Katzen oder Hunde stehen an Silvester unter Stress. Sandra Topler, Vorsitzende der „PfotenEngel Zollernalb“, gibt Tipps, wie man seine Hausgefährten einigermaßen schützen kann.
Wenn es in der Silvesternacht blitzt und kracht und prasselt und knallt, wenn es wummert und aufleuchtet – dann freuen sich nicht alle. Viele Tiere leiden entsetzlich unter dem Geballer. Sie winseln, zittern, verkriechen sich, sind selbst Stunden danach nicht zu beruhigen.
Sandra Topler, Vorsitzende des Tierhilfsvereins „PfotenEngel“ mit Sitz im Burladinger Ortsteil Hausen, Zollernalbkreis, ärgert sich über die Silvesterfeuerwerke, die an Länge und Intensität jedes Jahr gefühlt noch zunehmen. „Blödsinn“ und „Idiotie“ nennt sie das. „Das Geld, das dafür rausgeschmissen wird, wäre woanders besser angelegt.“ Nein, sie möchte den Menschen den Spaß nicht komplett nehmen. „Aber wenn sich die Feuerwerke wenigstens auf bestimmte Punkte konzentrieren würden …“
„Es kann passieren, dass sich ein Tier vor Schreck losreißt“
Was sie ebenfalls ärgert, ist: Schon im Vorfeld und manchmal Tage nach Silvester werden Böller gezündet. Hundebesitzern rät sie, ihre Lieblinge beim Gassigehen in dieser Zeit gut an die Leine zu nehmen. „Es kann passieren, dass sich ein Tier vor Schreck losreißt, in Panik davonrennt und sie es nicht mehr finden.“
Besondere Sorgen macht sie sich um eine Katze im Raum Albstadt, deren Besitzerin plötzlich verstarb. Das Tier ist nun heimatlos, streunt suchend um seine frühere Heimat herum – die nicht mehr die seine ist. Um Hilfe gebeten, zog Sandra Topler am vergangenen Dienstag mit einer Falle los, um die Katze einzufangen.
Bislang noch ohne Erfolg, „Ich habe extra leckeres Hühnchenfleisch gekocht, um sie anzulocken. Ich hoffe, ich kriege sie noch rechtzeitig vor der Silvesternacht.“ Eine Pflegestelle, wo die Katze eine neue Heimat findet, hat die Vorsitzende bereits organisiert.
„Die Rollläden ganz herunterlassen, das dämpft“
Was kann man tun, um eigene Haustiere zu beruhigen, wenn es in der Silvesternacht richtig losgeht? „In erster Linie natürlich bei ihnen bleiben. Sie keinesfalls allein lassen. Den Fernseher oder das Radio lauter stellen, dann dringt der Lärm von draußen nicht so brachial durch. Die Rollläden ganz herunterlassen, das dämpft und hält die Lichtblitze ab, die Tiere ebenfalls erschrecken können.“
Es gebe daneben ganz individuelle Methoden, die Hunde- oder Katzenbesitzer für sich entwickelt haben, weiß sie. „Manche fahren mit ihren Tieren stundenlang spazieren, über die Autobahn, da ist es weniger laut.“ Andere suchen abgelegene Stellen, weit von Ortschaften entfernt, auf.
Mehr Geld-, Futter- und Sachspenden
Die Auffangstation der „PfotenEngel“ in Hausen (Im Engelswies 5) steht derzeit leer. Alle herrenlosen Tiere, die dem Verein in diesem Jahr zugetragen wurden, konnte man unterbringen. Das waren immerhin 70. Nur die großräumige Voliere ist mit Vögeln aller Art voll besetzt. Um sie macht sich Sandra Topler jedoch keine Sorgen. „Das Häuschen ist schallisoliert.“
Abgesehen davon, dass man so viele Vierbeiner vermitteln konnte, ist die Vorsitzende auch sonst mit dem vergangenen Vereinsjahr hochzufrieden. Die Zahl der Mitglieder steigt ebenso wie die Zahl der Geld-, Futter- und Sachspenden. Und während die Nachbarn der Tierstation, zu der Zeit als sie eingerichtet wurde, dem Projekt teils mehr als kritisch gegenüberstanden, pflege man heute ein herzliches Verhältnis.
Skepsis der Nachbarschaft hat sich verflüchtigt
„Die Leute hatten damals Angst, wir würden hier dauerhaft Hunde unterbringen, die dann Tag und Nacht kläffen.“ Doch die längere Unterbringung ist gerade nicht das Ziel der „Engelspfoten“. Es geht darum, die Tiere umgehend neuen Besitzern zu vermitteln. Gelingt das nicht auf die Schnelle, finden sie eine vorübergehende Pflege zuhause bei Vereinsmitgliedern. Eher selten hält sich ein Vierbeiner über mehrere Tage im Vereinssitz auf. „Wenn das der Fall ist, ist jemand da, der ihn betreut.“
Noch etwas anderes hat Zweifler für die „Engelspfoten“ eingenommen: Haus, Gelände und Anbauten sind auf das Beste gepflegt. Keine Spur von Verwahrlosung oder „Sauerei“. Wer’s nicht glaubt, darf sich selbst überzeugen. Veranstaltungen oder Treffen von Hunde- und Katzenhaltern finden zwar erst wieder im Frühjahr statt, doch bis dahin ist an Samstagen jeweils ab 10 Uhr immer jemand anzutreffen, der im Haus oder auf dem Anwesen etwas werkelt. „Besuchen Sie uns gern“, lädt Sandra Topler alle Interessierten ein.
Um auf die Spenden zurückzukommen: „Inzwischen erhalten wir immer mehr von Leuten, die sich entschlossen haben, das Geld, das sie für Böller ausgeben würden, uns zu geben“, so Topler. Zuwendungen erhielt der Verein auch schon von einem lokalen Händler, der Feuerwerksartikel verkauft.
„Das finde die Vorsitzende natürlich schön und nun hofft sie, dass alle Fellnasen, Stubentiger und anderes Hausgetier mögen den Übergang ins Jahr 2026 gut überstehen mögen.