Tanja Höschele auf dem Laufband Foto: Verena Parage

Tanja Höschele aus Straubenhardt legt auf dem Laufband in 48 Stunden 324,34 Kilometer zurück. Eine Weltbestleistung laut des Rekord-Instituts für Deutschland (RID). Bis das RID merkt, dass es sich verrechnet hat.

Knapp zwei Wochen lang hat Tanja Höschele gedacht, sie hätte es geschafft: In 48 Stunden hat die Schwannerin 324,34 Kilometer auf einem Laufband zurückgelegt. Sogar noch gut einen mehr als die 323 vom Rekord-Institut für Deutschland (RID) geforderten. Der Versuch vom 17. bis 19. Februar war Höscheles zweiter Anlauf. Während es für den Teamrekord und Bestleistungen auch ihrer männlichen Mitstreiter Frank Götze und Torsten Köhler wieder nicht gereicht hat, biss sich die 51-Jährige dieses Mal durch. Sie knackte den Rekord – nur um nun zu erfahren, dass dem RID ein Fehler unterlaufen ist.

 

Lapidare Erklärung

Das Institut ist eine Art „Guinness World Records“ nur für Deutschland. Höschele lässt all ihre Rekorde vom RID anerkennen. Die Anforderungen an die Bestleistungen sind nach ihren Angaben dieselben wie bei Guinness.

Nun teilt sie in einer Erklärung mit, dass dem Institut ein Fehler unterlaufen sei. „Wie nah doch manchmal Freude und Enttäuschung liegen können“, schreibt sie. So habe ihr das RID in einer E-Mail vom 19. Januar den Wert von 323 Kilometern genannt. Nachdem sie die gelaufen war, musste sie allerdings vom Rekord-Institut erfahren, dass dies eine falsche Auskunft war: 340 Kilometer wären für den Weltrekord nötig gewesen. Mit „Fehler passieren nun einmal“, kommentierte dies demnach das RID lapidar.

Vieles ist Kopfsache

Darüber ärgerte sich die Extremsportlerin sehr. „16 Kilometer mehr wären machbar gewesen, ohne überheblich klingen zu wollen.“ Schließlich sei bei solch einem Rekordversuch vieles eine mentale Sache. „So eine Distanz läuft man auch und vor allem mit dem Kopf.“ Hätte sie sich auf 340 Kilometer programmiert, dann hätte dies klappen können, meint Höschele.

Doch das RID bleibt dabei, es war kein Weltrekord. Begründung: Es müsse glaubhaft bleiben. „Das verstehe ich auch,“ meint die 51-Jährige. Doch auch sie will glaubhaft sein und bleiben, deshalb entschied sie sich, ein Statement auf ihrer Facebook-Seite zu veröffentlichen. „Ich kann mich nicht für einen Weltrekord beglückwünschen, der keiner ist.“

Den Deutschland-Rekord immerhin hat sie aufgestellt. Für die Schwannerin ist das allerdings ein schwacher Trost. Sie ist enttäuscht. „Das ist so ärgerlich.“ Ihr tue es auch für alle Unterstützer leid, für all die Organisation, die umsonst war.

Trotzdem erzählt sie: „Meine Wutphase ist rum, meine Traurigkeit ist rum. Was jetzt übrig geblieben ist, ist einfach nur dieses: Okay, dann halt noch mal!“ Denn Tanja Höschele wäre nicht Tanja Höschele, wenn sie aufgeben würde. Stattdessen will sie im Herbst einfach wieder angreifen – dann die 340 Kilometer.