Wolfgang Grupp senior liegt in der Klinik. Auch nach seinem Rückzug als Trigema-Geschäftsführer unterstützte er seine Nachfolger, Bonita Grupp und Wolfgang Grupp. So lief die Übergabe.
Dass Wolfgang Grupp bei Trigema nach seinem offiziellen Rückzug beinahe täglich im Büro arbeitete: bekannt. Vom Schreibtisch ist er nicht wegzudenken.
Immer wieder betonte der Unternehmer, inzwischen 83 Jahre alt, sich noch gebraucht zu fühlen, seinen Kindern mit Ratschlägen zur Seite stehen zu wollen.
Zum 1. Januar 2024 hatte er Trigema an Bonita Grupp und Wolfgang Grupp junior übergeben. Jahrelang war zuvor gemunkelt worden, wie es mit dem Unternehmen auf der Schwäbischen Alb, in der 12.000-Einwohner-Stadt Burladingen, weitergehen könnte. „Das Modell steht fest. Es kann nur ein Kind die Firma kriegen“, sagte Grupp 2019 der Deutschen Presseagentur.
Ende 2022 kündigte er unserer Redaktion gegenüber an, 2023 all seine Firmenanteile an seine Frau Elisabeth überschreiben zu wollen – und diese solle wiederum innerhalb von sechs Monaten eine Entscheidung über die nächste Trigema-Generation fällen.
Ohne Hintergedanken war dieser Plan nicht, das erklärte der damalige Trigema-Chef frei heraus. Die kurze Zeitspanne sei notwendig, damit die Erbschaftssteuer nicht zweimal anfalle.
Grupp 2023: „Meine Kinder können das“
Im September 2023 war klar: Grupp gibt die Geschäftsführung tatsächlich ab. Er ließ einen Monat später wissen, dass er sich die ganze Sache noch einmal überlegt habe – und dass er nun an beide Kinder übergeben werde.
„Meine Kinder können das“, sagte er damals in der SWR-Landesschau. „Sie müssen das können, und sie sind so erzogen, dass sie auch selbstverständlich die Nachfolge gerne antreten.“
Dass es so kam, begründete der Firmenchef wiederum mit steuerlichen Gründen. Anderenfalls „müsste ich wesentlich mehr Schenkungssteuer bezahlen – und wir sind ja schwäbisch veranlagt“. Verschmitzt und ehrlich. Wolfgang Grupp eben.
Am 7. November 2023 nannte Trigema per Pressemitteilung die Fakten: „Wolfgang Grupp junior wird persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer. Bonita Grupp wird Mitglied der Geschäftsführung. Elisabeth Grupp bleibt als Gesellschafterin weiterhin im Unternehmen tätig. Die Firma wird unter der Firmierung Trigema W. Grupp KG weitergeführt.“
Trigema startet unter den Nachfolgern neue Projekte
Seitdem hat sich im Unternehmen einiges getan, die Handschrift der Nachfolger wird mehr und mehr sichtbar. Affe Charly kehrte auf die Bildfläche zurück, diesmal als KI-Version. Trigema brachte erstmals Schuhe auf den Markt. Die Grupps machten sich für Vielfalt stark.
Wolfgang Grupp junior gab wie schon sein Vater zahlreiche Interviews, antwortet, wie auch seine Schwester Bonita, häufig selbst auf Anfragen.
Die Familie bleibt weiter nah an den Burladingern, nah an der Öffentlichkeit, zuletzt mit einem Tag der offenen Tür am vergangenen Samstag. Damals war auch Wolfgang Grupp präsent, ließ sich im Großraumbüro gern mit Besuchern fotografieren.
Wolfgang Grupp junior und Elisabeth Grupp führten Besucher durch die Produktion, 2000 Neugierige kamen laut Unternehmensangaben.
Das habe auch die Unternehmerfamilie überwältigt, berichtet Pressesprecherin Nicole Haderer unserer Redaktion.
Das Interesse an der Familie: riesig. Das macht sich auch jetzt wieder bemerkbar, kurz nachdem bekannt wurde, dass Grupp senior im Krankenhaus liegt.
Mit seinen meinungsstarken Auftritten hat er sein Unternehmen bekannt gemacht. „Der beste Markenbotschafter von Trigema ist mein Mann“, sagte Elisabeth Grupp einmal in einer Talkshow.
Obwohl das Interesse bundesweit groß ist, bleiben Bonita Grupp und Wolfgang Grupp junior ihrer Heimat verbunden. Dazu passt, was der neue Trigema-Chef unserer Redaktion einst im Interview sagte: „Burladingen und die Region haben große Vorteile, man ist nicht so anonym wie in einer großen Stadt, man kennt sich, fühlt sich zu Hause.“