Am Brunnenschacht erklärt Hans Harter die bei den Ausgrabungen gemachten Funde. Foto: Mahn

Der Historische Verein für Mittelbaden Ortsgruppe Schiltach/Schenkenzell ging jüngst mit Historiker Hans Harter und 20 Teilnehmern auf Exkursion zur Willenburg auf der Gemarkungsgrenze Schiltach und kooperierte dazu auch mit der VHS.

Hans Harter berichtet über die Grabungen auf der Willenburg und seine Forschungen zur Geschichte der Burg Schiltach. Der Historiker erläuterte, dass der Name „Schlössle“ für den Berg über dem Schwenkenhof auf eine alte Befestigung hindeutete, ebenso der Wall, der die Ruine umgibt.

 

Es kursierten unterschiedliche Vermutungen, aber erst Grabungen einer Gruppe von Heimatfreunden um Fritz Laib und Herbert Pfau zwischen 1959 und 1970 unter Aufsicht des damaligen Staatlichen Denkmalamts Freiburg brachten Gewissheit. Sie stießen auf Ruinen einer Burg, die auf Landkarten des 15. und 16. Jahrhunderts bereits als „Willenburger Burgstall“ verzeichnet ist.

Hans Harter beteiligte sich als Schüler und Student an der Freilegung und berichtete von mühsamen Ausgrabungen „mit Pickel und Pinzette“. Der Name Willenburg lasse Raum für Spekulationen, am ehesten stehe er aber wohl für eine „wilde“, also aufgegebene Burg.

Durch den angeschnittenen ehemaligen Wallgraben betrat die Gruppe das ursprüngliche Burggelände. Harter berichtete, dass hier Grundmauern einer hochmittelalterlichen Burg freigelegt wurden, deren trapezförmiger Grundriss eine Grundfläche von 36 mal 20 Metern umfasste. Während die Umfassung im Westen aus kleineren rechteckigen Sandsteinen gemauert war, vermitteln im östlichen Bereich noch massive, exakt bearbeitete Sandsteinquader einen Eindruck von der Anlage.

Fund eines Brunnens

Auf dem Plateau angekommen, erläuterte der Historiker, dass der ursprüngliche Innenraum durch zwei Mauern in drei Räumlichkeiten aufgeteilt war. Hier fiel ein Gemäuer auf, das den Betrachter unwillkürlich an einen Backofen oder eine Feuerungsanlage erinnerte. In nördlicher Richtung stießen die Ausgräber auf einen Brunnen, dessen Freilegung für die Heimatfreunde zu einer großen Herausforderung wurde. Das Füllmaterial musste mühevoll Eimer um Eimer nach oben befördert werden.

Erst in einer Tiefe von 30,3 Metern stießen die Helfer auf das Grundgebirge aus Granit, auf dem sich das Grundwasser sammeln konnte. Als „Schätze“ wurden im Brunnenschacht ein Konsolstein und eine von einer Türwange stammende Dämonenmaske sichergestellt, die romanische Formen aufweisen.

Lange ungeklärt war die Bedeutung eines bogenförmigen 40 Zentimeter langen Beinstabs aus Hirschgeweih. Erst der Besuch der Salierausstellung 1992 in Speyer, so Harter, wo ähnliche Artefakte präsentiert wurden, verdeutlichten ihm schlagartig, dass es sich beim Fund aus dem Brunnenschacht um einen Armbrust-Abzugsbügel handelt. Zur Verdeutlichung zeigte der Exkursionsleiter Abbildungen der mittelalterlichen Fundstücke, die im Original neben anderen Funden im Schiltacher „Museum am Markt“ bestaunt werden können.

Altersbestimmung schwer

Die Bestimmung des Alters der Anlage ist bis heute schwierig und stützt sich auf Indizien. Am östlichen Schwarzwaldrand sind ab dem 13. Jahrhundert die Herzöge von Teck nachgewiesen, ihre Besitzungen gehen auf Herzog Adalbert von Teck zurück, einen Zähringer, der sich bereits vor 1187 von der Hauptlinie trennte. So könnte die Willenburg, vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut, vorteckischen Ursprungs sein und strategisch-wirtschaftliche Funktionen erfüllt und die zähringischen Besitzungen abgesichert haben.

Hans Harter erklärte, dass die dendrochronologische Untersuchung eines Balkens auf einen Hieb des Baumes um das Jahr 1195 hinweise. Ob der Balken schon bei Errichtung der Burg Verwendung fand oder erst später eingebaut wurde, ist nicht mehr feststellbar.

Durch den Bau der Burg Schiltach und die Gründung der darunter liegenden Stadt könnte die Willenburg ihre Funktionen verloren haben und folglich im späten 13. Jahrhundert aufgegeben worden sein. Harter wies auf den in vergangenen Jahren immer wieder festzustellenden Vandalismus hin und appellierte, die Ruine als Kulturdenkmal zu achten und sorgsam mit den Resten umzugehen.