Eine Kita für 50 Kinder in Containern? Wer sich bei dem Gedanken unwohl fühlte, kann beruhigt sein: Die Stadt Nagold zieht ihre Container-Pläne zurück. Der Mangel an Kita-Plätzen dürfte sich dadurch allerdings verschärfen.
Nagold - Alles Container oder was? Landauf, landab scheinen Container derzeit die Lösung aller Probleme zu sein. Werden Schulen umgebaut, greift eine Kommune gerne zur vorübergehenden Containerlösung. Und auch als Flüchtlingsunterkünfte sind Container gefragt. Und natürlich auf dem gesamten Bausektor.
Die Idee der Nagolder Stadtverwaltung, dem Kita-Notstand mit einem Containerbauwerk zu begegnen, wirkte so gesehen auch nur auf dem ersten Blick ungewöhnlich. Und angesichts mangelnder Alternativen konnten sich Nagolds Lokalpolitiker mit der Betreuung in Containern anfreunden. Wie so oft, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es sich ja "nur" um eine Übergangslösung handelt.
Angespannte Situation
Vorgesehen war die neue Container-Kita im Neubaugebiet Hasenbrunnen, nicht nur für die Familien dort, sondern auch, um andere Kitas mit langen Wartelisten zu entlasten. Und nicht zuletzt, um Betreuungsmöglichkeiten zu haben, während Um-, An- und Neubauten in der gesamten Stadt realisiert werden. Zum Beispiel für Kinder aus Vollmaringen, wo die Situation sehr angespannt ist. Zum nächsten Kindergartenjahr stehen hier 31 Kinder mehr auf dem Planungs-Papier als es Betreuungsplätze im Ort gibt.
So weit zur grauen Theorie. Doch die färbte nun Hoch- und Tiefbauamtsleiter Rafael Beier in der Sitzung des Gemeinderats kräftig mit der Realität ein. Angespannt ist die Lage nämlich nicht nur in den Kitas sondern auch auf dem Bausektor und besonders in der Container-Branche. So berichtete Beier von schier unglaublichen Kostensteigerungen beim Container-Erwerb. Im April dieses Jahres noch bekam das Bauamt einen Richtpreis von 560 000 Euro pro Container genannt. Die Stadt kalkulierte daraufhin mit 650 000 Euro. Dann erreichte das Bauamt die Info, dass der Containerpreis auf 860 000 Euro gestiegen sei.
1,2 Millionen für einen Container
Diese Summe hätte die Stadt wohl noch zähneknirschend akzeptiert. Doch vor wenigen Tagen kam das konkrete Angebot rein: 1,2 Millionen Euro verlangt der Anbieter nun für einen Container. "Die Summe hat sich also fast verdoppelt", so Beier. Und das innerhalb von drei, vier Monaten. Für den Fachmann der Stadtverwaltung ist damit klar: "Das können wir nicht mehr empfehlen." Beier weiter: "Wir müssen da eine andere Lösung finden."
Nagolds OB stellte klar: "Das Thema ist finished". Die Stadt werde eine andere Lösung finden und arbeite auch bereits daran. Dabei deutete Großmann an, dass man die Lösung in der Anmietung von Räumen suche. Und: "Wir müssen uns jetzt sehr schnell mit einer Kita Hasenbrunnen befassen." Der auch im Hinblick auf die Entwicklungen im Calwer-Decken-Areal mittelfristig geplante Neubau, könnte also womöglich schneller kommen, als bisher gedacht.
Weitere Plätze in den Waldkitas
Dabei gab sich Nagolds OB durchaus optimistisch. Man sei gut unterwegs, und auch die Zahl der Betreuungsplätze in den neuen Waldkitas lasse sich womöglich verdoppeln. Nun gelte es, eine Lösung ohne Container zu finden. Womöglich auch mit der Holzständerbauweise, die AfD-Stadtrat Günther Schöttle ins Spiel brachte. "Auf unseren Baustellen kriegen wir gar keine Container mehr", sagte Schöttle und berichtete von der Planung von Schulen in Holzständerbauweise. Für Nagold wäre das nicht neu. OB Jürgen Großmann "Der Riedbrunnen lässt grüßen."