Drei Tage lang nutzt der „Bruno Gröning Freundeskreis“ den Veranstaltungsraum des Kulturzentrums Horber Kloster. Experten für Sekten und Weltanschauungsfragen sagen, wie sie diese Organisation einschätzen.
Wie gefährlich ist das Engagement des „Bruno Gröning Freundeskreises“? An diesem Mittwoch und am kommenden Wochenende lädt die Organisation im Horber Kloster zuerst zu einem „Vortrag mit Arzt“ und dann am Samstag und Sonntag zu zwei selbstgedrehten, jeweils mehrstündigen „Doku-Filmen“ ein.
Von verschiedenen Medien wird der „Freundeskreis“ als Sekte bezeichnet, die Schwerkranken Hoffnung auf Heilung mache – mittels Heilstrom, ein zentraler Punkt der „Gröning-Lehre“.
Was sagen Experten für Weltanschauungsfragen über den „Freundeskreis“?
Pfarrer Andreas Oelze, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Der Experte sagt: „Ich möchte den Sektenbegriff generell nur vorsichtig oder gar nicht verwenden. Es ist aber so, dass wir auf den Bruno Gröning Freundeskreis einen kritischen Blick haben.“
Oelze erläutert, die Hintergründe und worin er die Problematik sieht und wie die der „Freundeskreis“. „Der Grundgedanke sei: „Es gibt kein unheilbar.“ Mit dem Heilstrom könne prinzipiell alles geheilt werden, so die Annahme. Der Glauben und das Vertrauen in den Heilstrom seien zentral. Der Mensch entscheide selbst, ob er an die Krankheit glaube oder an die Gesundheit – und dann geheilt werden könne.
Das „Sicherheitssystem“ der „Brüning-Freunde“
Oelze erläutert: „Es ist von außen betrachtet sozusagen ein Sicherheitssystem: Wenn man nicht geheilt wird, dann glaubt man selbst nicht genug.“ Das könne auch passieren, wenn auch das Umfeld nicht daran glaubt. Das ist dann insbesondere heikel, weil es dazu führen kann, das Betroffene den Kontakt zu Familie und Freunden abbrechen können.“
Dazu passe Folgendes, wie der Pfarrer berichtet: „Beide Kinder Grönings sind noch im Kindesalter gestorben. Das wird im Freundeskreis intern so gedeutet, dass es daran gelegen hätte, dass seine damalige Frau dafür gesorgt habe, dass die Kinder schulmedizinisch und nicht von ihm versorgt worden seien.“ Dann werde in der Gröning-Lehre auch über die „Regelungsschmerzen“ gesprochen. Oelze erklärt: „Das bedeutet, dass es auch weiter Schmerzen geben könne, vergleichbar dem Gedanken der Erstverschlechterung in der Homöopathie. Erzählt wird dann, dass der Heilstrom so stark wirkt, dass es zu einem Reinigungsschmerz kommen könne. Auch hier wird also vorgebaut, wenn es nicht zu einer Verbesserung kommt. Das kann es aber besonders gefährlich sein, weil dann auch auf Warnsignale des Körpers nicht oder nicht rechtzeitig gehört wird.“
Sarah Pohl, Leiterin von Zebra-BW, der zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen in Baden-Württemberg Die Expertin von Zebra-BW sagt zunächst: sagt zunächst: „Bruno Gröning starb 1959 an Krebs. Er hatte eigentlich versprochen, dass er Krebs heilen könne. Nach seinem Tod gründeten sich mehrere Gruppierungen, die sich zusammen als Bruno Gröning Freundeskreis bezeichnen. Diese funktionieren zum Teil unterschiedlich. Die Gruppendynamiken entstehen vor Ort.“ Die Organisation lasse sich als spirituell-esoterisch einordnen.
Pohl berichtet weiter: „Die Gröning-Freunde haben eine kritische Einstellung zur Schulmedizin. Es kam schon vorkommen, dass man von konventionellen Methoden abrät. Das kann dann problematisch werden.“ Wissenschaftliche Beweise zum Heilstrom gebe es nicht. „Sie selbst sagen, dass es einige Spontan-Heilungen gegeben habe“, so Pohl.
Gruppendynamik mit Placebo-Effekt?
Handelt es sich um eine Sekte? Wie heikel ist der Freundeskreis? „Ich vermeide eine pauschale Verurteilung. Es hängt von der einzelnen Gruppierung ab. Wenn es etwas Ergänzendes zur medizinischen Behandlung ist, dann kann es dem Einzelnen vielleicht eine gewisse Kraft geben. Der Placebo-Effekt und gruppendynamische Aspekte sind nicht zu unterschätzen.“
Allerdings seien Heilversprechen „eine problematische Sache“. Pohl weiter: „Sie können falsche Erwartungen wecken. Menschen im Not greifen zu dem letzten Strohhalm. Wenn im Rahmen des Bruno Gröning Freundeskreis solche Heilsversprechen gegeben werden, sehen wir das kritisch. In den letzten Jahren hat es aber sehr wenige Fälle gegeben, die sich an uns gewandt haben oder die uns bekannt geworden sind. Wie kommt das? Pohl: „Andere ,Gurus‘ laufen dem Freundeskreis den Rang ab.“
Christian Österbauer, Fachreferent für „Sekten-“ und Weltanschauungsfragen der Diözese Rottenburg-Stuttgart „Ich würde den Freundeskreis jetzt nicht als Sekte bezeichnen. Es werden Versprechen gemacht, die nicht eingehalten werden können.“ Besonders für Krebspatienten könne das gefährlich werden, sagt der Experte der Diözese. „Wenn man sich keine andere Hilfe holt, dann ist es tödlich.“ Auch beim Thema Depressionen drohen laut Österbauer gefahren: „Man ist bei Veranstaltungen des Freundeskreises zunächst in einer netten Gemeinschaft. Ein ganz anderes Umfeld. Das macht schon was mit einem. Drei Tage sind wie ein Festival. Dann geht es einem erst einmal besser. Danach kann man dann aber wieder in eine größere Krise stürzen.“