-Scootern und Fußgängern. „Das Dunkelfeld ist auch hier groß“, betonte Plate.
Fahrrad-Aktionstage gibt es auch im laufenden Jahr
Die typischen Unfallursachen bei den E-Scootern sei gar nicht das „grob verkehrswidrige Verhalten – etwa auf dem Gehweg oder über Rot fahren, das Handy am Ohr oder zu zweit fahren“. Viel mehr sei die häufigste Unfallursache Fahrfehler, etwa nicht angepasste Geschwindigkeit. „Das sind die Unfalltreiber“, konstatierte der Leiter der Schutzpolizei.
Grundsätzlich gebe es dabei nur „wenige Präventionsansätze“. Die Polizei will jedoch an den Fahrrad-Aktionstagen in den Kreisstädten festhalten, bei denen 2025 hunderte von Zweirädern kontrolliert wurden. Darüber hinaus appellierte Plate an die Bevölkerung, auf dem Fahrrad oder Pedelec Helme zu tragen.
„Der Senior, der ohne Helm alleinbeteiligt fällt“ sei das typische Unfallopfer. „Mit zunehmendem Alter, muss ich vielleicht auch mehr trainieren und behutsamer damit umgehen“, erklärte Polizeipräsident Rieger mit Blick auf Senioren mit Pedelecs. „Wir setzen da natürlich auf die Vernunft.“
Motorräder
Die Zahl der Unfälle mit Motorrädern ist im vergangenen Jahr leicht um elf auf 313 zurückgegangen. Das entspricht drei Prozent weniger, womit das Polizeipräsidium Offenburg exakt im Landesschnitt liegt. Bei Unfällen mit Motorrädern wurden 234 Menschen leicht, 74 schwer und drei tödlich verletzt. Sorgenkind seien nach wie vor die bei Fahrern beliebten Höhenlagen, berichtete Polizeihauptkommissar Tobias Dohl. Meist sei unangepasste Geschwindigkeit dort die Ursache für Unfälle.