Paukerfilm 2.0: Elyas M’Barek ist einer der coolsten Typen, die der deutsche Film derzeit zu bieten hat. Als Gauner mischt er in der deutschen Komödie „Fack ju Göhte“ die Schule auf.
Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Fack ju Göhte"
Stuttgart - Bora Dagtekin, Drehbuch-Absolvent an der Ludwigsburger Filmakademie und bekannt geworden mit der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ (2006–2008) und dem folgenden Kinofilm (2012), hat eine Art Paukerfilm 2.0 gedreht. Zeki Müller kommt aus dem Knast und möchte seine Beute ausgraben, doch darauf steht nun die Turnhalle einer Schule. Er bewirbt sich als Hausmeister, um unbemerkt buddeln zu können, und wird versehentlich als Lehrer engagiert. Bald betört er die hübsche Kollegin und domestiziert die respektlosesten Schüler – indem er abschreckende Exkursionen in die Welt der Verlierer macht und Schule zum Abenteuer werden lässt.
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Dagtekins Geschichte hätte großes Kino werden können. Wie Zeki Müller im Handstreich die verstaubte Theater-AG übernimmt und „Romeo und Julia“ in die harte Realität einer Plattenbausiedlung verlegt – einer von mehreren grandiosen Einfällen. Leider biedert er sich zugleich allzu sehr an die Zielgruppe an, betreibt billiges Bildungs- und Intellektuellen-Bashing und setzt auf derben Klamauk, der seine starken Ideen und seine – berechtigte – Kritik an der deutschen Bildungsvermittlung schwächt. Wird der Lehrer von den Schülern geteert und gefedert, revanchiert er sich, indem er Unterrichtsverweigerer mit dem Paintball-Gewehr abschießt; weder die einen noch der andere wären im richtigen Leben auch nur einen Tag länger an der Schule.
Elyas M’Barek ist einer der coolsten Typen, die der deutsche Film derzeit zu bieten hat. Sein Zeki Müller hätte alles erreichen können, ohne so ausfallend werden zu müssen, wie es Drehbuch und Regie von ihm verlangt haben. Karoline Herfurth mag anmutig sein, wenn das komödiantische Timing fehlt, hilft alles Hampeln und Grimassieren nichts. Ganz anders Katja Riemann als Rektorin, die als fleischgewordener Durchlauferhitzer Probleme souverän weichkocht. Mutig auch, wie Uschi Glas sich als suizidale Burn-out-Pädagogin ausstellt.
Dieser Film spaltet, Jugendliche werden diesen Film lieben, Bildungsbürger wird er ärgern. Genau so ist er gemeint - und bleibt deswegen unter seinen Möglichkeiten. Was in diesem Fall wirklich bedauerlich ist.
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