Der frischgewählte AfD-Landtagsabgeordnete Joachim Steyer spricht im Exklusiv-Interviw über Ziele, Zankereien und Homophobie in seiner Partei.
Burladingen - Er selbst bezeichnet sich als "ewigen Gegen-den-Strom-Schwimmer". Vor etwa 30 Jahren, nach Ausbildung und Wehrdienst in Bremen, kam Joachim Steyer "mit nichts außer Iso-Matte und Schlafsack" in den Zollernabkreis, um eine Ausbildung zu beginnen. Heute besitzt Steyer einen Handwerksbetrieb, sitzt im Burladinger Gemeinderat und ab nächster Woche für die AfD im Stuttgarter Landtag. Im Interview spricht der 54-Jährige über seinen politischen Erfolg, seine Ziele, das öffentliche Gezänk in seiner Partei und über homosexuellenfeindliche Ansichten, mit denen AfD-Politiker immer wieder von sich reden machen.
Herr Steyer, mit 18,5 Prozent der Wählerstimmen haben Sie in Burladingen im Vergleich zur Landtagswahl 2016 weniger Verluste eingefahren (minus 2,8 Prozent), als die AfD im Landesdurchschnitt (minus 5,4 Prozent). Worauf, glauben Sie, ist Ihr überdurchschnittliches Ergebnis zurückzuführen?
Ich glaube, das hat damit zu tun, dass ich meinen Betrieb hier seit fast 29 Jahren habe. Die Leute kennen mich, zu vielen habe ich ein freundschaftliches Verhältnis. Diese Leute haben nicht die AfD gewählt, sondern mich, den Menschen Joachim Steyer. Und so groß ist der Unterschied ja auch gar nicht.
Sie sind über das Zweitmandat in den Landtag gekommen. War das eine Überraschung für Sie?
Ich bin ein eher pessimistischer Mensch. Aber: Eine Wahl ist eine Wahl, und da ist man vor Überraschungen nie sicher. Die Hauptsache ist, dass das Gesamtergebnis stimmt. Im Übrigen glaube ich, dass der persönliche Wahlkampf vor Ort überschätzt wird. Die Menschen lassen sich eher von den Medien beeinflussen, egal, ob es das Fernsehen, das Internet oder die Zeitung ist.
Wie werden Sie Ihre Arbeit im Landtag, im Burladinger Gemeinderat und in Ihrem Unternehmen in Ihrem Heimatdorf Hausen vereinbaren? Geht das überhaupt?
Das geht natürlich nicht. Aber meinen Betrieb, mein "Baby", werde ich nicht einfach hinschmeißen. Niemals! Ich werde meine Tätigkeit in dem Bereich aber extrem zurückfahren müssen. Was den Gemeinderat angeht, das muss ich auf mich zukommen lassen. Allein in der kommenden Woche bin ich schon vier Tage im Landtag, und ich bin dort ein Neuling. Ich möchte sehr gerne im Gemeinderat bleiben, aber wenn ich nie anwesend sein sollte, ist das auch nicht gut. Da müsste ich mich dann mit Bürgermeister Licht wegen einer Lösung besprechen.
Was wollen Sie im Landtag bewegen? Sie werden mit Ihrer Fraktion ja in der Opposition sitzen.
Aus der Vergangenheit weiß ich, dass jeder Antrag, den die AfD eingebracht hat, aus irgendwelchen Gründen abgelehnt wurde. Wenig später wurde dieser Antrag dann in leicht abgeänderter Form von einer anderen Partei eingebracht und genehmigt. Auch wenn es über Umwege ist, sowas ist dann ein Erfolg. Denn letztlich wollen alle Parteien das Gleiche, nämlich das Beste für unser Land. Nur die Wege dahin unterscheiden sich.
In Ihrer Partei gibt es quer durch die Republik oft Zerwürfnisse und Gezänk. Sie selbst machen sich für Zusammenhalt und Verständigung stark. Welche Worte würden Sie gern an die Streithähne in der AfD richten?
Soweit es irgendwie geht, muss man die Öffentlichkeit aus Streitereien raushalten. Streit an sich ist legitim, und in jeder Partei wird gestritten. Aber die AfD muss lernen, Kompromisse zu suchen und bei Ärger nicht gleich über Facebook oder die Zeitung zu gehen. Streit verzeiht die Öffentlichkeit nicht. Die AfD ist eine junge Partei und muss das noch lernen. Bei den Grünen und den Linken war es in den Anfangsjahren auch so.
Außenstehende reiben sich bisweilen die Augen, wenn es um den Umgang mit bestimmten Themen innerhalb der AfD geht. Beispiel Homosexualität: Alice Weidel, die Co-Vorsitzende der Fraktion im Bundestag, lebt in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Gleichzeitig fallen immer wieder AfD-Funktionäre durch homosexuellenfeindliche Äußerungen auf. Wie geht das zusammen?
Ich halte mich an unser Parteiprogramm, in dem homosexuellenfeindliche Anschauungen nicht verankert sind. Wenn einzelne AfD-Politiker sich so äußern, auch frauenfeindlich oder rechtsextrem, dann ist das keine gemeinschaftliche Ansicht, und schon gar nicht ist es meine Ansicht. Ich lehne alles, was ins Extreme geht, ab. Gewisse Parteimitglieder würden viele gerne ausschließen. Aber das geht nicht so einfach. Das Parteiengesetz regelt das. Das Einzige was man tun kann, ist, diese Personen möglichst nicht mit Ämtern zu bekleiden.