Die Verwaltung will eine Fachfirma beauftragen, die sich mit Giftködern des Problems annimmt. Der Seelbacher Gemeinderat berät darüber am kommenden Montag.
„Im Laufe der letzten Monate wurden im Gemeindegebiet vermehrt Sichtungen von Ratten gemeldet“ – darüber informiert die Verwaltung in einer Beschlussvorlage für die Gemeinderatssitzung am kommenden Montag. Ratten stellen für die Gemeinde ein Problem dar. Sie gelten nach dem Infektionsschutzgesetz als Gesundheitsschädlinge und können eine Vielzahl an Krankheitserregern auf den Menschen übertragen. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sie durch das Nagen „erhebliche Sachschäden“ verursachen, wie aus der Vorlage hervorgeht.
Flächendeckender Einsatz von Ködern in Kanalisation
Die Bekämpfung der Ratten als Gefahrenabwehr sei deshalb eine wichtige Aufgabe, so die Gemeinde. Nun soll sie flächendeckend erfolgen, und zwar in der Kanalisation. Die Sichtungen der Nagetiere stünden „in unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit dem kommunalen Abwassernetz“. Ziel ist, die Rattenpopulation vor Ort zu kontrollieren.
Das gestaltet sich jedoch offenbar nicht so einfach: Wie die Verwaltung informiert, treten bei der Bekämpfung mit Giftködern neue Gesetze in Kraft, die „strengere Anwendungsbestimmungen“ beinhalten. Deren Zweck ist die Risikominimierung für die Bevölkerung, denn Kontakt zwischen den Giftködern und Wasser muss zu jedem Zeitpunkt verhindert werden. Das soll mittels Köderschutzboxen geschehen.
Bisher hatten Arbeiter des Bauhofs auf „herkömmliche Art“, heißt ohne Köderschutzboxen, nur an einzelnen Stellen Giftköder ausgelegt. Nun besagt die Regelung jedoch, dass für die neue Methode entsprechende Fortbildungen benötigt werden, die keiner der Gemeindemitarbeiter habe. Anerkannte Schulungen seien „nur sehr begrenzt verfügbar und kostenintensiv“. Weitere Kosten würden für die Anschaffung und Instandhaltung der Köderboxen anfallen. Zudem würde ein „erheblicher Arbeits- und Verwaltungsaufwand“ entstehen, da regelmäßige Kontrollen nötig wären und man für ein Monitoring, das heißt eine stetige Beobachtung der Lage, zu sorgen hätte.
Schwanauer Firma kennt bereit die Örtlichkeiten
Die Gemeinde kam daher zu dem Schluss, die Bekämpfung der Ratten nicht mehr selbst über den Bauhof vorzunehmen, sondern eine Fachfirma zu beauftragen. Auch ein Großteil anderer Kommunen mit einem Rattenproblem, die vom Bau- und Umweltamt dazu befragt wurden, würden so handeln, heißt es in der Vorlage.
Den Zuschlag bekommen hat die Firma Gebrüder Förster aus Schwanau. Deren Angebot, so die Verwaltung, sei mit 43 800 Euro für einen Zwei-Jahres-Vertrag das wirtschaftlichste gewesen. Zudem nehme der Betrieb bereits den Großteil der in der Gemeinde anfallenden Wartungs- und Sanierungsarbeiten im kommunalen Abwassernetz wahr, sei daher mit den „örtlichen Begebenheiten bestens vertraut“.
Für die Beauftragung der Firma werden in den kommenden beiden Jahren Haushaltsmitteln eingestellt. Gedeckt werden sollen die Kosten über eine „geringe Erhöhung der Abwassergebühren“, wie es in der Vorlage heißt.
Die Sitzung
Die Gemeinderatssitzung am Montag, 1. Dezember, startet um 19 Uhr im Bürgersaal des Seelbacher Rathauses. Die Tagesordnung ist vergleichsweise kurz. Thema – neben der Bekämpfung der Ratten – ist die Annahme von Spenden und ein Nachtrag zur Haushaltssatzung. Zu Beginn gibt es eine Frageviertelstunde.