In der "Experimenta" tummeln sich die Besucher. Foto: Schwarz

Vor fünf Jahren hat der ehemalige Tourismusdirektor Michael Krause mit seiner Familie die Erlebnisausstellung "Experimenta" übernommen und Freudenstadt damit vor dem Verlust eines Indoor-Ausflugszieles bewahrt.

Freudenstadt - "Es war die absolut richtige Entscheidung", sagt Michael Krause mit Blick zurück. Vor fünf Jahren haben er und seine Familie eine damals nicht ganz leichte und auch nicht ganz risikolose Entscheidung getroffen und nach erfolgreichen Verhandlungen mit Vorbesitzer Tim Riebesell die "Experimenta" gekauft. Riebesell hatte den Mietvertrag mit der Stadt seinerzeit aufgrund der zu großen Entfernung zu seinem Wohnort in Schleswig-Holstein gekündigt.

Wären die Krauses nicht erfolgreich eingesprungen, gäbe es die Ausstellung heute in Freudenstadt nicht mehr. Mit dieser Vorstellung wollte sich Krause nicht abfinden. "Das darf doch nicht wahr sein, dass Freudenstadt eines der letzten Indoor-und Schlechtwetterausflugsziele verliert", hatte er sich gesagt und nach Rücksprache mit der Familie erfolgreich den Kontakt zu Riebesell aufgenommen und schließlich gekauft.

Teilweise bis zu 300 Besucher am Tag

Bereut haben sie diese Entscheidung bis heute nicht – trotz Corona und einer dadurch nicht immer einfachen Zeit. Im Gegenteil: Die Familie hat seither mehrfach investiert und die Exponate aufgestockt. 80 unterschiedliche Stationen verteilen sich heute auf sechs Räume und eine Fläche von rund 400 Quadratmetern im Gebäude Musbacher Straße 5 inmitten der Stadt. An Schlechtwettertagen in den Ferien schauen teilweise bis zu 300 Besucher vorbei.

Viele der Besucher kommen aus der Region, aber nicht unbedingt aus Freudenstadt. So mancher von ihnen wird von den umliegenden Hotels geschickt. Denn der Eintritt in die "Experimenta" ist in der "Schwarzwald-Plus-Karte" inkludiert. Bei schönem Wetter außerhalb der Ferien ist der Andrang geringer, aber trotzdem sehr unterschiedlich. Den Krauses ist es bis heute wichtig, die "Experimenta" nicht nur fortzuführen, sondern auch stetig zu verbessern und auszuweiten.

Exponate wurden deshalb auch immer wieder einmal ausgetauscht und ergänzt. Der große "Wasserstrudel" beispielsweise ist ganz neu. Sobald der Besucher den Knopf betätigt, schnellt das Wasser in das Glasgehäuse und füllt dieses, bis schließlich beim Ablaufen durch eine Öffnung in der Mitte die typische "Strudelfigur" entsteht. Im "unendlichen Raum" gleich daneben kann man sich unzählige Male von allen Seiten sehen. Der "schwebende Ball" im Luftstrom ist ein weiteres Phänomen, das nicht nur die Kinder fasziniert. Oder der nach den Plänen Leonardo da Vincis nachgebaute Flaschenzug, der spielerisch einfache physikalische Gesetzmäßigkeiten vermittelt. Knobeleien, optische Täuschungen und Experimente, die nicht nur Geschicklichkeit sondern auch Grips erfordern, ergänzen das Angebot.

Auch Kindergeburtstage werden dort gefeiert

Für die jüngsten Besucher – Krause empfiehlt den Besuch der "Experimenta" ab vier Jahren – gibt es ein "Kleinkindzimmer" mit altersgerechtem Angebot. Im Anatomieraum erfährt man Wissenswertes und Interessantes rund um den menschlichen Körper. An einigen Stationen – etwa dann, wenn man aus lauter Einzelteilen eine Brücke nachbauen soll oder wenn es darum geht, eckige Teile in einem Runden Glas verschwinden zu lassen und dafür mehrere Anläufe braucht – ist auch Geduld gefragt. "An manchen Tagen setze ich mich hin und beobachte einfach die Besucher. Das begeistert mich immer wieder", sagt Krause.

Ihm obliegt ansonsten hauptsächlich die Arbeit im Hintergrund. Dazu gehört beispielsweise die Planung für den Einkauf des Shops und der kleinen Bibliothek, die das Angebot ergänzen. Eine kleine Bistro-Ecke mit Tischen und Sitzgelegenheiten steht für die Pause zwischendurch bereit.

Immer wieder werden in der Experimente nach Anmeldung auch Kindergeburtstage gefeiert oder es kommen Gruppen und Schulklassen vorbei. Aktiv wird Krause beim Betrieb der Experimente von Ehefrau Christina, Sohn Balthasar und von drei Minijobbern unterstützt. Die braucht es schon deshalb, weil an 365 Tagen im Jahr von jeweils 11 bis 16 Uhr geöffnet ist – sogar an Weihnachten.