Es ist ein Teufelskreis: Wer schlecht schläft, isst oft mehr und nährstoffärmer – und vor allem abendliches Essen stört wiederum den Schlaf. (Symbolfoto) Foto: princeoflove – stock.adobe.com

Beim Forum „Gesund und vital“ in St. Georgen gibt Frédéric Letzner Einblicke ins Ernährungsverhalten. Im Interview gibt er Tipps, um gesünder zu essen und besser zu schlafen.

Rund um die Gesundheit dreht sich am Sonntag, 16. November, alles in St. Georgen. Das Forum „Gesund und vital 2025“ steht dieses Mal unter dem Motto „Gesünder ernähren – besser schlafen“.

 

KeyNote-Speaker ist Frédéric Letzner, Ernährungswissenschaftler mit Schwerpunkt Ernährungspsychologie. Mit seinem Vortrag „Einfach durchbeißen? – Tipps und Tricks der Ernährungspsychologie“ gibt er Einblicke in die Psychologie des menschlichen Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens.

Anfang 2020 wurde er vom deutschen Redner-Berufsverband zum besten Newcomer Deutschlands mit dem „GSA-Newcomer Award 2020“ gekürt. Bis heute ist er deutschlandweit in Unternehmen und auf Kongressen tätig sowie regelmäßig als Experte in Funk und Fernsehen präsent und begeistert mit verblüffenden Inhalten und Geschichten, die einfach nachvollziehbar sind und das Thema Ernährungspsychologie auf den Punkt bringt. Im Interview spricht er über das Thema Ernährung und Schlat.

Mit was befasst sich die Ernährungspsychologie?

Die Ernährungspsychologie beschäftigt sich nicht in erster Linie mit dem Was wir essen – das wissen die meisten Menschen nämlich längst. Sondern mit dem Wie und Warum. Warum esse ich gerade jetzt? Warum fällt es mir schwer, mit dem Essen aufzuhören, obwohl ich satt bin? Warum greife ich abends zur Schokolade, obwohl ich mir morgens noch fest vorgenommen hatte, gesünder zu leben? Es geht um Gewohnheiten, Emotionen, Stress, soziale Einflüsse – also um die psychologischen Mechanismen, die unser Essverhalten prägen. Und genau da liegt der Schlüssel: Wer versteht, warum er oder sie isst, kann nachhaltig etwas verändern.

Wie wirkt sich das Ernährungsverhalten auf den Schlaf und umgekehrt aus?

Essen und Schlaf hängen enger zusammen, als vielen bewusst ist – und zwar auf mehreren Ebenen. Beide sind biologisch grundlegend – und psychologisch höchst sensibel. Stress ist hier ein zentraler Einflussfaktor: Wenn der Kopf nicht abschalten kann, schlafen wir schlechter – und wenn wir schlecht schlafen, essen wir häufig mehr, vor allem nährstoffärmer. Gerade am Abend essen viele Menschen mehr, weil endlich der Stress des Tages abfällt. Dann wird Essen zur emotionalen Belohnung. Gleichzeitig stört spätes, schweres Essen den Schlaf – ein klassischer Teufelskreis. Deshalb: Es geht nicht nur um Essenszeiten oder Bettgehzeiten – sondern um Selbstfürsorge. Um Achtsamkeit, Genuss, Pausen, Grenzen. Wenn ich lerne, mich gut um mich selbst zu kümmern, dann funktioniert beides besser – sowohl das Essverhalten als auch das Schlafverhalten.

Gibt es typische Denkmuster oder Verhaltensweisen, die eine gesunde Ernährung und guten Schlaf erschweren?

Absolut. Der Klassiker: „Ich darf nicht“ oder „Ich muss“. Solche Sätze erzeugen Druck – und Druck ist der Gegenspieler von Balance. Wer sich ständig etwas verbietet oder unter Druck setzt, verliert den Zugang zu den eigenen Bedürfnissen. Das gilt fürs Essen genauso wie fürs Schlafen. Dann entsteht eine Spirale aus Kontrolle und Kontrollverlust – die berühmte „Diätfalle“ ist da ein Beispiel. Was es braucht, ist ein gesünderes Körpergefühl: wahrnehmen, wann ich wirklich müde bin, wann ich Hunger habe, wann ich eine Pause brauche. Das ist kein Kontrollthema, sondern ein Beziehungsthema – die Beziehung zu mir selbst.

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse in Hinblick auf die Ernährungspsychologie finden Sie besonders spannend?

Ich finde vor allem die Forschung rund um das Thema restriktives Essverhalten spannend. Studien zeigen klar: Wer sein Essverhalten dauerhaft kognitiv kontrolliert – also ständig denkt „Ich darf das nicht“, „Ich muss weniger essen“ – fördert langfristig genau das Gegenteil. Die sogenannte Diätmentalität erhöht die Wahrscheinlichkeit für Heißhunger, emotionales Essen und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Vielversprechend ist hier der Ansatz der intuitiven Ernährung. Dabei geht es darum, wieder auf körpereigene Signale zu hören – Hunger, Sättigung, Genuss. Studien zeigen, dass Menschen mit einem intuitiven Essverhalten tendenziell zufriedener, weniger gewichtsfixiert und psychisch stabiler sind. Und das ist doch genau das, was wir brauchen – weg von Verboten, hin zu einem gesunden Selbstkontakt.

Welchen Tipp geben Sie Menschen mit auf den Weg, die nachhaltig gesünder essen und besser schlafen möchten?

Mein Tipp: Stellt euch weniger die Frage was ihr esst oder wann ihr ins Bett geht – sondern viel öfter: Warum esse ich gerade? Wie geht’s mir gerade wirklich? Was bräuchte ich jetzt eigentlich? Gesunde Ernährung und guter Schlaf entstehen nicht durch strikte Regeln, sondern durch einen gesunden Umgang mit sich selbst. Mehr Achtsamkeit, mehr Genuss, mehr Pausen. Nicht gegen den Körper arbeiten, sondern mit ihm. Sich selbst wieder ernst nehmen – nicht nur in der Leistung, sondern auch in den Bedürfnissen. Wer das lernt, braucht keine Regeln mehr – sondern findet von selbst in gesündere Gewohnheiten.

Der Vortrag

Termin
Das diesjährige Forum „Gesund und vital“ findet m Sonntag, 16. November, zwischen 12 und 17 Uhr unter dem Motto „Gesünder ernähren – besser schlafen“ in der St. Georgener Stadthalle statt. Keynote-Speaker ist Frédéric Letzner, Ernährungswissenschaftler mit Schwerpunkt Ernährungspsychologie. Er hält den Vortrag „Einfach durchbeißen? – Tipps und Tricks der Ernährungspsychologie“.