Durch ein kaputtes Rohr gelangt Abwasser in den Neckar. Foto: Zelenjuk

Das war alles andere als appetitlich: Fäkalien flossen durch ein kaputtes Rohr ungehindert in den Neckar – mehrere Tage ging das so. Darauf hatte uns ein Leser hingewiesen. Verantwortlich für das Kanalsystem ist die ENRW. Das Umweltschutzamt nimmt den Energieversorger jetzt in Schutz

Rottweil - Tagelang, vielleicht länger, fließt Abwasser aus einem lecken Kanal in den Neckar. Zuständig für die Kanäle ist der städtische Energieversorger, die ENRW. Ob er nun mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen hat? Wir fragten beim Umweltschutzamt des Landratsamtes nach.

Kein Ordnungswidrigkeitsverfahren

Die Einleitung des unbehandelten Abwassers in den Neckar sei durch eine Betriebsstörung verursacht worden, heißt es dort. Diese sei nicht bewusst oder vorsätzlich herbeigeführt worden, bewertet das Amt die Lage. Die ENRW habe nach Kenntnis der Umweltmeldung ohne schuldhaftes Zögern sofort Maßnahmen zur Beseitigung der Störung aufgenommen. Die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens sei deshalb mangels Verschulden nicht angezeigt. "Bei Privatpersonen wäre derselbe Maßstab anzulegen."

Nicht in Abwasseranlagen behandelte Abwässer führten bei Gewässereinleitungen zu einer mikrobiellen Belastung und zu einer Erhöhung der Nährstofffracht im Gewässer. "Ob diese signifikante Auswirkungen auf die Qualität des Neckars haben, hängt vom Verhältnis der eingeleiteten Abwassermenge zum Abfluss des Neckars ab. Generell darf kein unbehandeltes Abwasser in Gewässer eingeleitet werden", so die Aussage. Mit einer solchen Betriebsstörung sei in der Regel nicht zu rechnen.

Wasserqualität des Neckars werde regelmäßig geprüft

Die kommunalen Abwasserkanäle seien von den Kommunen nach den Vorgaben der Eigenkontrollverordnung alle zehn Jahre auf Dichtigkeit und Funktionsfähigkeit zu untersuchen. Schäden seien entsprechend den vorgefundenen Schadensklassen und Prioritäten zu beseitigen.

Entsprechend der Wasserrahmenrichtlinie erfolge die Prüfung der Qualität des Neckarwassers durch ein regelmäßiges Monitoring durch das Land (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) mittels Gütemessstellen an dem Gewässer, heißt es in dem Schreiben abschließend.

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