Der Weltmeister beendet seine Tätigkeit als Berater beim Bundesligisten. Doch was ist nun mit dem Engagement von Philipp Lahm? Wir beleuchten die Hintergründe.
Sami Khedira hat Distanz zwischen sich und seinen Herzensclub gebracht. Knapp 17 000 Kilometer Luftlinie. Der 36-Jährige weilt gerade aus privaten Gründen in Australien und schaut sich die Fußball-WM der Frauen an. Und während der Weltmeister also weit weg ist, hat der VfB Stuttgart mitgeteilt, dass Khedira seine Beratertätigkeit beim Bundesligisten nach einem knappen Jahr beendet. Einvernehmlich.
Aus der aktuell großen Entfernung zwischen Khedira auf dem Fünften Kontinent und dem VfB in der Alten Welt sollte jedoch nicht zu viel herausgelesen werden. Beide Seiten betonen, dass sie verbunden bleiben und wie wichtig ihnen die Zusammenarbeit war. Und beide haben profitiert. Khedira ist nach seiner Karriere näher an das Management eines Vereins herangerückt, und den Stuttgartern nutzte das Netzwerk des früheren Nationalspielers.
Was hat Sami Khedira eigentlich gemacht?
Das Engagement war vertraglich auf eine Saison begrenzt, heißt es in der Pressemitteilung des VfB. Formal ist das richtig, doch während Khediras Präsentation im vergangenen September war davon nicht die Rede. Zusammen mit Philipp Lahm wurde das Eigengewächs als Berater des Vorstandsvorsitzenden vorgestellt. Christian Gentner, der Dritte im Bunde, übernahm die Funktion des Leiters der Lizenzspieler – als Angestellter.
Gemeinsam sollte das Trio die sportliche Kompetenz an der Mercedesstraße erweitern, am liebsten über mehrere Jahre. „Es war und ist die klare Überzeugung von Aufsichtsrat und Vorstand, die sportliche Verantwortung beim VfB auf mehrere Schultern zu verteilen und in unserem Kerngeschäft optimale Strukturen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen“, sagt Alexander Wehrle. Für den Vorstandschef war der Austausch mit Khedira besonders wertvoll: „Sami war vom ersten Tag an ein sehr wichtiger Faktor.“
Der Ex-Profi war in den ersten Monaten fast täglich auf dem Vereinsgelände, führte viele Gespräche, sagte seine Meinung und verpasste keine Kaderplanungssitzung. Anfang des Jahres verlegte Khedira seinen Lebensmittelpunkt von Fellbach nach London, blieb für Wehrle jedoch ein zentraler Ansprechpartner und regelmäßiger Besucher der Stuttgarter Spiele.
Alles abgestimmt mit dem VfB und in anderer Rolle als Lahm. Khedira war näher dran an seinem Ausbildungsclub und an Wehrle, tauschte sich über mögliche Transfers und Entwicklungen auf der Trainerposition aus. Erst mit dem Sportdirektor Sven Mislintat, danach mit Fabian Wohlgemuth. Lahm und seine Mitstreiter agieren dagegen wie eine Beratungsagentur, projektbezogen. Sie analysierten vor allem den Nachwuchsbereich und leiteten Empfehlungen ab.
„Als Alex Wehrle mich fragte, ob ich ihn und den VfB für ein Jahr unterstützen könne, musste ich nicht lange überlegen, denn es war Ehrensache für mich. Das Jahr war nicht einfach und durchaus intensiv, aber ich denke, dass wir sehr gute Voraussetzungen geschaffen und Strukturen vorbereitet haben“, sagt Khedira.
Geht es nun zum DFB?
Viele Prozesse liefen im Verborgenen ab, und die Entscheidungen trafen am Ende nicht die Berater. Das kann missfallen, doch Khedira und Lahm müssen ja auch nicht die Verantwortung übernehmen. Das gehört zum Konstrukt, und wie es aussieht, zieht es Khedira nun mehr in das Geschäft hinein. Er ist der Favorit auf den Posten des Sportdirektors beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).
Offenbar passt dieser Schritt besser zu Khediras Lebens- und Berufsplanung. Denn beim Verband ist der ehemalige Mittelfeldspieler als Stratege für Zukunftskonzepte gefragt. Bei einem Bundesligisten bestimmt dagegen der sportliche Alltag den operativen Bereich – und man ist Wochenende für Wochenende im Einsatz. „Ich bin dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen! Diejenigen, die mich gut kennen, wissen, wie viel mir eine erfolgreiche Zukunft des VfB bedeutet“, sagt Khedira.
Ob er zum DFB geht, ist noch nicht sicher. Die Verbandsgremien müssen darüber befinden. Unabhängig von der Personalie Khedira bleibt Lahm dem VfB als Berater vorerst erhalten, da sie keineswegs als Doppel aufgetreten sind. Doch da der VfB einen Sportvorstand sucht, hängt die weitere Zusammenarbeit mit dem Turnierdirektor der EM 2024 auch von dieser Personalie ab.
„Am Ende dieses Prozesses werden wir nach unserer Überzeugung mit den von uns bereits umgesetzten personellen und strukturellen Veränderungen über eine Gesamtstruktur im Bereich Sport verfügen, die den Anforderungen an unseren VfB gerecht wird“, sagt Wehrle, der das zusätzliche Amt des Sportvorstands abgibt. Womöglich endet zu diesem Zeitpunkt dann das prominent besetzte Beratermodell des VfB endgültig.