Was tun, wenn der Strom ausfällt? Experte Heinz Hertler zeigt, wie sich Bürger auf Krisen vorbereiten können – mit einfachen Mitteln, Absprachen und kluger Vorratshaltung.
Zu einem Vortrag „Gut vorbereitet in Krisenzeiten“ konnten die Initiatoren vom DRK-Ortsverein Horb-Talheim-Steinachtal, die diesen Termin in Zusammenarbeit mit der Ortschaftsverwaltung, der Kirchengemeinde und dem katholischen Landvolk / KAB Grünmettstetten organisierten, eine große Zahl Interessierter begrüßen.
Der Versammlungssaal war genauso gut gefüllt wie der Präsentationstisch, an dem Referent Heinz Hertler all die Dinge ausgebreitet hat, die man in Krisenzeiten braucht.
Es war ein Sammelsurium, das von der Vitamintablette, dem Esbit-Kocher, dem Kurbel-Radio mit Lampe, Messer, Taschentüchern, Fertigkonserven aller Art bis hin zur Möglichkeit eines provisorischen WCs reichte. Geschätzt so um die 100 Artikel hat er aufgebaut, auf deren Notwendigkeit er dann Punkt für Punkt einging.
Früher Berufssoldat
Und Heinz Hertler weiß, wovon der spricht. Seit 46 Jahren ist der frühere Berufssoldat nun schon beim DRK und davon seit weit mehr als 20 Jahren mit dem Thema der persönlichen Notfallvorsorge vertraut. Er hat Krisensituationen nicht nur bei seinen Auslandseinsätzen als Soldat erlebt, sondern unter anderem auch als Krisenmanager im Ahrtal.
„Vor 10 bis 15 Jahren hätte man sich gefragt, brauchen wir so einen Vortrag überhaupt – heute ist er wichtiger denn je“, betonte Hertel gleich zu Beginn und stellte klar, dass es im Notfall wichtig sei, dass man sich die erste Zeit selbst helfen kann, bis die Notfall-Routinen der Kommunen und der Hilfsorganisationen greifen.
Man brauche einen gewissen Grundvorrat, den man sich am besten anhand von Checklisten, die man beispielsweise vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bekommt, individuell zusammenstellt, einer seiner Hinweise. Der erfahrene Referent machte auch immer wieder deutlich, dass Vorsorge keine „Panikmache“, sondern Verantwortung sei.
Was tun ohne Strom?
„So, auf einmal ist der Stom weg. Was machen wir?“, stellte Hertel seine Zuhörer vor die erste Notsituation. „Taschenlampe suchen, Kerze anmachen“, zwei der spontanen Antworten, die nur sehr bedingt richtig waren. „Als Erstes die Badewanne mit Wasser füllen! Denn ohne Strom funktionieren keine Pumpen – und Wasser ist nicht nur Trinkwasser, sondern auch essenziell für Hygiene und Kochen. Wasser ist Leben“, so ein logischer Gedanke, auf den man aber erst mal kommen muss.
Als nächsten Tipp riet der Referent, Netzwerke zu bilden. Und zwar jetzt. Nicht wenn die Krise da ist. Auch klare Absprachen mit den nächsten Verwandten, wo und wie man sich im Katastrophenfall treffen beziehungsweise kommunizieren kann, sollte man so schnell als möglich verbindlich festlegen.
Die persönlichen Vorräte, die für zwei, besser drei Wochen reichen sollten, sollte man im Stillen anlegen. „Bitte nicht an die große Glocke hängen, denn Vorräte wecken im Krisenfall Begierden. „Kaufen Sie aber nur das, was sie auch essen, denn so ist ein vernünftiger Umlauf der Produkte gewährleistet und denken Sie daran, dass man in der Krise keine Diät-Lyoner, sondern Schmalzfleisch – sprich Power – braucht. Da bei Stromausfall natürlich kein Netz zur Verfügung steht, kann man mit einem Kurbel-Generator Strom mit Muskelkraft herstellen, so ein weiterer Erfahrungswert.
Tiernahrung auf Vorrat
Heinz Hertler streifte in seinem sehr lebensnahen Vortrag auch Themenbereiche wie Tiernahrung, Kindernahrung und Dauermedikamente, die man ausreichend bevorraten und zusammen mit beglaubigten Kopien der wichtigsten Dokumente zusammen aufbewahren sollte. Seine Zuhörer erfuhren auch, was man mit stabilen Plastiksäcken alles machen kann. Das reicht von der Abfallbeseitigung bis zur improvisierten Matratze, machte er an einigen Beispielen deutlich. Auch riet er, einige Werkzeuge, Schnur, Panzerband und Plastikbesteck bereitzuhalten. Auch eine Trillerpfeife, um Aufmerksamkeit zu erregen, sei wichtig, so sein Rat. „Einfache Mittel – große Wirkung“, sein Credo.
Am Ende seines Vortrags kochte er sogar noch ein warmes Essen und die Essenz seines Vortrages war die klare Botschaft: „In der Krise helfen keine Vorschriften, sondern unkonventionelle Lösungen“. www.bbk.bund.de