Die einen schlafen, die anderen feiern und wieder andere müssen länger arbeiten: Heute Nacht werden die Uhren auf Winterzeit gestellt. Je nach Branche hat dies positive oder negative Auswirkungen.
Alle halbe Jahre wieder wird sie zum liebsten Thema der Deutschen: die Zeitumstellung. Um drei Uhr heute Nacht werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Gut für alle, die länger schlafen wollen, schlecht für Arbeiter in der Nachtschicht. Unsere Redaktion hat sich in verschiedenen Branchen umgehört, wie sie mit der Zeitumstellung umgehen.
Diskothek: „Wir ziehen durch“, freut sich Sebastian Class, Betreiber des größten Lahrer Clubs „Mensch Meier“ auf die Nacht auf Sonntag. Der Diskothek komme es sehr zu Pass, dass die Menschen eine Stunde länger feiern können, Class erhofft sich mehr Umsatz. „Es ist wichtig für uns, dass wir das nutzen können.“ Ein besonderes Event ist nicht geplant. Es stehe zwar Samstagnacht die Ü 30-Party an, aber das sei unabhängig von der Zeitumstellung. Class weiß, dass auch die Mitarbeiter eine Stunde länger durchhalten müssen. „So mancher ist ein bisschen platt. Aber wir sind so ein gutes Team, dass wir meist schnell fertig sind. Das läuft.“
Klinikum: Von einer zusätzlichen Feierstunde kann im Ortenau-Klinikum keine Rede sein. Wer die Nachtschicht erwischt, muss 60 Minuten länger ackern. „Es gibt keine Gutschriften in der Arbeitszeit“ erläutert Kliniksprecher Christian Eggersglüß. Stattdessen trifft man eine interne Lösung: Wer Ende Oktober aufgrund der Zeitumstellung länger arbeiten muss, übernimmt auch im März, wenn die Uhren vorgestellt werden, die Nachtschicht. Dadurch schafft man einen Ausgleich.
Polizei: Ähnlich sieht die Regelung beim Polizeipräsidium Offenburg aus. Auch hier verrichten die Beamten heute Nacht eine Extrastunde, „es entstehen ihnen jedoch keine Nachteile“, heißt es von der Pressestelle. Eine Tendenz, dass der „Mini-Jetlag“ der Menschen zu Unkonzentriertheiten führt und es dadurch zu mehr Unfällen kommt, gebe es nicht. So schwankten die Unfallzahlen von Tag zu Tag regelmäßig, doch „bislang gibt es keine Feststellungen, die auf signifikante Abweichungen der Schwankungen unmittelbar nach Zeitumstellungen hinweisen“, erklärt die Polizei.
Milchviehbetrieb: Nicht nur Menschen, auch Tiere müssen sich auf einen anderen Rhythmus umstellen. Etwa Kühe, die jeden Morgen gemolken werden. „Sie gewöhnen sich aber schnell daran“, sagt Landwirt Christoph Schmieder aus Kuhbach. Anders als früher sei man heutzutage bei den Zeiten etwas flexibler. So falle es leicht, die Melkzeiten jeden Tag um eine Viertelstunde zu verschieben, bis man in der Winterzeit angekommen ist.
Schule: „Ich bin kein Freund der Zeitumstellung“, macht Diana Frei, Schulleiterin der Schutterlindenbergschule, keinen Hehl daraus, wie sie zum Thema steht. Zwar fällt die Umstellung am Wochenende auf den Ferienbeginn und hat keine Auswirkungen auf die Schule, doch „die Zeitumstellung im März ist die kritischere“. Die Stunde Schlaf, die den Schülern in den folgenden Tagen fehle, merke man im Unterricht. „Und den Lehrern geht es genauso“, so Frei. Deshalb nehme man Rücksicht auf müdere Schüler und behandle das Thema auch im Unterricht. Damit die Schüler verstehen, warum die Uhren überhaupt verstellt werden.
ÖPNV ist nicht betroffen
Bei der Verkehrsgesellschaft SWEG mit Sitz in Lahr geht man die Zeitumstellung entspannt an. Die Extrastunde bringt keine Abfahrtszeiten durcheinander, da heute Nacht von 2 bis 3 Uhr keine Busse oder Züge fahren. Auch die meisten Uhren stellen sich automatisch um, nur manche Bus-Uhren müssen manuell verstellt werden, so die SWEG.