Eberhard Carls Arbeitsplatz im Calwer Landratsamt: Inzwischen heiß es Bildschirm und Tastatur statt Wildpark und Europapokal. Foto: Landratsamt Calw

Eberhard Carl ist der einzige Fußballer aus dem Kreis Calw mit Europapokal-Einsätzen. Mit dem Karlsruher SC war er 1993 Teil des Wunders vom Wildpark unter Trainer Winfried Schäfer. Jetzt arbeitet der Gündringer für das Calwer Landratsamt und die Sparkasse. Auch dort dreht sich weiterhin vieles um Sport.

Am 1. April feierte Eberhard Carl ein kleines Jubiläum: Seit acht Jahren arbeitet er nun am Calwer Landratsamt. „Das passt einfach optimal“, sagt der aus Gündringen stammende Ex-Profi, der von 1989 bis 1997 insgesamt 177 Spiele für den Karlsruher SC bestritt und danach noch 68-mal für die Stuttgarter Kickers in der 2. Bundesliga auflief. Natürlich gebe es auch am Landratsamt ein paar KSC-Fans. Autogramme musste „Ebse“, wie der Offensiv-Mann meist nur genannt wurde, für seine Kollegen aber noch nicht schreiben. „Man spricht halt mal über die alte Zeit“, grinst Carl. Doch außerhalb der Behörde werde er dann schon häufiger auf seine Karlsruher Vergangenheit angesprochen: „Da kommen immer wieder mal Autogrammwünsche, auch auf alte Panini-Bilder. Es war wirklich eine schöne Zeit, die erfolgreichste Zeit des KSC. Aber jetzt habe ich eine neue Aufgabe, die mir sehr viel Spaß macht.“

 

Oliver Kahn war Mitspieler

In Carls Zeit beim Karlsruher SC fiel der große Aufschwung unter Trainer Winfried Schäfer. Bekannte Mitspieler des Gündringers waren unter anderem Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Slaven Bilic, Dirk Schuster, Edgar Schmitt und Manfred Bender. In die Geschichte eingegangen ist die Saison 1993/94, in der der KSC mit Carl bis ins Halbfinale des Uefa-Cups vordrang. In der zweiten Runde trafen die Badener auf Valencia und verloren das Hinspiel in Spanien mit 1:3. Das Rückspiel im Wildparkstadion musste also mindestens mit 2:0 gewonnen werden – doch der KSC fegte das Star-Ensemble von der Mittelmeerküste sogar mit 7:0 vom Platz. Das Spiel, bei dem Carl die vollen 90 Minuten auf dem Platz stand, wurde zum sogenannten Wunder vom Wildpark.

Ehrenamtskarte ist begehrt

Der Sport hat Carl bis heute nicht losgelassen. Zum einen arbeitet er seit 25 Jahren freiberuflich für die Sparkasse Pforzheim Calw und ist dort für den Betriebssport verantwortlich. Vielen Vereinen im Kreis Calw ist er aber wegen seiner Tätigkeit im Landratsamt bekannt, denn dort ist die Ehrenamtskarte seit zwei Jahren sein Projekt. Carls Job: Akzeptanzstellen akquirieren, bei denen Inhaber der Karte Vergünstigungen erhalten. Der Kreis Calw war bislang Modellregion und hat bereits knapp 3000 Ehrenamtskarten ausgeteilt. Ausgerechnet am 1. April – Carls Jubiläumstag am Landratsamt – ging das Projekt in ganz Baden-Württemberg an den Start.

„Das Projekt ist im Kreis Calw wunderbar angenommen worden“, freut sich der Ex-Profi, der in den zwei Jahren im ganzen Landkreis unterwegs war, um neue Partner zu finden. Half ihm dabei der Promi-Bonus weiter? Carl bleibt bescheiden: „Ich komme ja aus dem Kreis Calw und kenne viele Leute. Und ich komme aus einem kleinen Dorf und weiß, wie die Leute so ticken. Meine Bekanntheit durch den KSC hilft mir natürlich. Sport verbindet eben.“

Training mit Flüchtlingen

Dass Sport verbindet, wird auch bei Carls zweiten Projekt am Landratsamt deutlich. Die ersten sechs Jahre arbeitete er dort als Integrationsmanager und rief dabei eine Fußballmannschaft für Flüchtlinge ins Leben. Die existiert weiterhin – mit dem Ex-Profi als Coach. Trainiert wird jeden Montag von 20 bis 22 Uhr in der Nagolder Stadthalle. „Da hat sich wirklich etwas entwickelt. Da sind immer 20 bis 25 Jungs dabei, die inzwischen voll integriert sind. Die haben Arbeit, die haben einen Führerschein. Im Sommer nehmen wir an einem Turnier teil“, freut sich Carl.

Lob für den neuen Wildpark

Doch auch der Draht nach Karlsruhe ist in all den Jahren nicht abgerissen. Zwei- bis dreimal im Jahr besucht Carl Heimspiele im Wildparkstadion, zudem ist er noch für das KSC-Allstar-Team aktiv. „Ich bin gerne im Stadion. Und ich freue mich, wie gut sich das alles beim KSC entwickelt hat mit der Infrastruktur und dem neuen Stadion.“

Auch der Kontakt mit den früheren Mitspielern besteht weiterhin. Vor zwei Jahren gab es zum 30. Jahrestag des Wunders vom Wildpark einen Festakt. Carl schwärmt: „Da kamen wirklich alle. Wir haben uns immer gut verstanden, sonst hätten wir auch nicht diesen Erfolg gehabt. Und wir verstehen uns immer noch.“

Wie gut dieses Verhältnis ist, wird auch Carls zweites besonderes Datum in diesem Jahr zeigen: Am 13. Mai wird er 60 Jahre alt. Geplant ist ein kleines Gartenfest – und mit dabei natürlich die ein oder andere Wildpark-Legende.