Kaderplaner Mislintat (li.), Geschäftsführer Ricken im Trainingslager: Wer hat was zu sagen? Foto: imago/Kirchner-Media

Nach nur drei Monaten offenbaren sich im Verhältnis zwischen Ex-VfB-Sportdirektor Sven Mislintat und seinem neuen Club Borussia Dortmund erste Risse. Darum geht es.

Seine Jobbezeichnung lautet Technischer Direktor. Wer sich nun schon immer die Frage gestellt hat, welches Aufgabenprofil der Technische Direktor eines Fußball-Bundesligisten zu erfüllen hat, der landet bei Sven Mislintat. Der 51-Jährige weiß es offenbar selbst nicht so genau und hat sich deshalb mächtig Ärger bei seinem neuen Club Borussia Dortmund eingehandelt. Der Vorwurf: Kompetenzüberschreitung. Weshalb dem früheren Sportchef des VfB Stuttgart beim BVB ein vorzeitiges Ende drohen könnte.

 

Vorwurf der Kompetenzüberschreitung

Doch der Reihe nach. Verschiedenen Medienberichten zufolge, von „Bild“ über „Ruhrnachrichten“ bis zum „Kicker“, knirscht es in der neu formierten Führungsetage der Dortmunder gewaltig. Zankapfel soll das Verhalten des gebürtigen Kameners sein, dessen Karriere im Fußball-Business einst beim BVB seinen Anfang nahm. Als Talente-Entdecker machte sich Mislintat einen Namen als „Diamantenauge“.

Im Mai dieses Jahres war Mislintat zum BVB zurückgekehrt. Versehen mit dem Auftrag, wieder mehr Talente aufzuspüren, die außer ihm niemand auf dem Radar hat. Ein Stellenprofil als Kaderplaner, nicht aber als Sportchef, der für die Gesamtkomposition verantwortlich ist. Diese füllt bei der Borussia qua Amtsbezeichnung Sportdirektor Sebastian Kehl aus. Über dem in der Hierarchie Lars Ricken thront, Nachfolger des langjährigen Geschäftsführers Hans-Joachim Watzke.

Unklares Machtgefüge

Da es in Nuri Sahin auch noch einen neuen Trainer gibt, ist das Hierarchie- und Machtgefüge in Dortmund offenbar ordentlich ins Rutschen geraten. Beziehungsweise hat sich noch nicht gefunden. Mislintat soll seinen Zuständigkeitsbereich mehrfach überschritten haben. Unter anderem ist von eigenständigen Verhandlungen mit Spielern und Vereinen die Rede – eine Rolle, die nur Kehl und Ricken zusteht.

Dass der Technische Direktor während einer Trainingseinheit auf den Platz gelaufen und vor TV-Kameras getreten sei, soll Trainer Sahin derart geärgert haben, dass auch ihr gegenseitiges Verhältnis seither als angespannt beschrieben wird. Der BVB wollte sich nicht zu den beschriebenen Vorfällen äußern, Mislintat auf Anfrage ebenfalls nicht.

Für den anerkannten Fachmann läuft es seit seinem Abgang beim VfB im November 2022 nicht mehr rund. Als Sportdirektor bei Ajax Amsterdam erlebte er ein wildes Abenteuer aus sportlichen Krisen und vereinspolitischem Ärger rund um den Transfer von Borna Sosa vom VfB zu Ajax. Der Verdacht der wirtschaftlichen Vorteilnahme stand im Raum, der nach einer Untersuchung entkräftet werden konnte. Nach nur vier Monaten war in Amsterdam dennoch wieder Schluss. Und dem sportlichen Verantwortlichen wurde noch reichlich Schmutz hinterher geworfen. Von einer der schlechtesten Transferperioden der Vereinsgeschichte war die Rede.

Mislintats Anteil am aktuellen VfB-Erfolg

In seinen dreieinhalb Jahren beim VfB Stuttgart hatte der 51-Jährige mehrere Transferphasen zu verantworten. Über die sportliche Wirkkraft des Ex-Sportdirektors gehen die Meinungen bis heute auseinander. Angelastet wurde Mislintat gegen Ende seiner Amtszeit – der VfB steckte im Kampf gegen den Abstieg – eine notorische Unwucht im Kader aus zu viel Talent und zu wenig Erfahrung. Andererseits entfalteten Mislintat-Transfers wie Atakan Karazor, Enzo Millot, Chris Führich, Dan-Axel Zagadou oder Waldemar Anton unbestritten ihre Wirkung – wenn auch mit Verspätung. Dass der Westfale mit seiner dominanten Art auch im Club aus Cannstatt immer wieder aneckte, gehört zur Wahrheit gleichsam dazu.

Folgt nun also in Dortmund das nächste Kapitel? Wie es scheint, ist nach nur drei Monaten bereits ordentlich Porzellan zerschlagen. Eine letzte Chance, so heißt es, will man sich aber noch geben.