Die Fahrer des Tafelladens in Hechingen müssen so einiges aushalten. Zwei der Ehrenamtlichen berichten aber auch davon, dass die Lebensmittelrettung viel Freude bereiten kann.
„Man wird ein bisschen roher“, sagt einer der Fahrer, während er sich den Dreck von den Händen wischt. Der 73-Jährige ist ehrenamtlicher Fahrer des Hechinger Tafelladens. 14 Jahre lang schon – seit Beginn seiner Rente – fährt er jede Woche verschiedene Supermärkte und Discounter, Bäckereien und Tankstellen an, um Lebensmittel, Hygieneprodukte und Blumen für den Tafelladen mitzunehmen.
Sein Kollege ist erst seit wenigen Monaten mit dabei, doch die Abläufe sitzen bereits: An jeder neuen Station springt er aus dem Fahrzeug und geht in den Laden, um einen Mitarbeiter zu suchen – beide Fahrer ziehen es vor anonym zu bleiben.
In der Zwischenzeit bugsiert der 72-Jährige den großen weißen Sprinter geschickt rückwärts vor die Rampe der Warenanlieferung. Schon öffnet sich das Tor, sein Kollege hat schon begonnen, die Paletten mit Gemüse, Obst, Kühl- und Backwaren hin und her zu schieben und die Lebensmittel auszusortieren.
Die Motivation: Lebensmittel retten und Menschen helfen
Denn: „Es macht natürlich keinen Sinn, etwas mitzunehmen, das verfault ist“, erklärt einer von ihnen. Es sei immer ein Abwägen, ob etwas überhaupt mitgenommen werde. Jedes einzelne Produkt – meist an der Grenze zum Mindesthaltbarkeitsdatum oder nicht mehr ganz so frisch – nehmen die beiden ehrenamtlich Engagierten in die Hand, um es entweder in die mitgebrachten Boxen zu legen oder in die Mülltonne zu werfen. Ein anstrengender Job, meint der 73-jährige Fahrer.
Seine Motivation: Lebensmittel retten und gleichzeitig anderen Menschen damit helfen. Das wiege die körperliche Anstrengung und die ganze Sauerei wieder auf, so der Rentner.
Vieles ist vom Personal abhängig
Er kennt die gesamte Route durch Hechingen, Bisingen, Rangendingen, Haigerloch, Jungingen und Burladingen auswendig, weiß, von welchen Supermärkten er die meisten Kisten mit ins Lager nehmen wird. Schließlich sei es zu großen Teilen vom Personal abhängig, ob und wie viel vom Laden in den Tafelladen wandert. So könne es auch mal vorkommen, dass es an einzelnen Stationen gar nichts abzuholen gebe.
Beim nächsten Markt tritt genau das dann ein: Die Mitarbeiter seien noch nicht fertig, die Waren abzuschreiben, wird den beiden Fahrern mitgeteilt. Dann eben später noch mal hin, noch liegen die beiden ja gut in der Zeit.
Wertvoll sind für den Tafelladen Kühlwaren und Schokolade
Ein paar Minuten später dann das nächste kleine Ärgernis: Einer der beiden greift in eine Kiste mit einer aufgeplatzten Mehlpackung. Doch der Rentner nimmt es mit Humor, das gehöre eben auch zu seinem Job, sagt er. Auch bei Joghurtbechern und anderen empfindlichen Lebensmitteln müssen die Fahrer Fingerspitzengefühl beweisen, müssen alle Produkte nach Gewicht sortieren und die Boxen im Sprinter dann sinnvoll anordnen.
Ob auch mal besonders wertvolle Waren dabei seien? Ja, erzählt der Rentner, „nach Weihnachten oder Ostern gibt es viel Schokolade – das ist im Tafelladen auch sehr beliebt“. Doch auch Kühlware werde so selten an die Fahrer abgegeben, dass auch die als wertvoll gelte.
Nach über zwei Stunden legen die Fahrer dann einen kurzen Zwischenstopp beim Tafelladen ein, um die zahlreichen Boxen aus dem Auto zu räumen. Ebenfalls keine leichte Aufgabe, vor allem für den Rentner, der bereits einen Bandscheibenvorfall erlitten hat. Er sei daher umso glücklicher, dieses Ehrenamt ausüben zu können, wie er berichtet. „Den Spaßfaktor suche ich noch, aber für mich ist das schon ein Stück Zufriedenheit, wenn man viele Lebensmittel bekommt.“