Wolfgang Grupp vor Jahren auf der Jagd Foto: Archiv/Trigema

Nach seinem Selbstmordversuch hat Wolfgang Grupp die Waffen aus der Hand gelegt. Seinen Revolver übergab er in die Obhut seines Sohnes.

Wolfgang Grupp, der langjährige Geschäftsführer des Burladinger Textilunternehmens Trigema, war passionierter Jäger: So als Gast bei anderen, etwa bei einer Auerhahnjagd in der Steiermark, wo er 1986 seine Frau Elisabeth kennenlernte, aber vor allem zog es ihn in sein eigenes Revier im Allgäu.

 

Auf dem 350 bis 400 Hektar großen Privatgelände ist auch Damwild ansässig. Das führte mehrfach zu Streit mit lokalen Jagdvorstehern und Waldbesitzern. Die Wilddichte sei zu hoch, es werde „Misswirtschaft“ betrieben, lauteten die Klagepunkte. Grupp konterte die Vorwürfe jeweils.

Dem Waidmannsvergnügen kann Grupp jetzt nicht mehr frönen, er besitzt nach seinem Selbstmordversuch im Juli 2025 keinen Jagdschein mehr. Auch seine Jagdwaffen dürften sich nicht mehr in seinem Besitz befinden. Mit dem Verlust des Jagdscheins geht in aller Regel auch das Waffenbesitzrecht verloren.

Beim Wolfgang Grupp junior unter Verschluss

„Meinen Revolver, den ich aus Sicherheitsgründen hatte, ist nicht mehr da“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Mein Sohn hat ihn unter Verschluss.“ Er habe die Handfeuerwaffe aus eigenem Entschluss hergegeben.

Gleichzeitig sagte Grupp in jüngerer Vergangenheit mehrfach, er werde den Suizidversuch, den er in depressivem Zustand unternommen habe, nicht wiederholen. Es sei ein Fehler gewesen, er habe dadurch seine Familie und sein Umfeld schwer belastet. Das tue ihm unendlich leid. Gleichermaßen äußerte er sich in seiner jüngst erschienenen Biografie „Wolfgang Grupp. Die autorisierte Biografie“. Das Thema sei für ihn erledigt.

Wie hat Wolfgang Grupp die Tat verkraftet?

Darüber, wie er über die Tat und ihre Folgen hinwegkam, wie er sie verkraftet hat und wie er heute damit und mit Altersdepressionen umgeht, will der Alt-Unternehmer am 7. Mai im SWR1 in der Sendung „Leute“ sprechen. Das Interview soll bisheriger Planung nach von 10 bis 12 Uhr ausgestrahlt werden.

Grupp hielt sich bislang fast wöchentlich in seinem Besitz im Allgäu auf. Es war sein bevorzugter Aufenthaltsort. Nach mondänen Urlaubsorten stand ihm, wie er immer wieder durchblicken ließ, weniger der Sinn. Geschäftlich erreichen konnte man ihn aber auch in seinem Wochenendsitz zu jeder Zeit.

Jagen wird er also nicht mehr. Es bereite ihm auch keine Freude mehr, hatte der jetzt 84-Jährige bei anderer Gelegenheit gesagt. In der Firma, die seinem Burladinger Wohnsitz direkt gegenüberliegt, hält er sich dagegen weiterhin täglich auf, arbeitet dort mehrere Stunden am Tag, unterstützt die Geschäftsleitung, die seit 2024 in den Händen seines Sohnes Wolfgang, seiner Tochter Bonita und seiner Ehefrau liegt.

Man begegnet ihm auch zuweilen an der Ladenkasse des Burladinger Trigema-Test-Geschäfts; er nahm an zwei öffentlichen Anlässen seiner Heimatgemeinde teil, war bei Mitarbeiter-Ehrungen präsent und plauderte im März im Neuen Kunstmuseum Tübingen vor großem Publikum mit dem Linken-Politiker Gregor Gysi.

Neue Aufgaben für Grupp?

Weitere Aufgaben für den Halb-Rentner? Da wäre zum einen die Enkeltochter, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblickte; zum anderen ist da das neue Familienmitglied: Dackelhündin Sissi. Doch ihr ist Grupp einstweilen nicht allzu zugetan. „Ich hatte nie Hunde, auch keine Jagdhunde“, sagte er gegenüber unserer Redaktion.