Der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter. Foto: dpa

Im Prozess um den Vorwurf des Kreditbetrugs wird erste Skepsis an der Rechenmethode des Ex-Porsche-Managers Härter laut.

Stuttgart - Vor drei Wochen verließ der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter den Gerichtssaal als Sieger: Eine Stunde dozierte er da beim Prozessauftakt vor dem Vorsitzenden Richter Roderich Martis über die Feinheiten des Bilanzrechts, zeigte sich „fassungslos“ über die Anschuldigungen gegen ihn und erklärte den auf 20 Tage angesetzten Prozess mehr oder minder zum Missverständnis, da die Staatsanwaltschaft betriebswirtschaftliche Begriffe falsch übersetzt und sich dann auch noch verrechnet habe.

 

Zur Halbzeit des zweiten Prozesstags am Donnerstag fiel die Bilanz weniger eindeutig für Härter aus: Zwar hielt er auch diesmal einen 45-minütigen Vortrag über die Bilanzstruktur Porsches zur Hochphase der versuchten VW-Übernahme und ließ Auszüge daraus an eine Leinwand im Stuttgarter Landgericht projizieren. Dieses Mal ließ Richter Martis allerdings erste Skepsis an Härters mehrfach wiederholter Unschuldsbeteuerung – „Unsere Aussage ist richtig, die der Staatsanwaltschaft ist falsch“ – aufkommen.

Im Kern wirft die Staatsanwaltschaft dem Ex-Porsche-Finanzchef und zwei seiner damaligen Abteilungsleiter vor, im Zuge einer Kreditanfrage im März 2009 gegenüber der Bank BNP Paribas unrichtige Angaben gemacht zu haben. Dadurch habe Porsche seine finanzielle Lage geschönt, um inmitten der Finanzkrise schneller an ein überlebenswichtiges Darlehen zu kommen.

„Das ist für uns kein Täuschungsdelikt, sondern ein klares betriebswirtschaftliches Vorgehen“

Ziel von Härter und dem damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking war es, mittels komplexer Optionsgeschäfte auf VW-Aktien den Anteil Porsches von rund 50 Prozent an VW-Stammaktien auf über 70 Prozent aufzustocken. Laut Anklage hat die 2009 hoch verschuldete Porsche Holding den dafür nötigen Liquiditätsbedarf gegenüber der Bank um rund 1,4 Milliarden Euro zu niedrig angegeben und Optionsverkäufe über 45 Millionen Euro verschwiegen. Beides hätte laut Staatsanwaltschaft die Risikobewertung des Kredits beeinflusst. BNP Paribas hat sich damals als eine von über einem Dutzend Banken mit 500 Millionen Euro an einem Gesamtkredit von zehn Milliarden beteiligt. Nach einem Treffen mit den Eigentümerfamilien im Mai 2009 mussten Wiedeking und Härter ihre Übernahmepläne allerdings abblasen und kurz darauf abdanken. Hinterlassen haben sie Porsche Milliardenschulden aus ihren Optionsgeschäften. Bis heute ziehen diese immense Schadenersatzforderungen von Anlegern nach sich.

Auch am zweiten Verhandlungstag blieb Härter hartnäckig dabei, dass seine früheren Risiko- und Kostenberechnungen und die Angaben gegenüber der Bank korrekt waren: „Das ist für uns kein Täuschungsdelikt, sondern ein klares betriebswirtschaftliches Vorgehen.“ Sämtliche Angaben zum Finanzierungsbedarf Porsches wären auch noch bei seinem Ausscheiden im Juli 2009 gültig gewesen, sagte er. Dagegen betonte Martis, dass der Finanzierungsbedarf „auch eine Bewertungsfrage“ sei: Es sei zu klären, ob Porsche einfach sämtliche Gewinne aus Optionsgeschäften als Sicherheiten zählen dürfe, obwohl diese womöglich ins Autogeschäft investiert wurden. Oder aber, ob der Finanzierungsbedarf realistischer eingeschätzt werden könne, wenn dieser an einem bestimmten Stichtag im März 2009 erhoben wird – so rechnet die Staatsanwaltschaft. Dann wären die Angaben von Porsche tatsächlich um 1,4 Milliarden Euro zu niedrig gewesen. Auch an einem Gutachten, das Härters Kalkulation stützt, meldete Martis Zweifel an: Darin fehlten wichtige Zahlen. An diesem Freitag wird der Prozess fortgesetzt, erste Zeugen sollen am 8. Oktober aussagen. Auf Kreditbetrug drohen bis zu drei Jahre Haft, vor deutschen Gerichten wurden in den seltenen Fällen von Verurteilungen bisher jedoch Geldstrafen verhängt.