Im Schwarzwald kommen seit 2017 Wölfe vor. (Symbolfoto) Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dp

Was würde es bedeuten, wenn die beiden in Seewald-Hochdorf gerissenen Schafe einem Wolf zugeschrieben werden? Peter Daiker, Wildtierbeauftragter im Kreis Freudenstadt, ordnet ein.

Für eine Familie aus Seewald-Hochdorf war es ein Schock: Zwei ihrer vier Schafe wurden Ende Dezember nahe ihrem Wohnhaus tot aufgefunden. Für die Tierhalter gab es nur einen Verdacht: Es war ein Wolf.

 

Einen Nachweis dafür gibt es noch nicht. Experten der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) nahmen Genetikproben, die derzeit noch ausgewertet werden.

Entsprechend hält sich Daiker wie auch die FVA mit einer Bewertung zurück: „Aktuell kann ein Wolf als Verursacher weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.“

Denkbar ist, dass es sich um den als GW5057m bekannten Wolf handelte. Von diesem war am 6. September 2025 eine Losung – also Hinterlassenschaften – gefunden worden. Fundort: bei Seewald. Durch die Analyse konnte der erste vollständige Genetiknachweis dieses Wolfes erbracht werden.

Folgt nun ein zweiter Nachweis?

Folgt nun der zweite? Wenn der Nachweis bis Anfang März – also innerhalb eines halben Jahres nach dem ersten – erbracht wird, würde das bedeuten, dass GW5057m als sesshaft eingestuft wird, wie Daiker erklärt.

Zwei tote Ziegen wurden an Weihnachten auch in Forbach entdeckt. Für noch mehr Aufsehen hatte allerdings ein Vorfall zwei Wochen vorher gesorgt: Am 11. Dezember tappten zwei Wölfe bei Forbach gemeinsam in eine Fotofalle.

Ist ein Zusammenhang zu den gerissenen Schafen in Hochdorf denkbar? Laut Daiker könnten es unterschiedliche Tiere, aber auch ein und derselbe Wolf sein. „Bis zum Genetiknachweis ist also alles Spekulation.“

Es sei aber wahrscheinlich, dass einer der Wölfe auf dem Foto aus Forbach GW852m sei. Der Rüde gilt bereits seit 2017 im Nordschwarzwald als sesshaft. Daiker: „Sollten die beiden Wölfe vom Bild die Verursacher in Forbach und/oder Hochdorf sein, ergibt sich die Chance auf einen Genetiknachweis beider Individuen.“

Gibt es bald wieder ein Rudel?

Und mehr noch: „Wenn wir davon ausgehen, dass es sich auf dem Bild um ein Wolfspaar handelt, dann ist die Chance groß, dass es im späten Frühjahr Nachwuchs und wieder ein Rudel in Baden-Württemberg gibt.“

Doch auch ein Rudel ändere nichts an der jetzigen Situation, meint Daiker. Im Schwarzwald kämen seit 2017 Wölfe vor, was bedeute, dass Weidetiere wie Ziegen, Schafe oder auch Gehegewild hinter einem wolfsabweisenden Elektrozaun gehalten werden müssten.

Daiker appelliert an Nutztierhalter

Die Herstellung eines Grundschutzes fördere das Land vollständig. „Dies sollte Anlass für verantwortungsvolle Nutztierhalter sein, ihre Herden so zu schützen“, appelliert Daiker. Wenn ein neu auftauchender Wolf beim Versuch, Nutztiere zu reißen, schmerzhafte Erfahrungen mache, konditioniere man ihn dazu, sie zu meiden – während gute Erfahrungen den gegenteiligen Effekt hätten.

In Hochdorf hat ein Wolf nun mutmaßlich gute Erfahrungen gemacht. Der Schutzzaun der Tierhalter wies eine Lücke auf – aufgrund der Annahme, dass sich der Wolf nicht so nah an das Haus herantrauen würde. Dazu sagt Daiker: „Wölfe meiden grundsätzlich Menschen. Von Menschen geschaffene Strukturen in der Umwelt werden jedoch nicht mit Menschen in Verbindung gebracht.“ Häuser oder Fahrzeuge würden, insbesondere nachts, von Wölfen als unbelebte Strukturen wie etwa Bäume bewertet.

Grund zur Sorge bestehe nicht

Grund zur Sorge vor einem Wolfsangriff besteht dadurch laut Daiker aber nicht. In Deutschland gebe es seit mehr als 25 Jahren wieder Wölfe, ohne dass es zu einem Angriff auf einen Menschen gekommen wäre. Im Gegensatz dazu würden in Deutschland statistisch gesehen drei bis vier Menschen pro Jahr durch Hunde getötet.

Dennoch warnt Daiker: „Der Wolf ist allerdings ein Raubtier, der grundsätzlich Menschen töten könnte und dem man mit Respekt begegnen sollte.“ Er rät bei einer Begegnung dazu, Abstand zu halten, den Wolf auf sich aufmerksam zu machen, gegebenenfalls einen Hund zu sich zu holen und das Tier nicht zu bedrängen, sondern sich langsam unter Beobachtung des Wolfes zurückzuziehen.