Warum bei der Suche nach Personen im Trümmerfeld des explodierten Hauses nicht nur die hiesige Rettungshundestaffel des DRK Zollernalbkreis eingesetzt wurde, erläutert Eike Kloka.
Am Donnerstag in den frühen Morgenstunden ist ein Wohnhaus in Albstadt explodiert. Um in den Trümmern nach der dreiköpfigen Familie zu suchen, von der man nicht wusste, ob sie sich zum Zeitpunkt der Tragödie im Gebäude befand, kamen auch Rettungssuchhunde zum Einsatz.
Manche wunderten sich, woher man überall und wie viele Spürhunde man angefordert hatte. Nur die regionale Rettungshundestaffel war nicht dabei: die DRK Rettungshundebreitschaft Zollernalb. Das warf Fragen bei den Beobachtern auf, die sich allerdings leicht beantworten lassen.
Zwei Verbände im Kreis
Staffelleiter Eike Kloka hat im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert, wie solche Einsätze ablaufen, wie man Hunde ausbildet und wann sie zum Einsatz kommen.
Grundsätzlich stellt er fest, dass es im Zollernalbkreis zwei verschiedene Verbände gibt, die eigentlich die gleiche Arbeit machen: den Bundesverband der Rettungshunde und eben die DRK-Rettungshundebereitschaft.
„Ob man sich dabei nicht Konkurrenz macht oder ein Verband zu viel vor Ort sei?“, drängt sich die Frage auf. Keineswegs, meint Eike Kloka. Schließlich brauche man bei Großeinsätzen auch entsprechend viele Teams, also Hundeführer samt ausgebildetem Hund, und nicht jeder sei zu jedem Zeitpunkt einsatzbereit.
Drei Spezialausbildungen
Zudem müsse man unterscheiden, dass es drei Spezialausbildungen gibt. Jeder Hund ist also ein Experte auf seinem Gebiet. Bei der DRK-Rettungshundebereitschaft Zollernalb verfüge man derzeit über fünf Teams mit geprüften Flächensuchhunden. Sein eigener Hund sei ein ausgebildeter „Mantrailer“, also ein Personenspürhund, so Kloka.
Dann gibt es noch spezielle Trümmersuchhunde, die vor allem in Erdbebengebieten zum Einsatz kommen. Oder auch wenn man – wie in Tailfingen – in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden sucht. Im Zollernalbkreis gibt es aber dafür kein Team, weshalb man bei der Suche in diesem speziellen Fall eben auf andere Suchhundestaffeln zurückgegriffen habe.
Die Teams aus dem Zollernalbkreis werden gerufen, wenn es um die Fläche geht, also Wälder und Wiesen nach vermissten Personen abgesucht werden müssen, oder wenn unklar ist, wo sich eine Person aufhält. Dann nimmt der Personenspürhund dort die Fährte auf, wo die entsprechende Person zuletzt gesichtet wurde. Eine ganz andere Geschichte sind die Schutzdiensthunde der Polizei, die aber auch über Personensuchhunde verfügt.
Lange Ausbildung
Zu viele für den Sucheinsatz ausgebildete Hunde kann es eigentlich nie geben, ruft der Staffelleiter dazu auf, neue Teams zu gewinnen. Denn schließlich dauert eine Ausbildung des Hundes etwa zwei bis drei Jahre. Momentan habe man welche in der Ausbildung, aber letztlich gehe auch immer wieder ein Tier „in Rente“. Geeignet sei eigentlich jede Hunderasse, nur Listenhunde bilde man nicht aus, erläutert Eike Kloka.
Auch der Hund muss wollen
Natürlich gebe es welche, die sich sehr gut ausbilden lassen, aber so pauschal könne man das überhaupt nicht einordnen. Vor allem muss der Hund auch Lust auf diese Arbeit haben.
Da es sich um ein Lebewesen handelt, ist auch kein Tag wie der andere. Abhängig von den äußeren Umständen wie Temperatur oder Gelände kann man mit seinem Suchhund mal länger oder mal kürzer im Einsatz sein.
Durchschnittlich absolvieren die Hundeführer und ihre Tiere 15 Einsätze pro Jahr. Dabei meldet sich die Polizei bei der DRK-Leitstelle mit dem Stichwort „Person vermisst“.
Alles ehrenamtlich
Allerdings muss in diesem Fall eben auch das Team verfügbar sein. „Wir leisten alles ehrenamtlich, müssen manchmal von der Arbeit weg und dann die Zeit später ableisten oder Urlaub nehmen“, verdeutlicht der Staffelführer.
„Unsere Hunde sind Familienhunde. Wir zahlen das Futter, die Versicherung, den Tierarzt.“ Es läuft also alles komplett ehrenamtlich und in der „Freizeit“ ab.
Acht Stunden pro Woche
Dabei investiert jedes Team pro Woche etwa acht Stunden ins Training, sodass im Jahr bis zu 650 ehrenamtliche Stunden zusammenkommen. Nicht nur, dass die Hundeführer allesamt eine sanitätsdienstliche Ausbildung haben, auch die Hunde müssen eine Prüfung ablegen, da man nur mit geprüften Hunden in den Einsatz geht.
Außerdem können Einsätze durchaus belastend sein – auch für den Hundeführer. Wenn das Einsatzstichwort „Suizid“ laute, dann müsse man das als Mensch auch erst einmal psychisch verkraften können: „Das ist nicht jedermanns Sache.“
Etwa ein halbes Jahr lang trainieren Hundeführer und Hund, bis man endgültig sagen kann, dass das Team voraussichtlich Einsätze bewältigen und die Ausbildung fortführen könne, weiß Eike Kloka aus Erfahrung.
Gerufen wurden sie auch schon zu Einsätzen außerhalb des Zollernalbkreises, beispielsweise in die angrenzenden Landkreise oder auch mal in die Landeshauptstadt Stuttgart.
Die Ehrenamtlichen der Rettungshundebereitschaft investieren viel (Frei-)Zeit und auch Geld in ihr sogenanntes Hobby. „Ein Hobby, von dem Menschenleben abhängen. Weshalb man es auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreiben muss“, erklärt Eike Kloka. Um auch weiterhin für Einsätze gerüstet zu sein, würde man sich im Staffelheim in Tailfingen über neue Teams, also Hundeführer mit Hunden, freuen.
Training im Wald
Zudem ist man immer wieder auf der Suche nach neuen Waldgebieten, in denen man trainieren kann. Waldbesitzer dürften sich gerne melden. „Unsere Hunde jagen nicht“, fügt Eike Kloka vorbeugend an. Man benötige zum Training eben immer wieder „fremde Gebiete“, um es so realistisch wie möglich zu gestalten.
Weitere Infos unter www.rettungshunde-zollernalb.com
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