Der Markt in Friesenheim soll attraktiver gestaltet werden. Mehrheitlich hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, für die Prüfung, was alles möglich ist, 10 000 Euro zu investieren. Einige Räte – und auch die Beschicker selbst – äußerten aber Zweifel.
Die drei Marktbeschicker Katharina Pfaff aus Reichenbach sowie Willi Steinert und Heinz Drägerhof, beide aus Friesenheim, sind sich einig: Alle drei wünschen sich eine Belebung des Samstagsmarkts. Rundum werde sich gegenseitig geholfen. „Eine tolle Gemeinschaft“, stellte Pfaff fest. Seit nahezu 40 Jahren kommt ihre Mutter Sonja Pfaff mit Wurstwaren, Brot und Käse aus eigener Landwirtschaft auf den Rathausplatz. Elf Jahre sind es bereits für Drägerhof und seit fünf Jahren ist Imker Steinert mit von der Partie.
Dass die Gemeinde jetzt einen Gutachter einsetzen will, für einen Markt, der eigentlich nur um Obst- und Gemüse und vielleicht Eier- und Milchprodukte oder Fisch ergänzt werden dürfte, bringt ein paar Gedankenfalten auf die Stirnen der Beschicker. „Mit wenigen Hilfsmitteln wäre dem Markt schon geholfen“, so Pfaff. Ins Spiel brachte sie den Markt in Reichenbach, der mit einem riesigen Banner am Markttag beworben wird. Außerdem wünschen sie sich „eine Sperrung – zumindest für die vier Marktstunden. Das müsste längst drin sein.“
Der Gemeinderat hat nun mehrheitlich die Erstellung eines Konzepts zur Erweiterung und Optimierung des Wochenmarkts beschlossen. Mittels eines Konzepts erhofft sich die Gemeinde den Markt attraktiver zu gestalten und neue Zielgruppen anzusprechen. Eine Verlagerung auf den Platz am Neuen Ortszentrum oder andere alternative Standorte sollen geprüft werden. Den Zuschlag für die Konzepterstellung erhielt das Unternehmen „Meyer und Koch“. Die erforderlichen Kosten für das Gutachten in Höhe von 10 000 Euro stehen im Haushaltsplan.
Nur fünf Prozent der befragten Friesenheimer nutzen Markt
Julia Berger von der Gemeinde stellte das Vorhaben vor und betonte, dass die Sicherung der Nahversorgung als Schlüsselprojekt im Gemeindeentwicklungskonzept verankert sei. Darunter falle auch die Prüfung und Optimierung des Wochenmarkts. Zudem habe eine Befragung von Passanten der IHK dazu geführt, dass nur fünf Prozent der Befragten wöchentlich auf dem Markt einkauften – und 74 Prozent „eher nicht“. Jetzt würde die Verwaltung das Thema gern über ein externes Büro konzeptionell beleuchten.
Als Herzensprojekt habe Simone Buttenmüller (GLU) die Belebung des Wochenmarkts für sich erkannt. Leider erkenne sie in der Bevölkerung jedoch wenig Motivation, auf dem Markt einzukaufen. Der Kunde wolle eine schnelle Lösung. Sicher wäre es schön, wenn es mit der Belebung des Markts klappen würde, dennoch sehe sie die Entwicklung skeptisch und in der Ausarbeitung würde sie diese bei der Wirtschaftsförderung sehen. Dass ein Fachbüro hinzugezogen werden müsse, sei nicht ganz verständlich. Wäre die Ausarbeitung beim Hauptamt angesiedelt, müssten andere Aufgaben wegfallen, erklärte Bürgermeister Erik Weide.
Einige Räte sehen Konzeption kritisch
Stefan Armbruster (GLU) erkennt in dem Gedanken an eine Belebung des Markts eine romantische Vorstellung. Zu bedenken gab er: „Ob wir damit nicht den bestehenden Wochenmarkt kannibalisieren? Außerdem dürfte der Biomarkt Naturalia auch nicht gerade begeistert sein.“ Auch Martin Althauser (FW) sieht die Konzeption kritisch. 10 000 Euro seien für ihn und seine Fraktion viel Geld, mit dem sich eher für den bereits bestehenden Wochenmarkt die Werbetrommel rühren ließe.
Zehn Räte haben der Konzeptionserstellung durch ein externes Büro zugestimmt, fünf waren dagegen und drei haben sich enthalten. Das fertige Konzept soll voraussichtlich im Sommer vorliegen und zur endgültigen Abstimmung vorgestellt werden.