Jeden Tag brennt es auf Recyclinghöfen, weil Batterien und Akkus falsch entsorgt werden. Wie stellen sich diese Gefahren für die Müllsortierungsanlagen von Alba in Duningen und Korn Recycling in Albstadt dar? Und wie reagieren die Unternehmen auf die Brandgefahr? Wir haben nachgefragt.
Rund 30 mal am Tag – also 300 mal im Monat – so oft brennt es in Deutschlands Recyclinganlagen und -Fahrzeugen. Das schätzt der Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE). „Diese alarmierende Situation ist das direkte Resultat der zunehmenden Verwendung von Lithium-Batterien“, schreiben vier Branchenverbände der Recyclingwirtschaft in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz. Als „existenzbedrohend“ und „alarmierend“ bezeichnen die Geschäftsführer die Situation.
Immer häufiger brennt es auch auf den Recyclinghöfen in der Region. So beispielsweise im Dezember 2024, als bei einem Batteriebrand bei Alba in Duningen drei Mitarbeiter giftige Rauchgase einatmeten.
Kaum ein Tag ohne Feuer
„Generell kann man festhalten, dass kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein Fahrzeug oder eine unserer Recyclinganlagen Feuer fängt“, erklärt Michael Stutz, Geschäftsführer von Alba Süd auf Nachfrage unserer Redaktion. Ähnliches weiß Wolfgang Kowalczyk aus der Geschäftsleitung von Korn Recycling zu berichten: Aktuell komme es täglich zwei bis dreimal zu Bränden in den Anlagen von Korn.
„Alleine circa 80 Millionen akkubetriebene Einweg E-Zigaretten werden jährlich in Verkehr gebracht, ohne dass es dafür ein Rücknahmesystem gibt“, erläutert Stutz. Eine Menge Müll, der bei falscher Entsorgung zu einer echten Gefahr werden kann. Doch wie?
In den Fahrzeugen und Sortieranlagen können sich die falsch entsorgten Energiespeicher unter Druck oder beim Zerkleinern des Mülls entzünden. Das passiert, weil Lithium-Stromspeicher zwei Kammern, eine Anode und eine Kathode, haben, zwischen denen die Lithium-Ion fließen. Eine halbdurchlässige Wand, der Seperator, trennt sie voneinander – bis die Wand beschädigt wird. Dann fließen die Ionen ungehindert und es kommt zu einer chemischen Kettenreaktion, bei der Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius entstehen können.
Wie hoch ist der finanzielle Schaden durch Batteriebrände?
„Der Schaden hängt sehr vom Brandverlauf ab. Sind Anlagentechnik und Gebäudesubstanz betroffen, entstehen schnell Schäden in Millionenhöhe“ berichtet Stutz. „Hinzu kommen die massiv steigenden Versicherungsprämien, um das gestiegene Risiko überhaupt noch versicherbar zu gestalten.“
Ein weiterer Kostenfaktor ist die durch Brände entstehende Ausfallzeit. Eine grobe Gedankenhochrechnung von Kowalczyk ergibt: Bei drei Bränden täglich mit jeweils einer dreiviertel Stunde Ausfallzeit, fünf Tagen Betrieb bei 51 Wochen im Jahr und 2000 Euro pro Stunde kommt er auf jährlich fast 1,15 Millionen Euro an Verlusten.
Arbeitssicherheit und Präventionsmaßnahmen
Um die Arbeitssicherheit für die Mitarbeiter zu garantieren, schulen Alba und Korn Recycling ihre Mitarbeiter zusätzlich. Zudem investieren die Unternehmen in präventive, technische Maßnahmen – Wärmebildkameras, Messlanzen, Löschsysteme und mehr.
Korn Recycling setzt für die Brandprävention auf künstliche Intelligenz (KI). Das Unternehmen will das vom Start-up „WeSort.AI“ neu entwickelte Sortiersystem „BatterySort“ in ihren Anlagen integrieren, welches mit Hilfe von Röntgentechnologie und KI selbst vom Abfall bedeckte Akkus entdecken könne.
Im Moment werde die KI noch trainiert, um wirklich alle Akkus erkennen zu können, die Integration in den kaufenden Betrieb ist laut Kowalczyk für kommende Woche geplant. Und dieser meint: „Wir sind sicher, das Gerät ist wirklich gut.“
Neue Batterieverordnung der EU ab 2026
Bei allen Gefahren, eine potenzielle Besserung ist in Sicht: Ab 2026 gilt die Batterieverordnung der EU. Demnach müssen beispielsweise Gerätebatterien – drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes – vom Endnutzer aus den jeweiligen Geräten entnehmbar sein. Das dürfte zu einem weiteren Ziel des Gesetzes beitragen – die Rücksammelquoten für bestimme Batteriearten zu steigern.
Zudem sollen Kennzeichnungen und ein QR-Code auf den Batterien Konsumenten über Kapazität, Lebensdauer, verwendete Chemikalien, Leistung und die Pflicht, getrennt zu entsorgen, informieren.
Bis Ende 2030 will die EU-Kommission außerdem ein schrittweises Verbot von nicht wiederaufladbaren Batterien für den allgemeinen Gebrauch prüfen. Sowohl Stutz und Kowalczyk unterstützen ein solches Verbot.
Auch aus einem weiteren Grund: Laut BDE stecke in sieben Einweg-E-Zigaretten so viel Lithium wie in einem Smartphone. Und dieses gilt es effizient zu nutzen: „Wir brauchen die Rohstoffwende, das heißt einen verantwortlichen Ressourceneinsatz“, kommentierte BDE-Präsidentin Anja Siegesmund kürzlich.
Wo sind Lithium-Batterien und -Akkus enthalten?
Lithium-Batterien in verschiedensten Größen
sind in alltägliche Gegenstände integriert. Die Grußkarte, die ein Lied abspielt, Fahrradhelme mit integrierten Lichtern, blinkende Schuhe, Haushaltsgeräte, E-Zigaretten oder ganz klassisch das alte Handy oder der kaputte Laptopakku – bei allen Dingen, die man wegwirft, sollte man sich daher zweimal Gedanken machen, ob nicht doch eine Stromquelle verbaut ist.