Die Zwillinge Leon (li.) und Loris Maier (oben re.) feiern mit den Stuttgarter Kickers 2023 die Oberliga-Meisterschaft und sind in der Baller League am Ball, wo sie Julian Schieber (u. re.) trainiert. Foto: Baumann

Loris Maier spielt für Regionalligist TSV Aubstadt, Zwillingsbruder Leon für den VfR Aalen. Gemeinsam sind sie unter Trainer Julian Schieber in der Baller League am Ball. Was steckt hinter der auf Spektakel getrimmten Hallenfußballvariante? Was sagt der WFV dazu?

Auf der Homepage der Baller League waren ihre Porträtfotos lange Zeit noch nicht hochgeladen, das von Leon Maier fehlt immer noch. Doch er und sein Zwillingsbruder Loris sind in dieser besonderen Hallenfußballliga sofort bestens angekommen. An den ersten zehn Spieltagen feierten sie neun Siege mit ihrem Team Streets United, unter anderem ein 5:2 gegen Calcio Berlin (mit Ex-VfB-Profi und Weilimdorfs Landesliga-Trainer Manuel Fischer). „Es läuft super. Wir sind Spitzenreiter, und ich habe schon zwölf Mal getroffen, Leon hat andere, eher defensive Aufgaben“, sagt Loris Maier.

 

Eigentlich passen die bodenständigen Kicker aus dem Remstal nicht so richtig in dieses auf Show, Spektakel und Entertainment getrimmte Format. „Julian Schieber hat uns überredet, und es macht auch richtig viel Spaß, es geht hart zur Sache und am Ende geht es darum, das Spiel zu gewinnen“, berichtet Loris Maier.

Julian Schieber als Coach

Der ehemalige Bundesligaprofi Schieber, bis vor kurzem noch Übergangskoordinator bei den Stuttgarter Kickers, ist der Trainer von Streets United. Er kennt die Zwillinge aus gemeinsamen Zeiten bei der TSG Backnang. Dort spielten die 25-Jährigen bis 2022, ehe sie zu den Kickers wechselten und mit den Blauen den Regionalliga-Aufstieg 2023 feierten.

Seit dieser Saison spielt Loris für den Bayern-Regionalligisten TSV Aubstadt, Leon für Oberligist VfR Aalen. „Das genießt für uns beide absolute Priorität“, betont Loris. Beide Spieler mussten natürlich mit ihren Clubs wegen der Teilnahme am Budenzauber sprechen. Denn am 3. März fand der erste von elf Spieltagen der Baller League statt, immer montags in Berlin, in der 1000 Zuschauer fassenden Halle im Hangar sieben des Flughafens Tempelhof. Montags geht es mit schweren Beinen vom Wochenende mit dem Zug hin, nach dem Spiel wird im Hotel übernachtet und am Dienstag geht es wieder zurück, direkt ins Mannschaftstraining.

„Natürlich ist das Ganze eine zusätzliche Belastung, auch die Verletzungsgefahr ist gegeben, doch es kann auch bei uns im Training was passieren“, sagt Petar Kosturkov, der Trainer des VfR Aalen. „Leon hat unbedingt teilnehmen wollen, und ich weiß, dass er den Fußball liebt und auch unheimlich gern mit seinem Bruder zusammenspielt. Verein, mein Trainerteam und ich sowie der Spieler haben die Entscheidung dann gemeinsam getroffen.“ Zu verdienen gibt es natürlich auch etwas: Die Aufwandsentschädigungen bewegen sich mindestens auf dem Niveau der gehobenen Amateurklassen auf dem Großfeld. Nach Informationen unserer Redaktion bekommen die Spieler im Schnitt zwischen 1000 und 1500 Euro pro Spieltag.

Klangvolle Namen

Die von den Ex-Nationalspielern Mats Hummels und Lukas Podolski im vergangenen Jahr gegründete Liga befindet sich in ihrer dritten Saison, die ersten Spielzeiten fanden von Januar bis April 2024 und Juli bis Oktober 2024 statt. Die Teams werden von früheren Profis trainiert, prominente Ex-Kicker wie Kevin Prince Boateng, Lukas Podolski, Hans Sarpei oder Max Kruse, sowie Persönlichkeiten und Influencer aus der Unterhaltungsbranche und Social-Media-Welt fungieren als Team-Manager.

Mit dem Konzept soll überwiegend der Geschmack eines jungen Publikums getroffen werden. Von dem es heißt, es sei von 90 Minuten Fußball zunehmend ermüdet und das zum Parallelkonsum neigt: zu Managerspielen, Sportwetten, Nebenbeiberieselung auf Zweitgeräten.

Laut, schrill, actionreich

Laut Veranstalter soll bei der Baller League die Käfigfußballmentalität zurückgebracht werden. Es soll unvorhersehbarer, dynamischerer, abwechslungsreicherer Sport geboten werden. Fest steht: es geht laut, schrill, actionreich zu. Ständig passiert etwas, oft mit großem Brimborium. Fußballpuristen werden irritiert sein, wenn beim Einlaufen Rapsongs zu Lichteffekten durch die Halle dröhnen.

Vermarktet wird die Liga vor allem in den sozialen Medien. Zu den Sponsorengeldern kommen die Streamingeinnahmen. Für jede Spielveränderung gibt es einen eigenen Werbepartner.

Und von diesen sogenannten „Challenges“ gibt es einige. Diese finden in den 2x15 minütigen Partien jeweils in den letzten drei Minuten jeder Hälfte statt. Ein Glücksrad entscheidet, welche neue Regeln für die letzten 180 Sekunden der ersten Halbzeit gelten. Zum Beispiel können die Teams (ein Torwart plus fünf Feldspieler) entweder auf drei Akteure reduziert werden, es ist nur noch ein Ballkontakt erlaubt oder Treffer zählen nur noch, wenn sie volley erzielt werden. In der zweiten Halbzeit gibt es die „Galaxy Minutes“, bei denen das Spiel beispielsweise auf Eins gegen Eins reduziert werden kann.

Live im frei empfangbaren TV

Im Gegensatz zu der vergleichbaren Icons League (in der spielt neuerdings der Villinger Regionalligafußballer und Ex-VfB-II-Stürmer Marcel Sökler) wird ohne Bande und mit Abseits gespielt. Übertragen werden an den Montagen immer die beiden Top-Spiele (20.15 Uhr und 21.15 Uhr) auf ProSiebenMAXX. Zudem können alle Partien auf Twitch und über Joyn im Livestream verfolgt werden.

WFV sieht es gelassen

Der Württembergische Fußballverband (WFV) sieht solche Ligen nicht als Gefahr für den Amateurfußball: „Die Attraktivität des Fußballs als beliebteste Sportart ist unter anderem in seinem klaren Regelwerk und den international anerkannten, traditionellen Spielformen begründet. Die kurzfristige Beliebtheit neuer Formate wie zum Beispiel der Baller League leitet sich vor allem aus dem Event-Charakter und der Verbreitung im digitalen Raum ab“, teilte Geschäftsführer Frank Thumm auf Nachfrage mit, „eine nachhaltige Konkurrenz zum klassischen Vereinsfußball und zu einem Ligen-Spielbetrieb sehen wir in diesen Formaten nicht. Vielmehr schaffen Aktivitäten wie der Kleinfeld-Fußball in der Halle oder Fußball-Golf ein Bewegungsangebot in der spielfreien Zeit.“

Auch Loris Maier sieht das schrille Spektakel eher als Chance für den Breitensport: „Vielleicht finden Kids sogar Zugang zu Vereinen, weil sie durch dieses Format animiert werden.“