14 Monate lang war in Gechingen die Stelle des Kämmerers unbesetzt. Das wird sich bald ändern – voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres. Foto: © Zerbor - stock.adobe.com/Boris Zerwann

14 Monate lang war die Schlehengäugemeinde ohne Verantwortlichen für die Kommunalfinanzen und hatte die Stelle mehrfach ausgeschrieben – ohne Erfolg. Jetzt steht fest, dass diese Durststrecke bald vorbei sein wird.

Der Gemeinderat hatte sich in seiner jüngsten nichtöffentlichen Sitzung, in der sich zwei Bewerber vorstellten, auf einen Nachfolger von Andreas Bastl geeinigt. Wann der neue Gechinger Kämmerer seinen Dienst antreten wird, steht indes noch nicht fest, bisheriger und neuer Arbeitgeber müssen sich noch einig werden. „Er soll so früh wie möglich beginnen, möglichst Anfang Januar“, sagte Bürgermeister Jens Häußler im Gespräch mit unserer Redaktion.

Unterstützung aus Althengstett

Die 14-monatige Vakanz sei eine harte Zeit gewesen. Gleichwohl sei man froh und dankbar über die Unterstützung aus der Nachbargemeinde Althengstett gewesen. Die dortige Kassenverwalterin, deren Stellvertreterin und die Hengstetter Kämmerin, die unterstützend für Fragen im Hintergrund zur Verfügung gestanden habe, „haben toll geschafft“, lobte der Gechinger Rathauschef das Trio. Die Mitarbeiterinnen der Althengstetter Gemeindeverwaltung hätten Brauchbares zur Verfügung gestellt. „Mit vereinten Kräften haben wir jetzt einen Haushalt beieinander, der in der November-Sitzung eingebracht werden soll“, so Häußler. Mitte Dezember solle das Zahlenwerk verabschiedet werden – so spät im Jahr wie noch nie.

Nur ein schwacher Trost

Gechingen sei bei Weitem nicht die einzige Gemeinde in Baden-Württemberg, die unter dem anhaltenden Fachkräftemangel zu leiden habe, äußerte sich Häußler weiter. Das habe ihm unlängst Steffen Jäger, Präsident des baden-württembergischen Gemeindetags, am Rande einer Veranstaltung gesagt – was freilich nur ein schwacher Trost gewesen sei.

Häußler: Schulen lassen zu wenig Bewerber zu

Die Kämmerei sei sehr speziell, „mit der Doppik (doppelte Buchführung, Anm. d. Red.) noch mehr“, so Häußler. Kämmerer sei gleichwohl ein attraktiver, interessanter und vielseitiger Beruf „und auch die Besoldung stimmt“. Woran liegt es also, dass der Fachkräftemangel auch in Verwaltungen anhält und sich mehr als ein Jahr lang kein geeigneter Bewerber für die freie Stelle in Gechingen gefunden hat? Häußler, der seit 29 Jahren Bürgermeister in Gechingen ist, sieht dafür zwei Gründe. Zum einen würden zu wenig Bewerber an Verwaltungsfachhochschulen zugelassen. Zum anderen müsse man generell wieder mehr für die Arbeit in Verwaltungen begeistern, so der Rathauschef, der den französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry zum Thema Motivation zitiert: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“.

Work-Life-Balance zu sehr im Vordergrund

Noch einen weiteren Grund macht Häußler für die fehlenden Verwaltungsfachkräfte aus: den Wunsch, Job und Freizeit im Gleichgewicht zu halten, der für immer mehr Bewerber an vorderster Stelle stehe. Eine Bewerbungsmappe hat der Rathauschef unlängst jedenfalls sehr schnell wieder zur Seite gelegt. „Diese hatte uns ein Fachhochschul-Absolvent geschickt. Er war darin der Auffassung, dass es für die Arbeit des Kämmerers keiner 100-Prozent-Stelle bedarf“, berichtete der Bürgermeister. Zudem habe er angegeben, im Homeoffice arbeiten und eine Vier-Tage-Woche haben zu wollen. Da könne er nur Landrat Helmut Riegger zustimmen, so der Bürgermeister, der unlängst bei einem Unternehmertreff geäußert habe, dass es manche mit der Work-Life-Balance maßlos übertreiben, hauptsächlich an Geld und Freizeit denken. „Wir sind aber nicht im Schlaraffenland, sondern es wird auch eine gewisse Leistung erwartet“, betonte Häußler.