Manfred Teufel gewinnt mit seinen kriminalhistorischen Büchern immer mehr Fans. Foto: Nädele

Der Kriminalhistoriker und frühere Polizeichef Manfred Teufel bringt sein zwölftes Buch heraus. Er beleuchtet die Anfänge der Landespolizei.

Wellendingen/Rottweil - Der Kriminalhistoriker und ehemalige Leiter der Polizeidirektion Tuttlingen, Manfred Teufel, hat eine treue Leserschaft. Und die Fangemeinde wächst. Nach dem großen Interesse an seinen beiden vorherigen Büchern über einen schauderhaften Mordfall sowie über schwäbische Gauner und Mörder legt er nun nach mit seinem zwölften Buch. "Eine Staatspolizei soll es sein!" lautet der Titel. Auf mehr als 160 Seiten arbeitet Teufel, der mittlerweile in Wellendingen lebt, detailliert und dabei überaus lesbar den Aufbau der Landespolizei in den Jahren 1945 bis 1952 auf.

"Es ist die Geschichte der Nachkriegspolizei. Und im Gegensatz zu heute ist das 1945 schnell vorangegangen", weiß Manfred Teufel. Schon im April 1946 sei damals die erste Landespolizei im französisch besetzten Gebiet Württembergs und Hohenzollerns gegründet worden. Für ihn ist das eine "Meisterleistung der damaligen Nachkriegspolitiker" – schnell und übersichtlich trotz der schwierigen Zeit. Die französischen Besatzer hätten Wert gelegt auf das napoleonische Gendarmeriekonzept. Und es bewährte sich, nahm schließlich eine Vorbildfunktion landesweit ein.

Siegermacht Frankreich behielt die Kontrolle

Alles geschah unter strengster Kontrolle der Siegermacht Frankreich. In 17 Landkreisen wurden Oberkommissariat und mehrere Kommissariate an polizeistrategisch wichtigen Orten eingerichtet. Abgesehen von der Ausstattung, die zunächst überaus spärlich und dürftig war, fehlte es direkt nach dem Krieg zunächst vor allem an Personal – nicht nur, weil die Franzosen großen Wert auf die Entnazifizierung legten. In den Polizeidienst konnte nur eintreten, wer unbelastet war. Einstige Mitglieder der NSDAP und anderer NS-Organisationen hatten keine Chance. Auf dem Schadenweiler Hof bei Rottenburg wurde alsbald eine Polizeischule installiert, in der der Nachwuchs ausgebildet wurde – auch in Staatsbürgerkunde.

Erste Fernschreibapparate kamen 1948, Polizeiautos waren Mangelware, private Fahrräder oder Motorräder normale Fortbewegungsmittel. Und auch was die Bewaffnung anging, bremsten die stets misstrauischen Franzosen enorm. Uniformen gab es erst nach und nach. Zunächst waren die Polizeibeamten nur an Armbinden zu erkennen. 1949 wurde der Gummiknüppel wieder eingeführt, der von den Nazis abgeschafft worden war. 1951 schließlich baute der Bund in Biberach die erste Hundertschaft der neu gegründeten Bereitschaftspolizei auf.

Schwarzmarkt und Schmuggel forderten die Polizei heraus

Dass die Nachkriegspolizei nicht in den Zuständigkeitsbereich der Landräte fiel, ist der Hartnäckigkeit und dem Sachverstand der deutschen Fachleute zu verdanken, zeigt Teufel in seinem Buch auf. Auch, dass die verwaltungstechnischen Aufgaben schon 1946 von der Polizei abgekoppelt und den Städten und Landkreisen übertragen wurde, die dann ihr "Amt für öffentliche Ordnung" etablieren konnten.

Teufel berichtet in seinem Buch von diesen ersten Nachkriegsjahren, in denen die polizeilichen Aufgaben schnell zugenommen haben. Unfälle und Verkehrsdelikte aber auch ein Schwarzmarkt, Schmuggel über die Grenzen in andere Besatzungszonen, Flüchtlingsströme, Ausgebombte und zurückflutende Soldaten waren Herausforderungen für die Polizei.

Todesstrafe für einen Mörder

Auch einen besonderen Kriminalfall greift Manfred Teufel in "Eine Staatspolizei soll es sein!" auf: 1949 wurde ermittelt, nachdem ein Fuhrunternehmer erschossen aufgefunden worden war. Auf die Spur des Täters führten Zeugenhinweise. Er wurde noch zum Tode verurteilt und hingerichtet. Drei Monate später trat das Grundgesetz in Kraft, das die Todesstrafe für abgeschafft erklärte.

Wie für seine vorherigen Veröffentlichungen hat Manfred Teufel als Basis auf ein kurzes Referat aus seiner Zeit an der Hochschule der Polizei zurückgegriffen und dann bis ins letzte Detail sorgfältig recherchiert und in Archiven geforscht. Bildmaterial, Protokolle, Berichte von Zeitzeugen, Statistiken, Organisations- und Geschäftsverteilungspläne oder etwa die Darstellung, wie es zur Gründung der Kriminalpolizei kam, machen das Buch zu einer Fundgrube nicht nur für polizeihistorisch interessierte Leser. Die Arbeit am nächsten Werk hat Manfred Teufel bereits aufgenommen. Verraten sei nur soviel: Es wird um Höllenmaschinen gehen.

INFO

Eine Staatspolizei soll es sein! Die Landespolizei im französisch besetzten Gebiet Württembergs und Hohenzollerns 1945 bis 1952, Verrai-Verlag, 165 Seiten. 14,90 Euro