Im Dürr-Werk in Bietigheim-Bissingen entstehen Lackierroboter für Autofabriken in aller Welt. Foto: Dürr

Künftig will Lackier-Spezialist Dürr auch Montagestraßen für E-Auto-Batterien bauen.  

Bietigheim-Bissingen - Die Dürr AG in Bietigheim-Bissingen erweitert ihre Produktpalette. Neben Lackier- und Reinigungsanlagen liefert das Unternehmen künftig Montagelinien für Batterien in Elektroautos. Zunächst bleibt das aber ein Nischengeschäft. "Wir bieten den Herstellern Montagesysteme an, um Batterien effizienter zusammenzusetzen", erläuterte ein Dürr-Sprecher die neue Leistung. Bisher gibt es nur wenige Elektroautos auf deutschen Straßen, die Stromspeicher dafür werden teils von Hand zusammengebaut. Ziel von Dürr ist es, die Montage von Batterien "zu professionalisieren und zu industrialisieren". Das große Geschäft verspricht sich der Autozulieferer davon erst mal nicht, bisher gibt es nur einen Kunden. "Wir wollen aber dabei sein, wenn es zur Massenfertigung kommt", betonte der Sprecher.

Das Unternehmen mit Sitz in Bietigheim-Bissingen lebt zu 85 Prozent von Aufträgen aus der Autoindustrie, gut die Hälfte des Umsatzes machen Fahrzeug-Lackierroboter. Daneben vertreibt Dürr unter anderem Reinigungsanlagen für Motoren sowie Auswuchtmaschinen und kümmert sich um die Wartung seiner Anlagen. Das Know-how der bisher für den Fahrzeugbau hergestellten Anlagen will das Unternehmen künftig für den Zusammenbau von Batterien nutzen - dabei werden einzelne Batteriezellen zunächst zu Packs zusammengeführt, in ein Gehäuse gesteckt und zusammen mit der Elektronik und Kühlung verbaut.

Dürr sucht seit geraumer Zeit nach verwandten Geschäftsfeldern

Die neuen Montagestraßen sollen Herstellern weltweit angeboten werden, derzeit mache man mehreren Unternehmen Angebote, sagte der Firmensprecher. Die Anlage für den ersten Kunden, dessen Namen Dürr nicht preisgibt, bauen Mitarbeiter gerade auf. Laut dem Unternehmenssprecher wird das neue Geschäftsfeld zunächst nur gut ein Dutzend Beschäftigte haben und einen sehr kleinen Teil zum Umsatz beisteuern. Dürr erwägt in einem zweiten Schritt allerdings auch, Werkzeuge und Produktionsanlagen für die Herstellung von Batteriezellen anzubieten. Dafür sind Arbeitsschritte nötig, die das Unternehmen etwa in der Verpackungstechnik bereits automatisiert hat. Ob es dazu kommt, sei aber noch nicht entschieden, so der Sprecher. Dürr sucht seit einiger Zeit nach neuen Einsatzgebieten, die technologisch ans Kerngeschäft grenzen. Ein weiteres Beispiel dafür sind energiesparende Produktionsprozesse, die der Autozulieferer nicht nur selbst nutzt, sondern auch in anderen Branchen verwirklichen will.

Nach mehreren tiefroten Quartalen war der Anlagenbauer im Sommer 2010 in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Auftragsplus kam wie bei den Autoherstellern vor allem aus dem Ausland, ein Drittel aller Bestellungen stammt aus China. Dort beschäftigt der Konzern rund 800 Mitarbeiter, in Deutschland knapp 3000. Im Krisenjahr 2009 schrieb die Gruppe 26 Millionen Euro Verlust. Für 2010 hat Dürr einen "leicht positiven" Gewinn nach Steuern angekündigt.

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