Zecken machen kaum noch Winterpause. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Frühling ist da, und der Mensch zieht wieder hinaus in die Natur. Der Südwesten gilt jedoch als FSME-Risikogebiet – und rund um Zecken kursieren viele Mythen.

Die Zecke hat wahrlich keinen guten Ruf: Sie gilt als heimtückischer Blutsauger, der auch noch Krankheiten verbreitet. Die Liste an möglichen Bakterien und Viren, die durch Zecken übertragen werden können, ist tatsächlich lang: Am bekanntesten sind jedoch die Lyme-Borreliose und – vor allem im Süden Deutschlands – die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

 

Bei Borreliose blieb die Zahl in Baden-Württemberg relativ konstant: Die AOK zählte im Land für das Jahr 2024 insgesamt 14 089 an Lyme-Borreliose Erkrankte. Im Vergleichsjahr 2020 waren es 14 714 Fälle gewesen. Im Landkreis Lörrach gab es in diesem Zeitraum allerdings einen Anstieg von 135 auf 172 Fälle.

Bei FSME sind die Zahlen laut Lörracher Gesundheitsamt: 2023 vier Fälle, 2024 sechs Fälle und 2025 fünf Fälle. Dabei gilt laut Angaben des Gesundheitsamts der gesamte Landkreis Lörrach als FSME-Risikogebiet. „Das bedeutet, dass Zecken, die FSME übertragen können, im gesamten Kreisgebiet vorkommen. Das Vorkommen kann jedoch sehr kleinräumig schwanken. Tendenziell ist das Risiko in waldreichen Regionen höher.“

Besondere Impfempfehlung für alle, die viel draußen sind

Eine besondere Impfempfehlung gilt daher laut Gesundheitsamt für Kinder ebenso wie für Erwachsene, wenn sie sich häufig dort aufhalten, wo Zecken vorkommen: im Wald oder auf Wiesen, beim Wandern, Joggen oder Radfahren, bei der Gartenarbeit oder generell bei viel Tätigkeit im Freien.

Was nicht stimmt: Zecken lassen sich nicht von Bäumen auf ihre „Opfer“ fallen, sagt Karsten Schrankel. „Und sie springen auch nicht.“ Stattdessen warten Zecken meist in einer Höhe von wenigen Zentimetern bis höchstens etwa einem Meter über dem Boden an exponierten Stellen, beispielsweise auf einem Grashalm. Streift ein Mensch oder ein Tier die Pflanze, klammern sich die Parasiten fest.

Karsten Schrankel ist Leiter des Geschäftsbereichs Prävention bei der AOK Hochrhein-Bodensee. Foto: AOK Hochrhein-Bodensee

Karsten Schrankel, Leiter des Geschäftsbereichs Prävention bei der AOK Hochrhein-Bodensee, empfiehlt grundsätzlich, eine Zecke möglichst bald zu entfernen, um das Risiko für eine Borreliose zu senken: Je länger die Zecke Blut saugt, desto wahrscheinlicher ist eine Übertragung von Krankheitserregern.

Besonders tückisch: Viele Zecken werden nicht sofort entdeckt, sondern erst später – etwa beim Duschen am Abend. Oft haben sich die Tiere dann bereits in der Haut festgesetzt, ohne dass dies bemerkt worden wäre. Wer dann noch versucht, die Zecke mit bloßen Händen herauszubekommen, zerdrückt den Blutsauger dabei nicht selten – und das ist laut Experten keine gute Idee. Warum? Beim Zerdrücken können Krankheitserreger aus dem Zeckenkörper leichter in die Wunde gelangen.

Auch in den Hochlagen des Schwarzwalds längst etabliert

Der verbreitete Mythos, dass beim Herausziehen der „Kopf“ der Zecke stecken bleiben könne, stimmt allerdings so nicht. Der Grund: Eine Zecke hat keinen Kopf im eigentlichen Sinne, sondern lediglich einen Stechrüssel, wie Schrankel erklärt. Was in der Haut zurückbleiben könne, sei dieser Rüssel, der als kleiner schwarzer Punkt sichtbar sein könne. „Aber das ist in der Regel harmlos“, so der AOK-Experte. „Der Körper stößt den Rüssel häufig von selbst ab, manchmal kann es jedoch zu einer kleinen Entzündung kommen.“

Deshalb gilt: Wenn nichts anderes zur Hand ist, kann die Zecke auch mit den Fingernägeln möglichst hautnah gefasst und herausgezogen werden. Besser sei jedoch eine Pinzette oder eine spezielle Zeckenkarte, so Schrankel. Wichtig ist, die Zecke möglichst gerade und ohne starkes Quetschen herauszuziehen. Anschließend sollte die Einstichstelle desinfiziert werden.

Nach einem Zeckenstich sollte die Einstichstelle noch einige Wochen beobachtet werden, sagt Schrankel. Eine ringförmige Rötung, die frühestens nach drei Tagen entsteht, kann auf Borreliose hindeuten. Treten innerhalb von sechs Wochen grippeähnliche Beschwerden wie Fieber oder Gelenkschmerzen auf, sollte man zum Arzt gehen.

Übrigens: Dass die Zeckenzeit erst im Frühling beginnt, stimmt durch den Klimawandel nur noch eingeschränkt. Zwar herrschen laut Angaben des Gesundheitsamts ideale Bedingungen für ihre Aktivität bei milden Temperaturen zwischen etwa 14 und 23 Grad, doch aktiv werden Zecken bereits ab Temperaturen von etwa fünf bis sieben Grad. Die Winterpause des Parasiten wird dadurch zunehmend kürzer.