Was tun gegen Leerstände? Und wie kommt mehr Frequenz in die St. Georgener Innenstadt? Antworten und Ideen hatte Expertin Amelie Hauptmann beim Potenzial-Rundgang dabei.
Leere Schaufenster, Händler, die sich zunehmend Gedanken über ihre Zukunft machen müssen, und Innenstädte, die veröden – landauf, landab sind die Probleme bekannt. Und auch in St. Georgen macht man sich – obwohl die Stadtmitte mit Marktplatz und Tiefgarage gerade eben erst neu gestaltet wurde – Gedanken darüber, wie es weitergeht im Herzen der Bergstadt.
Welche Potenziale bietet der Standort St. Georgen seinen Gewerbetreibenden und Bürgern? Wie entwickelt sich die Leerstandssituation in der Innenstadt, und welche Chancen ergeben sich daraus für neue Nutzungen und attraktive Angebote? Welche Projekte setzen Kommunen ähnlicher Größe bereits heute erfolgreich um, um Kaufkraft zu binden, Leerstände zu reduzieren und neue Zielgruppen zu gewinnen? Fragen über Fragen, die sich stellen.
Antworten – oder zumindest Ansatzpunkte für selbige – gab es nun bei einem Potenzial-Rundgang, den Vertreter des örtlichen Handels- und Gewerbevereins (HGV), des Gemeinderats, der Stadtverwaltung sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg nun gemeinsam in St. Georgen unternahmen. Angeführt wurde die Gruppe von Amelie Hauptmann, die bei der Agentur Imakomm Projekte im Bereich Stadtentwicklung und Stadtmarketing betreut.
Sie hatte sich bereits vorab in der Stadt umgehört und -gesehen – und dabei war ihr so einiges zu Ohren gekommen und ins Auge gefallen. Ein Beispiel: Die zahlreichen Fußgängerüberwege in Innenstadtnähe, die einem – so Hauptmanns Einschätzung – ein sicheres Gefühl gäben, obwohl St. Georgen keine Fußgängerzone im klassischen Sinne habe.
Kostenlose Parkplätze ein Pluspunkt
Und auch Parkflächen stünden ausreichend zur Verfügung, fand Hauptmann – sowohl kostenpflichtige im Parkhaus als auch kostenfreie Parkplätze im Bereich rund um die Innenstadt. Dass man in Stadtzentren kostenlos parken könne – wenn auch zeitlich begrenzt – sei in ihrer Erfahrung „eher die Ausnahme“, lobte Hauptmann.
Doch nicht überall konnte St. Georgen überzeugen: Die Beschilderung sei verbesserungswürdig, kritisierte die Expertin. Als Person ohne Ortskenntnis sei es nicht einfach, das Parkhaus Stadtmitte zu finden – und auch sonst sei die Beschilderung zwar „in Ordnung“, aber noch längst nicht erstklassig. Ein durchgängiges Besucherleitsystem, das auch die potenziellen und tatsächlichen Einzelhandelskunden durch die Innenstadt leitet? Fehlanzeige.
Beschilderung: noch etwas Geduld gefragt
Zumindest momentan noch. Denn in diesem Zusammenhang konnte Tabea Epting vom Stadtmarketing gleich mal gute Nachrichten überbringen: Ein umfassendes Leitsystem durch die Innenstadt sei bereits in Planung – allerdings erst nachdem die aktuell laufende Rathaussanierung abgeschlossen ist.
Gefallen fand das Expertinnenauge am neu gestalteten Marktplatz. Der Blick in die Innenstadt zeige: St. Georgen habe in den vergangenen Jahren massiv investiert – und sich herausgeputzt. Neben Marktplatz böten auch Stadtgarten und Stadtterrasse einiges an Aufenthaltsqualität. Einzig die Frequenz auf dem Marktplatz lasse, fand neben Hauptmann auch HGV-Vorsitzende Sabine Günter, die sich beim Rundgang zu Wort meldeten, noch zu wünschen übrig.
Leerstände – nicht nur hier ein Problem
Und dann war das natürlich noch das Dauerthema einer jeden Innenstadt: Leerstände. Derzeit sei die Lage in St. Georgen diesbezüglich „verhältnismäßig noch in Ordnung“, bilanzierte Hauptmann. Andere Kommunen seien da schlechter dran. Und doch müsse man die Situation im Auge behalten – auch perspektivisch. „Leerstände nehmen zu, vor allem in Randlagen“, erklärt Hauptmann. Und auch Günter bekräftigte, dass besonders in den kommenden zehn Jahren in St. Georgen Schließungen absehbar seien.
Auch heute schon gibt es einige Leerstände in der Innenstadt – um sie zu kaschieren, präsentierte Hauptmann einige Vorschläge. Und um Leerständen langfristig den Kampf anzusagen, empfahl sie ein strategisches Nutzungsmanagement. In dessen Rahmen wird beispielsweise eine Datenbank aller Leerstände erstellt – mit dem Ziel, diese wieder zu füllen. Wobei man immer auch darauf angewiesen sei, dass die Gebäudeeigentümer mitmachten, merkte Karola Erchinger (Freie Wähler) an. „Ansonsten sind uns die Hände gebunden.“
Wie es weitergeht
Strategie
Und nun? Das war die Frage, die nach dem Potenzial-Rundgang noch offen blieb. Was aber in der Natur der Sache liege, fand Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg. Der Termin sei als „Boxenstopp“ für die St. Georgener Innenstadt zu verstehen. Um die vielen Ansatzpunkte umzusetzen, brauche es natürlich zeitliche und finanzielle Ressourcen. Für einen zweiten Termin ähnlicher Natur, bei dem Ideen strukturiert und vertieft werden könnten, waren alle Beteiligten offen.