„Nachhaltiges und bezahlbares Bauen und Wohnen“ war das Thema einer Podiumsdiskussion, zu der die Grünen einluden. Einige Bestimmungen müssen hinterfragt werden.
„Wohnen ist ein Grundbedürfnis“, erklärte Andrea Lindlohr, Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen. Die Podiumsrunde, die auf Initiative der Grünen zustande gekommen war, stimmte dem zu.
Rainer Müldner, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft VS: „Wohnen ist ein Menschenrecht, das in der UN-Charta von 1973 verankert ist.“ Bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sei laut Müldner mit die politisch wichtigste Aufgabe überhaupt.
„Wir haben aber eine scharfe Problemlage in den letzten Jahren“, musste Lindlohr feststellen. „Die Baukosten sind seit dem Jahr 2020 um 50 Prozent gestiegen“, weiß die Grünen-Politikerin.
Dies liege weniger an den gestiegenen Zinsen als an Material und Handwerkerkosten. „Wir müssen uns deshalb überlegen, ob gewisse gesetzlich vorgegebene Standards wirklich so wichtig sind“, so Lindlohr. Als Beispiel nannte die Staatssekretärin Schallschutz „oder ob unbedingt beim Brandschutz ein zweiter Fluchtweg notwendig ist, wenn ein erster sehr guter Fluchtweg vorhanden ist.“
100 000 Einwohner im Jahr 2040
Das Land hat in diesem Jahr mit 760 Millionen Euro sehr viel Geld in die Landeswohnraumförderung gesteckt. Ulrike Merkle, Grüne Gemeinderätin in VS, erläuterte, dass Villingen-Schwenningen aktuell 89743 Einwohner habe. „Bis zum Jahr 2040 werden wir 100 000 Einwohner haben. Die brauchen alle Wohnraum, das ist eine Ansage“, so Merkle.
Immerhin anders als beispielsweise in Konstanz, seien in der Doppelstadt genügend mögliche Bauflächen vorhanden. Wir benötigen zum Bauen bis 2040 Flächen von 65 Hektar“, weiß Merkle. Und 2040 sei jeder vierte Bürger der Stadt über 65 Jahre alt. Merkle: „Dies bedeutet beim altersgerechten Wohnen eine ganz besondere Herausforderung.“
Für Stadt schwierig zu handeln
Allerdings sei es für die Stadt schwierig, auch entsprechend zu handeln. „Wir sollten unseren Haushalt konsolidieren und können praktisch nur Pflichtaufgaben wie Ganztagesbetreuung, Sanierung von Straßen und Hallen nachkommen.“
Müldner, angesprochen auf neue Wohnideen und Modelle im Alter: „Es gibt wirklich viele interessante Modelle. Angesichts von 2600 Leuten, die auf unserer Interessentenliste stehen und eine Wohnung suchen, sind wir aber leider praktisch mit unserem Tagesgeschäft voll ausgelastet.“
Laut Müldner habe man 2017 in Schwenningen für günstige Neubauten noch 1600 Euro pro Quadratmeter brutto bezahlt, waren 2020 in Villingen bereits 2000 Euro, aktuell würde man bis zu 4000 Euro bezahlen. Förderungen und Subventionen im Wohnungsbaubereich seien sehr wichtig. Müldner: „Wohnen ist die größte soziale Frage.“
„Baden-Württemberg und der Bund tun etwas. Im Land ist die Landeswohnraumförderung in den letzten Jahren sehr stark angestiegen“, so Lindlohr.
„Kommunale und genossenschaftliche Baugesellschaften sind die personifizierte Mietpreisbremse“, sagte Müldner. Es gehe ihnen nicht darum, Gewinne zu erzielen, sondern bezahlbaren Wohnraum vorzuhalten. Dies sei beispielsweise im Sturmbühlareal in Schwenningen, wo 110 neue Wohneinheiten entstünden, der Fall.
„Villingen-Schwenningen steht, was Wohnraum betrifft, nicht schlecht da. Sehr positiv ist, dass genügend Flächen zum Bauen vorhanden sind“, resümierte die Moderatorin Martina Braun, Grüne-Landtagsabgeordnete an diesem Abend.