Die Kindertageseinrichtung „Im Zwinger“ soll zu einem integrativen Kindergarten ausgebaut werden. Foto: Terkowsky

Um die geplanten Kinderbetreuungsplätze in den städtischen Einrichtungen auch tatsächlich anbieten zu können, mangelt es an pädagogischen Fachkräften. Doch die findet man nicht mal eben so. Also gilt es die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen.

Die Bedarfsplanung der städtischen Kindertageseinrichtungen für das Kindergartenjahr 2024/2025 wurde im Gemeinderat angenommen. Jedoch ist fraglich wie beständig die Planung ist, wenn die geplanten Plätze aufgrund fehlenden Personals nicht angeboten werden können. Dies betonte Thomas Seifert, der Leiter des Fachbereichs Bildung der Stadt Calw, während er die Planung dem Bildungs- und Kulturausschuss vorstellte.

 

So sind vor Beginn des Kindergartenjahres allein fünf Leitungsstellen zu besetzen gewesen. Diese habe man glücklicherweise aus den eigenen Reihen nachbesetzen können, berichtet Seifert. „Aber“, fährt er fort, „diese Mitarbeitet fehlen jetzt natürlich an anderer Stelle“.

Keine Hoffnung auf Verbesserung der Lage

Und so spiegelt die aktuelle Planung zwar den Bedarf wider und zeigt, wie viele Betreuungsplätze theoretisch zur Verfügung stehen. Doch solange die offenen Planstellen nicht besetzt sind können einige Betreuungsplätze nicht oder nur zu einem späteren Zeitpunkt vergeben werden.

Und es besteht wenig Hoffnung. „Man muss den Tatsachen ins Auge sehen“, sagt Seifert. Der Fachkräftemangel sei kein lokales Phänomen und werde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einstellen. Hinzu kommt, dass die Kinderbetreuung auch in anderen Gemeinden ausgebaut werden soll und man sich dadurch im Wettbewerb um die wenigen Fachkräfte befindet.

Das Beste herausholen

Zeitgleich nehme die Belastung des vorhanden Personalstamms sukzessive zu, was sich negativ auf die Personalbindung auswirkt. „Um das System der Kinderbetreuung zukunftssicher aufzustellen, sollten die Fachkräfte und insbesondere die Einrichtungsleitungen spürbar entlastet werden“, heißt es dazu in dem Bericht. Oder anders gesagt: Man muss mit dem arbeiten, was man hat, umdenken, und versuchen das Beste herauszuholen.

Kurzfristig bedeutet das, dass sehr wahrscheinlich Plätze in der Ganztagesbetreuung entfallen. Zusätzlich müsse man in Erwägung ziehen in den Randzeiten (beispielsweise ab 14.30 Uhr, wenn die Kinder abgeholt werden) auf erfahrenes Personal zurückzugreifen, das jedoch über keine pädagogische Ausbildung verfügt, erklärt Seifert.

Förderbedarf belastet zusätzlich

Doch ein weiteres Problem, das sich zudem schwer kalkulieren lässt, sei, dass in Kindertageseinrichtungen zunehmend Kinder mit einem erhöhtem Förderbedarf aufgenommen werden. Damit gemeint sind Kinder mit einem intensiven Sprachförderbedarf oder Kinder, die einer sozial-integrativen Maßnahme bedürfen.

Die Förderung dieser Kinder verlangt vermehrt personelle Ressourcen, berichtet Seifert. Und: der Unterstützungsbedarf stelle sich in der Regel erst nach der Aufnahme des Kindes heraus. Theoretisch werden – sobald der Förderbedarf diagnostiziert wurde – die regulären pädagogischen Fachkräfte durch Zusatzkräfte entlastet und so der Regelbetrieb und das Regelangebot für die übrigen Kinder sichergestellt.

Doch ohne die benötigte fachliche und personelle Unterstützung verschärfe der erhöhte intensive Förderbedarf die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen.

Projekt mit Leuchtturmcharakter

Dieser Problematik will man begegnen, indem die Kindertageseinrichtung „Im Zwinger“ zu einem integrativen Kindergarten ausgebaut wird. Mit diesem Leuchtturmprojekt soll einerseits der integrative Charakter der Stadt Calw unterstrichen werden, andererseits andererseits die geforderte Fachkompetenz im Bereich Integration auf eine Einrichtung konzentriert werden.

Die Einrichtung sei dafür prädestiniert, erläutert Seifert, da die Fachkräfte sich in den vergangenen Jahren bereits entsprechend weitergebildet haben. Allein im vergangenen Jahr wurden dort zeitgleich vier Kinder integrativ betreut.

Als Ziel sollen dort pro Jahr dauerhaft fünf Kinder mit erhöhtem Förderbedarf betreut werden können. Weiter soll die Einrichtungsleitung mit ihrer fachlichen Expertise andere Einrichtungen, die vereinzelt Kinder mit erhöhtem Förderbedarf aufgenommen haben, im Sinne einer „Kollegialen Beratung“ entsprechend beraten und fachlich unterstützen.