Die Fastnacht ist für viele Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung eine besonders herausfordernde Zeit. Gerade jetzt sind Treffen in einer Gruppe eine wertvolle Hilfe.
Viele Teilnehmenden einer Selbsthilfegruppe der Fachstelle Sucht in Villingen-Schwenningen seien dankbar dafür, Mitglied einer Gruppe zu sein – gerade in der dunklen Jahreszeit, zeigt die Fachstelle in einer Pressemitteilung auf.
Denn lange, dunkle Abende, erst die Weihnachtsfeiertage und Silvester und jetzt noch die Fastnacht seien für viele Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung eine Herausforderung. „Für viele von ihnen ist es wichtig, zu sehen und zu erleben, dass sie mit ihren Gedanken und Gefühlen nicht allein sind“, sagt Simone Schmidtke, Sozialpädagogin an der Fachstelle.
„In einer Selbsthilfegruppe zu sein, bedeutet einen Kreis Menschen zu haben, die alle an der gleichen Erkrankung leiden. Hier ist es möglich über Schwierigkeiten und Probleme zu reden, aber auch den Rückmeldungen und Erfahrungen der anderen zuzuhören.“ Zum einen entstehe so das Gefühl von verstanden werden sowie Hoffnung und Mut. Gleichzeitig sei es für viele Menschen wichtig, überhaupt mal wieder soziale Kontakte zu aufzubauen.
Gemeinsame Aktivitäten
Dabei schätzen sie oft, dass Selbsthilfegruppen sich nicht nur im Stuhlkreis treffen, sondern auch gemeinsame Aktivitäten unternehmen. „Egal wie lange Teilnehmende abstinent, clean oder konsumfrei leben, alle fühlen sich gleichwertig“, sagt eine der Teilnehmerinnen. Auch die ehrenamtlichen Gruppenleiterinnen bestätigen dies.
Es handelt sich hier um Betroffene, die seit vielen Jahren ein abstinentes Leben führen, auch von ihnen hört man Aussagen wie: „Die Gruppe hilft mir beim trocken bleiben, alleine hätte ich es vergessen“. Und: „Es hat sich immer für mich gelohnt in die Gruppe zu gehen. Es war immer ein Lichtblick und ich habe es geschätzt zu zeigen, dass sich der Weg lohnt“ oder auch „für mich war die Beständigkeit sehr wichtig – konstant stattfindende regelmäßige Treffen haben mir sehr geholfen“.
Vertraulichkeit oberstes Gebot
Den Ehrenamtlichen ist es wichtig, dass neue Gruppeninteressenten ohne Formalitäten und kostenfrei in die Gruppe kommen können. Oberstes Gebot ist die Vertraulichkeit: „Alles was in der Gruppe gesagt wird, bleibt in der Gruppe.“
Fast alle Ehrenamtlichen der Fachstelle Sucht haben eine Ausbildung an elf Wochenenden zum ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer des Baden-württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation (bwlv) absolviert. Sie gehören somit zu den 200 Suchtkrankenhelfern des Verbandes, die in den etwa 180 Selbsthilfegruppen in Einrichtungen des bwlv aktiv sind und sich regelmäßig zum Austausch und zur Supervision treffen.
Die Gruppen
Derzeit gibt es folgende Gruppen der Fachstelle Sucht Villingen-Schwenningen:
Die Gruppe Gemeinsam in Schwenningen besteht seit 1997. Der Gruppenleiter Erhard leitet die Gruppe seit 2012. Die alkoholabhängigen Frauen und Männer treffen sich regelmäßig im 14-tägigen Rhythmus dienstags in den Räumen der Außenstelle Schwenningen, Am Marktplatz 14.
Die Gruppe SENAT (Selbsthilfegruppe nach ambulanter Therapie) besteht seit 2010. Der Gruppenleiter Rolf leitet die Gruppe von alkoholabhängigen Frauen und Männern immer dienstags, 14-tägig in der Fachstelle Sucht in Villingen, Großherzog-Karl-Straße 6.
Das Frühstückscafé 55+ entstand im Rahmen des Projekts „Sucht im Alter“. Seit 2010 leiten Peter und Annemarie diese mittwochs 14-tägig stattfindende Gruppe in den Räumen der Fachstelle Sucht Villingen. Peter hat nächstes Jahr sein Jubiläum als 40-jähriger Ehrenamtlicher Mitarbeiter der Fachstelle.
Die „jüngste“ Selbsthilfegruppe der Fachstelle Sucht Villingen-Schwenningen trifft sich freitags im 14-tägigen Rhythmus. Unter der Leitung von Gianni ist sie offen für Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit, aber auch für Menschen mit einer Drogenabhängigkeit.
Voraussetzung für die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe der Fachstelle ist Abstinenz. Menschen, die noch keine Abstinenz erreicht haben und Angehörige können an therapeutisch geleiteten Gruppen teilnehmen.
Auskunft zu allen Gruppenangeboten gibt es in der Fachstelle Sucht, Großherzog-Karl-Straße 6 in Villingen, Telefon 07721/8 78 64 60, E-Mail: fs-sbk@bw-lv.de.