Die Region Basel steht als Wirtschaftsregion vor großen Herausforderungen.
Neue Analysen des Kompetenzzentrums „Demografik“ zeigen nun: Die Life-Sciences-Branche ist stark vom Zugang zu internationalen Fachkräften abhängig, während gleichzeitig eine große Pensionierungswelle bevorsteht. Vertreter des Arbeitgeberverbands Region Basel, des Kompetenzzentrums „Demografik“ sowie des Ausbildungsbildungsverbunds „aprentas“ erläuterten an einer Medienkonferenz die Konsequenzen für den Standort Nordwestschweiz.
„Wir verzeichnen einen Rückgang der Beschäftigten in Branchen mit hoher Wertschöpfung sowie eine starke Zunahme der Beschäftigten in Branchen mit tieferer Wertschöpfung. Setzt sich der Trend fort, hat dies negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft: Der Druck auf Löhne und Einkommen steigt, und es kommt zu einem Rückgang von Steuereinnahmen“, sagte Beat Hauenstein, Präsident des Arbeitgeberverbands Region Basel zum Auftakt der Medienkonferenz in Basel. Ganz Europa leide unter Arbeitskräftemangel, weshalb man sich künftig nicht mehr darauf verlassen könne, dass fehlende Fachkräfte alleine durch Zuwanderung ersetzt werden. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir bei uns im Land die richtig ausgebildeten Leute haben.“
Dominik Marbet, Direktor des Arbeitgeberverbands, unterstrich die wirtschaftliche Tragweite: „Wir verzeichnen einen Rückgang der Beschäftigten in Branchen mit hoher Wertschöpfung wie Life-Sciences oder Versicherungen.“ Diese Abhängigkeit von wenigen Branchen stelle die Region Basel vor Herausforderungen und bedrohe die Rolle als Innovationsstandort. Umso wichtiger sei die Ausbildung der eigenen Fachkräfte. „Eine zentrale Stärke des Forschungs- und Innovationsstandorts gegenüber dem Ausland ist die Berufsbildung. Die praktische Berufsbildung in der Life-Sciences-Branche stellt sicher, dass wir einen Nährboden haben, welcher Akademiker und Praktiker zusammenführt“, so Marbet weiter.
Studie als Warnsignal
Die neue Studie zur Fachkräftesituation in der Life-Sciences-Industrie der Nordwest-schweiz des Kompetenzzentrums „Demografik“ zeigt, dass rund 70 Prozent der Mitarbeiter in führenden Life-Sciences-Unternehmen aus dem Ausland stammen; ein Drittel sind Grenzgänger. In Forschung und Entwicklung liegt der internationale Anteil gar bei 80 Prozent. Gleichzeitig werden in den kommenden zehn Jahren bis zu 35 Prozent der Beschäftigten pensioniert – darunter über ein Drittel Schweizer Fachkräfte. „Die Pensionierungswelle betrifft viele Schlüsselprofile im Innovationsbereich Forschung und Entwicklung“, so Zita Brazzola, Projektleiterin bei „Demografik“.
Hendrik Budliger, Chef von „Demografik“ zeigte auf, dass bereits 15 Kantone in einzelnen Altersgruppen von Schrumpfung betroffen sind, und dass sich auch in der Nordwestschweiz die Arbeits- marktschere öffnet: Mehr Personen gehen in Rente, als junge eintreten. Auch Nicole Koch, Geschäftsführerin des Ausbildungsverbunds „aprentas“, machte deutlich, dass die Innovationskraft der Region Basel auf einer starken, praxisorientierten Berufsbildung beruht. Die demografische Entwicklung, der internationale Wettbewerb und die wachsende Abhängigkeit von wenigen Branchen führten jedoch dazu, dass qualifizierte Fachkräfte – insbesondere im MINT-Bereich – zunehmend zum Engpass wer- den. „Wenn leistungsstarke Jugendliche systematisch den Weg in die praxisorientierten MINT-Berufe nicht mehr finden, verlieren wir unsere Innovationsbasis“, erklärte Koch.
Standort sichern
Um den Standort langfristig zu sichern, brauche es eine klare Talentstrategie, gezielte Unterstützung der Ausbildungsbetriebe und einen echten Imagewandel: „Wir brauchen nicht nur mehr Berufsbildung – wir brauchen die richtige Berufsbildung.“ Diese sei weit mehr als eine Alternative zum Gymnasium: „Berufsbildung ist keine zweite Wahl gegen über dem Gymnasium - sie ist ein eigenständiger, strategischer Standortvorteil.“
Zum Abschluss rief Arbeitgeberdirektor Marbet dazu auf, bestehende Maßnahmen ent-schlossen voranzutreiben: „Wir müssen die MINT-Berufsbildung, die höhere Berufsbil-dung sowie die inländische Nachwuchsförderung stärken und gleichzeitig die internati- onale Mobilität sichern.“ Die Region dürfe jetzt nicht nachlassen.
„Politische Vorstöße gehen in die richtige Richtung, aber wir dürfen auch nicht zu viel Zeit damit verlieren, Ursachenforschung zu betreiben. Wir müssen den Arbeitsmarkt und die Bildungspolitik in der Region und speziell in Basel-Stadt aktiv steuern. Ziel muss es sein, die Beschäftigung nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu erhöhen.“