Eine Heizungsanlage in einem Mietshaus Foto: Sina Schuldt/dpa

Noch ist nicht gesichert, ob das Haus in Albstadt-Tailfingen durch Gas explodiert ist. Dennoch soll erklärt werden, wie man mit Gas umgeht.

Durch die Explosion des Wohnhauses in Albstadt-Tailfingen machen sich viele Menschen in der Region inzwischen Gedanken, welcher der richtige Umgang mit Gas ist und was man im Notfall unternehmen muss. Noch ist nicht gesichert, ob es sich bei der Doppelhaushälfte um eine Gasexplosion gehandelt hat, aber die Annahme wird doch immer wahrscheinlicher.​

 

Um den Menschen, die mit Gas heizen oder kochen oder vielleicht einen Gasgrill gelegentlich in Betrieb haben, einen kleinen Leitfaden mit an die Hand zu geben, hat unsere Redaktion mit einem Experten gesprochen. Vincent Fanenbruck vom Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg gibt Auskunft.

Fenster öffnen, Haus verlassen

Gas in der ursprünglichen Form könne man eigentlich gar nicht riechen, weshalb ein Geruchsstoff beigemischt wird, damit Nutzer von Erdgas oder Propangasflaschen auch tatsächlich wahrnehmen können, wenn Gas entweicht. Beide Bezugsquellen, ob über die Leitung ins Haus geliefert oder als Flasche, enthalten diesen Geruchsstoff, erklärt Vincent Fanenbruck. Was ist denn nun zu tun, wenn man einen Gasgeruch wahrnimmt, wollten wir vom Fachmann wissen.

Er nennt sechs Schritte, die man beim Geruch von Gas auf alle Fälle unternehmen sollte: Ruhe bewahren, Erdgas riecht stark, insoweit ein wichtiges Warnsignal aber kein Grund zur Panik, zweitens Lüften, also alle Türen und Fenster weit öffnen, um für eine ausreichende Durchlüftung zu sorgen, drittens, Zündquellen ausschalten, kein offenes Feuer und keine elektrischen Geräte betätigen, viertens Gashahn schließen, entweder am Gaszähler oder den Hauptabsperrhahn, fünftens, Nachbarn warnen, bitte klopfen und nicht klingeln, und sechstens, das Haus verlassen und den Netzbetreiber informieren.

Im Übrigen erklärt der Bachelor of Engineering, dass Gasleitungen mit zunehmendem Alter gewisse Leckrade aufweisen können: Das sei nicht weiter problematisch, sofern ein gewisser Grenzwert nicht überschritten wird. Das gilt für die im Erdboden und in den Wänden verlegten Leitungen. Diese werden bei Gaskunden im Keller in die Häuser verlegt und von dort auf die verschiedenen Geräte verteilt. Das wiederum übernimmt ein vom Kunden beauftragtes Vertrags-Installationsunternehmen.

Arbeit Fachleuten überlassen

Der Experte rät dringend davon ab, irgendwelche Anschlüsse von Herden, Heizungen oder dergleichen selbst vorzunehmen. Arbeiten an Gasleitungen dürfen nur von speziell geschulten Fachleuten durchgeführt werden, die nach getaner Arbeit immer eine Dichtheitsprüfung oder eine Gebrauchsfähigkeitsprüfung machen, sodass der Kunde sicher gehen kann, dass kein Leck vorhanden ist.

Wenn man sich nun als Laie vorstellt, dass sofort, wenn irgendwo Gas austritt, beispielsweise durch das Entzünden eines Streichholzes, eine Explosion entsteht, so ist dem nicht unweigerlich so. „Es muss eine gewisse Menge an Gas vorhanden sein“, erläutert Fanenbruck. Das angesammelte Gas muss also eine „untere Explosionsgrenze“ überschreiten, damit es bei Entzündung explodiert. Das kann schon mal einige Zeit dauern – je nachdem, wie ein Raum durchlüftet ist und wie groß er ist.

Wenn aber diese untere Explosionsgrenze erreicht sei, dann dürfe man auf keinen Fall ein elektrisches Gerät betätigen, um keinen Funkenschlag zu erzeugen. Deshalb soll man auch keine Klingel oder einen Lichtschalter drücken, wenn man Gasgeruch wahrnimmt. Gasexplosionen kämen laut Technikreferent des Fachverbandes zum Glück nur selten vor.

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