Für Holger Badstuber ist das Engagement beim FC Luzern „der richtige Schritt zur richtigen Zeit“. Foto: imago images/Manuel Geisser

Holger Badstuber spielt seit dieser Saison beim Schweizer Erstligisten FC Luzern. Über seine vier Jahre beim VfB hat er bisher geschwiegen – jetzt bezieht der 32-Jährige erstmals öffentlich Stellung.

Luzern/ - Stuttgart - Hinter Holger Badstuber liegen vier Jahre beim VfB, die in der Saison 2017/18 mit Bundesligaplatz sieben gut begannen, für ihn als ausgemusterten Profi mit 28 Einsätzen im Regionalligateam der Stuttgarter aber ganz bitter endeten. Doch Badstuber blickt nach vorne: „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt der Innenverteidiger: „Und das zeigt mir, dass Luzern der richtige Schritt zur richtigen Zeit ist.“

 

Als WM-Dritter von 2010, Champions-League-Sieger von 2013 und sechsmaliger deutscher Meister mit dem FC Bayern ist der 32-Jährige der mit Abstand am höchsten dekorierte Spieler beim derzeitigen Vorletzten der Super League. Über die Jahre hat Badstuber zwar an Schnelligkeit, aber nichts an seinem Biss eingebüßt: „Ich wollte ins Ausland und hier zu einer Mannschaft, der ein Spieler-Typus fehlt, den ich verkörpere“, sagt der Linksfuß: „Luzern hat früh angefragt.“ Also hat der gebürtige Memminger nicht lange taktiert, sondern bereits Mitte Juli lange vor dem Ende der Transferfrist zugesagt.

Führungsfigur beim FC Luzern

Wie sein Ex-VfB-Teamkollege Gentner soll auch Badstuber das junge FCL-Team führen: „Bisher sind wir in den Spielen oft nicht so aufgetreten, wie wir uns das vorstellen. Aber wir arbeiten ehrgeizig an uns, wollen uns verbessern und vor allem mehr Konstanz in unser Spiel bringen“, findet der Routinier, der mit dem Kapitel Stuttgart eigentlich abgeschlossen hat, wie er sagt.

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Und doch, das ist zu spüren, ist die Verbannung aus dem VfB-Profikader durch den Sportdirektor Sven Mislintat und den Trainer Pellegrino Matarazzo nicht spurlos an ihm vorübergegangen. „Es gibt von mir ein öffentliches Bild mit zwei Seiten: Es heißt einerseits, ich sei ein Kämpfertyp – und andere behaupten, ich sei ein Miesepeter. Doch Letzteres ist ein Image, dass mir von außen aufgedrückt wurde – das aber überhaupt nicht stimmt“, sagt Badstuber: „Es kam erst ab meiner zweiten Saison beim VfB auf, da wurde viel negativer Einfluss auf die Wahrnehmung der Leute über mich genommen. Bei Bayern hatte ich dieses Problem nicht – und im ersten Stuttgarter Jahr auch nicht. Ich bin mir aber immer selbst treu geblieben – und das ist für mich das Wichtigste.“

Zur zweiten Mannschaft degradiert

Beim VfB hatte man Badstuber zuletzt unter anderem einen allzu rüden Ton auf dem Trainingsplatz – gerade im Umgang mit den jungen Talenten im Kader – vorgeworfen und ihn schließlich zur zweiten Mannschaft degradiert. „Es stimmt, dass ich Dinge kritisch anspreche. Aber ich fange dabei immer bei mir an, packe mich zunächst an der eigenen Nase“, sagt der ehemalige Nationalverteidiger rückblickend, der in seiner Karriere mit einer Unmenge an Verletzungen zu kämpfen hatte: „Ich bin ein Typ, dem es dabei immer um die Sache geht. Ich will erfolgreich Fußball spielen, ich will gewinnen und fordere das auch von meinem Team ein. Denn nur so pusht man sich gegenseitig und kann gemeinsam wachsen.“

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Das will Badstuber nun im Verbund mit dem oft noch zu ungestümen Luzerner Team tun. Wir lange will er noch aktiv am Ball bleiben? „Bei mir ist der Hunger noch da, alles aus mir rauszuholen. So lange das so bleibt, mache ich weiter“, erklärt der Blondschopf, der zu seiner Zukunft sagt: „Im Fußball sollte man heutzutage nicht allzu weit planen.“