Mehrere Generationen auf einem Bild: Elena, die Tochter von Iris Haiß, Christine Haiß, die mit ihrem verstorbenen Mann Anton die "Eyachperle aufgebaut hat, das aktuelle Wirtepaar Iris und Bernhard Haiß und die beiden Söhne Eric und Elias. Foto: Kost

Vor 50 Jahren wurde die "Eyachperle" in Bad Imnau eröffnet. Doch wegen Corona kann die Geburtstagsfeier wohl erst im Herbst steigen. Wie es damals zur Gründung des heute weithin bekannten Gasthauses kam, ist eine spannende Geschichte, in der auch der damalige Imnauer Bürgermeister Bernd Schick eine Rolle spielte.

Haigerloch-Bad Imnau - In den 60er und 70er-Jahren war in dem beschaulichen Ort im Eyachtal das Kurwesen noch im Aufwind – und damit auch der Tourismus. Imnau war an die Bahnlinie angeschlossen und wurde vom Touristikunternehmen Touropa beworben, das eng mit der Deutschen Bundesbahn zusammenarbeitete und für "Otto Normalverbraucher" bezahlbare Urlaube anbot.

In Imnau gab es zu jener Zeit zwar jede Menge an Übernachtungsmöglichkeiten – schätzungsweise 70 Zimmer in Privathäusern und kleinen Pensionen – was aber fehlte, war eine größere Speisegaststätte. Das gefiel den Touropa-Touristikern nicht, und auch Bernd Schick wurde dieses Manko des Öfteren vorgetragen.

Der Imnauer Schultes suchte also nach einer Lösung und richtete seinen Blick auf Anton Haiß. Der gebürtige Starzelner hatte als Metzgergeselle in der Metzgerei Haid in Bad Imnau und Umgebung gearbeitet und im Kurort seine Frau Christine (geborene Kotz) kennengelernt. Ihm trug der Bürgermeister ein gemeindeeigenes Gelände an, auf dem damals noch ein Schafstall stand und regte an, dort eine Wirtschaft mit Übernachtungszimmern zu bauen.

Am 15. Mai 1971 eröffnet

Anton Haiß – 2016 im Alter von 76 Jahren verstorben – spielte schon seinerzeit mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen, dachte dabei aber eher an eine Metzgerei – und zwar in seiner ursprünglichen Heimat im Killertal. Aber eine Gaststätte? Und das ohne jegliche gastronomische Vor-Kenntnisse?

Es kam schließlich so. Haiß kaufte das Grundstück, riss den massiven Schafstall ab und baute 1970 binnen eines Jahres mit Hilfe eines Architekten aus dem Nachbarort Mühringen ein staatliches Gebäude mit einer schönen Wirtschaft und je drei Einzel- und Doppelzimmern.

Am 15. Mai 1971 wurde die "Eyachperle" eröffnet – der Name kam übrigens von Bürgermeister Schicks Ehefrau. Sie lief von Anfang gut. "Meine Schwester Hildegard und auch die Kinder Manuele und Bernhard wurden beizeiten eingespannt", erinnert sich die heute 81-jährige Christine Haiß an die Anfangstage zurück. Sehr viele Rentner buchten bis zu dreiwöchige Urlaube in der "Eyachperle" und es gab immer wieder Hochzeiten oder Familienfeste.

Heute 13 Zimmer

Im Fünf-Jahres-Rhythmus wurde die Gaststätte dann sukzessive ausgebaut. Es kam zunächst zwei Kegelbahnen dazu, weil das gerade in den 70er Jahren eine unheimlich beliebtes Hobby war. Später wurde das Angebot an Fremdenzimmern erweitert und 1986 entstand das große Gästehaus mit weiteren zwei Doppel- und drei Einzelzimmern.

1994 übernahm schließlich Sohn Bernhard nach seiner Ausbildung in renommierten Häusern den von den Eltern aufgebauten Betrieb. Unter seiner Regie erfuhr die "Eyachperle" eine komplette Neugestaltung der Gaststube und eine Aufstockung um fünf Doppelzimmer, sodass sie heute 13 Zimmer hat, sieben davon sind Doppel- sechs davon Einzelzimmer. 2005 heirateten Bernhard und Iris Haiß und sie sind es, die heute gemeinsam mit ihrem Team die "Eyachperle" erfolgreich leiten.

Gastronomenpaar kämpft mit Pandemie

Corona hat das beliebte Gasthaus mit seiner regional und saisonal ausgerichteten Küche zwar nicht völlig aus der Bahn geworfen, dennoch hat auch das Gastronomenpaar Haiß mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt und Hygienevorschriften für Übernachtungsgäste umgesetzt werden. Wie andere Wirtschaften auch, setzte man in der "Eyachperle" auf ein "Essensangebot to go". Und das wird von den Gästen sehr gut angenommen. "Wir haben treue Abholer, die zwei-, dreimal in der Woche kommen und sind allen, die uns auf diese Weise unterstützen, so dankbar", freut sich Iris Haiß.

Nichtsdestrotz wollen ihr Mann und sie nach der Corona-Krise aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer treten und die Öffnungszeiten verändern. Aber jetzt hofft man zunächst einmal auf das Ende der Corona-Krise und darauf, im Herbst das Perle-Jubiläum der zu feiern. Wie genau, das wollen sie noch nicht verraten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: